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Erfahrungen aus dem Hessen-Wahlkampf Teil 2

Bereits im Wahlkampf zur Landtagswahl 2009 in Hessen nutzen unsere Genossinnen und Genossen des Kreisverbandes Frankfurt am Main die Möglichkeit, über ihre Aktionen mit Hilfe eines Blogs (www.links-rum.de), zu informieren. Lest nun den zweiten Teil unserer Reihe:

 

“Gregor und Oskar auf dem Römerberg”

Wer bei winterlichen Temperaturen den Frankfurter Römerberg füllen kann, der muss wohl deutlich mehr Sympathien bei den Bürgerinnen und Bürgern genießen, als es den neoliberalen Medien lieb ist.

Rund 1600 Menschen waren am frühen Freitagabend auf den Römerberg gekommen, um Gregor Gysi und Oskar Lafontaine zuzuhören. Den Anfang machte Gregor Gysi mit einer furiosen Rede, in der er die soziale Spaltung im Lande geißelte und dafür warb, den vier neoliberalen Parteien in Hessen keine Stimme zu geben und stattdessen mit beiden Stimmen DIE LINKE. zu wählen. Gregor, der an diesem Tag seinen 61. Geburtstag

feierte, wünschte sich 6,1 Prozent der Stimmen. „Das würde mir schon reichen!”, rief er unter dem Applaus der 1600. Aber Gregor, warum so bescheiden? Naja, bis zu den 61 Prozent für Die LINKE. müssen wir noch ein bißchen Überzeugungsarbeit leisten.

Janine Wissler „dankte” der SPD für ihren Wahlslogan „Wer sonst schaffe den gesetzlichen Mindestlohn, kleinere Klassen, ein besseres Bildungssystem” usw, der für jeden aufmerksamen Bürger ja ganz einfach zu beantworten sei: Natürlich DIE LINKE., wer sonst!?

Oskar Lafontaine machte aus seiner Verachtung für die neoliberalen Sozialabbau-Parteien SPD und GRÜNE keinen Hehl: „Wer hat denn die Heuschrecken fressen lassen, wer hat denn erlaubt, dass Banken Zweckgesellschaften für ihre faulen Papiere gründen?” Dieser Liberalismus sei auf allen Ebenen gescheitert. „Und wer zahlt jetzt die Milliarden zur Rettung der Banken?” fragt er. „Nicht die Superreichen, die für die Krise verantwortlich sind, sondern die Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitslosen.”

Oskar schwor die 1600 begeisterten Zuhörer zum Abschluss darauf ein, keine Stimme an CDU, FDP, SPD und GRÜNE zu verschwenden, sondern am 18. Januar die einzige Garantie für eine Abwahl Roland Kochs zu wählen - DIE LINKE.

Der Reporter der Frankfurter Rundschau muss allerdings entweder nachtblind gewesen sein oder aber nicht rechnen können, wenn er von 500 Zuhören schreibt. Vielleicht ist aber auch das Zeilenhonorar der schreibenden Zunft bei der FR mittlerweile so niedrig, dass sich der arme Mann Zahlen über 500 nicht mehr vorstellen kann.

Hans-Joachim Viehl

Bilder der Verantaltung

 

“Der Countdown läuft”

Die “48 Stunden auf der Gass” haben für die Frankfurter LINKEN begonnen

und wir haben heut morgen an allen S Bahn-Stationen und Bahnhöfen Verteilaktionen gestartet.

Wir waren überall die Ersten - bis die anderen Parteien verschlafen um die Ecke kamen, hatten wir schon masenhaft Flyer verteilt und natürlich die besten Plätze besetzt!

Stellvertretend für alle GenossInnen, die der Kälte trotzend an der Galluswarte, am Rodelheimer Bahnhof, in Sachsenhausen und Niederrad, am Weißen Stein, Ostbahnhof, Westbahnhof und Hauptbahnhof aktiv waren, kommt hier ein kleiner Bericht vom Höchster Bahnhof:

Die Verteilaktion war ein voller Erfolg. Da wir gestern abend noch erfahren hatten, daß auch die Grünen heute morgen am Bahnhof eine Verteilaktion durchführen wollten, haben sich die ersten LINKEN schon um 5.30 auf den Weg gemacht. Bis 8.00 Uhr standen 5 Höchster GenossInnen in der Kälte und haben Flugis verteilt. Die Reaktion war beinahe auschließlich positiv.

Als die zwei Grünen dann kamen, hatten wir einmal die besten Plätze blockiert und schon fast alles ausgegeben. Ätsch!

Jetzt ist erst einmal auftauen angesagt und dann geht es mit Verteilaktionen weiter.

Viel Spaß für alle weiterhin - wir sehn uns heut Abend auf dem Römerberg bei Gregor und Oskar!

Grüße aus Höchst

Dominike

 

 “Reaktionen auf der Straße”

Vier Stunden standen wir heute nachmittag am Infostand. Ein zentraler Verkehrsknotenpunkt mit S-Bahnstation. 1000e von Menschen kommen hier an einem Nachmittag vorbei. Die meisten haben es eilig, freundlich und offen gegenüber den Linken sind aber fast alle.

Die ältere Frau ist wütend. “Was die von der Arbeitsagentur mit uns machen, ist reine Schikane”. Obwohl auch der Berater kaum Chancen wegen ihres Alters sieht, sie wieder in einen Job zu vermitteln, soll sie nun unbezahlt 3 Monate ein “Praktikum” machen, das aus völlig sinnlosen Tätigkeiten besteht.

Unter denen, die am Infostand vorbeilaufen, sind sicher viele, die ähnliche Geschichten zu erzählen hätten. Jetzt in der Hauptverkehrszeit bleiben allerdings nur wenige stehen. Die meisten kommen wohl von der Arbeit, wollen schnell nach Hause oder noch zum Einkaufen.

Aber jeder zweite nimmt ein Flugblatt und viele lächeln uns freundlich an. Immer wieder der kurze Satz: “Ich wähl Euch sowieso”, hin und wieder auch ein “Nicht meine Partei”. Aber auch das kommt noch recht freundlich rüber.  Nur ein einziger in 4 Stunden fängt an auf das “Politbüro” zu schimpfen; er bekommt von uns ein freundliches “Noch einen schönen Abend für Sie” mit auf den Weg.

Das einzige, was die gute Stimmung an diesem Nachmittag etwas trübt, sind die doch recht vielen Unzufriedenen, die sich als Nichtwähler outen. “Politiker beuten uns alle aus”, “Ihr könnt doch auch nichts für uns tun”. Mit diesen Menschen würde man gern länger diskutieren, würde sie gern überzeugen, dass wir nur dann etwas für sie tun können, wenn sie uns wählen, wenn sie uns Informationen über konkrete Mißstände geben, wenn sie am besten gleich bei uns mitmachen. Politik für die Menschen zu machen geht auf Dauer nur, wenn mehr Menschen selber anfangen sich in die Politik einzumischen. Aber was nicht ist kann ja noch werden.

Infostand in Frankfurt

Infostand in Frankfurt

 

“Heute beim Plakatieren”

Eigentlich wird man häufiger beim Plakate aufhängen angesprochen. Entweder man wird beschimpft, oder bekommt eher ein positives Feedback. Manchmal passieren auch eher ungewöhnlichere Dinge, wie folgendes Beispiel zeigt

Heute haben mich zwei Jungs am Galluspark angesprochen. Sie fragten mich, ob ich von der LINKEN sei, das konnte ich nur bejahen. Naja, sie fragten mich, ob wir Interesse an einem Song gegen KOCH hätten. Wir kamen ins Gespräch und am Ende haben sie mir ihre MYSPACE-Adresse gegeben. Ich sagte, dass ich mir den Song mal anhören werde. Ich finde ihn eigentlich ganz gut und möchte ihn euch nicht vorenthalten. Richtig gut finde ich einige Szenen des dazugehörigen Video-Clips. Schaut ihn euch mal an.

Auf jeden Fall fand ich die Ansprache der Beiden ganz nett und bedanke mich, dass wir den Song verwenden dürfen. Vielleicht sieht man sich mal wieder.

Guaia Guaia

Guaia Guaia

Myspace-Seite der Band Guaia Guaia
Der Koch-Song der Band

 

“Verschiedene Kurzmeldungen”

Soziale Initiativen, Beratung, Hilfe bei Mietproblemen. Das bieten in manchen Stadtteilen örtliche Mieterbündnisse und Vereine. Mitglieder der Linken arbeiten dort vielerorts mit und zwar bescheiden, ohne das große Wort zu führen.

“Uns wird dann schon mal vorgeworfen, dass wir mit den Linken kooperieren” sagt uns ein Vorsitzender eines solchen Vereins. “Aber dann sagen wir: Das sind ganz normale Mitglieder und wenn die durch ihre Mitarbeit etwas erfahren, dann ist es völlig in Ordnung, wenn sie sich dann auf der politischen Ebene dafür einsetzen. Schade, dass die anderen Parteien das nicht genauso machen.”

Ganz schön kalt ist es im Januar. Nicht nur frühmorgens, wenn wir am S-Bahneingang Zettel verteilen. Auch abends und sogar nachts, wenn wir in vielen Stadtteilen noch Informationen in die Briefkästen stecken.

Viele der Wahlhelfer sind Berufstätige, die vor oder nach der Arbeit noch mithelfen. “Ich sitz den ganzen Tag im Büro. Da tut ein kleiner Stadtteilspaziergang am abend ganz gut.” meint Andreas aus dem Gallus. Das wird auch von den Nachbarn registriert. “Die sind schon ganz schön aktiv die Linken sogar bei der Kälte, dass muss man ihnen lassen.”

„Ich wähl’ euch sowieso!” - Das ist mit der häufigste Spruch, den die Mitglieder der Linken derzeit zu hören bekommen.

Wo immer wir stehen, sichtbar sind, Zettel verteilen gibt es viele Menschen, die inzwischen nicht nur Protest wählen, sondern Stammwähler geworden sind. Die Linke tut was für die Stimmen, die sie kriegt, sowohl auf lokaler Ebene im Stadtteil als auch im Landtag und im Bundestag. Damit die Menschen das auch erfahren hat die Frankfurter Linke auch außerhalb des Wahlkampfs in den letzten Monaten durch Infostände oder direkt über die Briefkästen informiert. Das zahlt sich jetzt aus. Viele, die wir jetzt auf der Straße treffen, erinnern sich an die guten Anträge im Ortsbeirat, an die kontinuierlichen Aktivitäten für soziale Gerechtigkeit. Vertrauen kriegt man nicht geschenkt. Die Linke ist dabei es sich zu verdienen.

„Ihr seid hier in meinem Wahlkreis”, meinte FDP Kandidatin Nicola Beer ganz überrascht als sie am Freitag am Hauptbahnhof mitten unter Linke geriet.

Ebenfalls überrascht, Die Linke zu treffen, waren einige Durchreisende aus der Region, die auf vor dem Bahnhof zu den Zügen unterwegs waren. Aber da man in kleineren Orten nicht unbedingt oft Gelegenheit hat, Information von der Linken aus erster Hand zu bekommen, nahmen viele die Handzettel gerne mit. Und da gleich eine Postkarte dabei war, können sie nun sich noch mehr Informationen bestellen oder am besten gleich Mitglied werden. Damit auch in den ländlicheren Regionen Hessen noch röter und wieder sozialer wird!

 

“Dittrich Kittner zu Gast im Bürgerhaus Bornheim”

Der große Saal im Bürgerhaus Bornheim ist, wie der Name nahe legt, GROß. “Ob der Saal voll wird?” war die bange Frage. Ein halb gefüllter Raum wäre den Zeitungen sicher eine Meldung wert. “DIE LINKE schätzt ihre Attraktivität falsch ein” oder “Nur 30 Leute wollten Dietrich Kittner” - so in der Art eben.

Da aber über 400 Besucher kamen und der Saal voll war, berichten die Zeitungen lieber weiter über imaginäre Massenaustritte als über eine gelungene Veranstaltung. Es waren übrigens nicht nur Ältere  da, sondern auch viele junge Menschen. Die LINKE hat Zukunft!

Dietrich Kittner verarbeitet die Sprechblasen der neoliberalen Politiker gekonnt. “Ich bin älter als ich aussehe, ich habe in meinem Leben schon drei Jahrhundert Reformen erlebt”.  Folglich müssen die die Erfahrungen von Dietrich Kittner bis in das 17. Jahrhundert zurückreichen. Bei soviel Altersweisheit ist nur zu verständlich das er den Bemühungen seiner Krankenkasse, jegliche Korrespondenz aus Gründen der Effizienz nur noch elektronisch abzuwickeln, wenig abgewinnen kann. “Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe kein Emaille  Anschluss, aber was halten Sie davon, ich rufe Sie an und ein Mitarbeiter tippt dann alles ein?” Hauptsächlich war es aber die bundespolitische Großwetterlage, der er einer Zäsur unterzieht…
Drei Zugaben forderte das Publikum ein, bevor es sich wieder in die eiskalte Nacht auf den Weg machte.

Die WK-38er möchten sich an dieser Stelle ganz ausdrücklich bei Stefan Klee und allen RömerfraktionistInnen bedanken, die uns mit viel guter Laune und Know How bei der Oganisation geholfen haben. DANKE GenossInnen!

Dietrich Kittner im Bürgerhaus Bornheim

Dietrich Kittner im Bürgerhaus Bornheim

Erfahrungen aus dem Hessen-Wahlkampf Teil 1

Bereits im Wahlkampf zur Landtagswahl 2009 in Hessen nutzen unsere Genossinnen und Genossen des Kreisverbandes Frankfurt am Main die Möglichkeit, über ihre Aktionen mit Hilfe eines Blogs (www.links-rum.de), zu informieren. Lest hier den ersten Teil unserer Reihe:


“De roode Stinkstiffel: Koch is en ehrenwerde Mann, odder?”

Die Büttenrede zum Wahlkampf - verfaßt und vorgetragen von Klaus Willkomm-Wiemer auf der Stunksitzung am 9. Januar

Es gibbt so linke Zeitgenosse,
die saache: Koch derfst de net wähle
ich abber saach: mach mer kaa Bosse
lasst euch net von Gerüchde quäle
der Koch, der is en ehrenwerde Mann
der duud für Hesse was er kann.

Wie die heilische Dreifaldischkeit
bleibe aach die Schule dreigedeilt
für Unner-, Middel-, Oberschischt
da wird net drin rumgemischt.
Unn wenn ihr aach degeesche seid -
Koch sorscht defier, dass des so bleibt.

Wenisch Lehrer, große Klasse(n)
duun zwar viele Hesse hasse(n)
die Zuständ ännern kost awwer mehr Steuer
die müsst er von de Reiche hohle
des awwer wär für die zu teuer,
also lässt er ne die Kohle.

So ähnlich is es mit G Acht,
hat de Kinner rischtisch Stress gebracht
hat aber aach sei guude Seide:
schon als Schüler mehr arbeide
un so uffs Arbeidslebe vorbereide
Schluss mit dem ahle Einerlei,
des bringt der Koch de Kinner bei.

Arbeiderkinner mit Diplom un Doktorhut
des duut de fein Gesellschaft gar net gut.
Umsonst studiern auf Steuerkoste(n),
Für Koch wars en große Negativposte(n).
2008 hat em des Volk un RotRotGrün
erst emal die Studiegebührn kassiert.
Jetzt überlescht er hinner de Bühn,
wie er die Studende doch noch rasiert.

Beim Privatisiern war de Koch schneller als gedacht,
hat die Frankfurter Uni zur Stiftungsuni gemacht.
Endlich, endlich: die Wirtschaft kommt zu ihrer Wissenschaft
un die Studende lerne jetzt, wie mer mit Kommerzkraft,
fünfundzwanzig Prozent Rendite mache kann,
herzlisch willkommen, Herr Ackermann!

Unn guckt: de gröößde Leuchttorm von Hesse,
de Koch hat en gebaut, damit mers net vergesse,
was er für die Gesundheit in Hesse tut,
is aach fürn Profit der Rhön Klinik gut.
Die Uniklinik Gießen-Marburg ist jetzt privat,
abrasiert der alte Bart.
Weniger Betten, weniger Personal unn weniger Lohn,
wenn mers hört, mer versteht des schon,
warum des alles besser geht.
Un wenn dann noch in de Zeidung steht,
dass se die Patiende zwar schneller, awwer blutisch entlasse,
dann muss mer saache: gut gemacht, des muss merm lasse!

Awwer unser Landesvadder duut sich net scheniern,
weil es gibbt noch viel mehr zu privatisiern.
Zum Beispiel die Hessisch Landesbahn,
da hawwe viele Profitjäger Interesse dran.
Weil de Gewinn so gut wie garandiert,
awwer fragt net, was mit de Fahrgäst passiert.
Wie bei de Odenwaldbahn, die hat er schonn privatisiert.
Überfüllt, Verspätung jeden Daach, unfreundlich Personal,
zu wenig Sitzplätz, ich saachs euch: es is e Qual!

Ihr denkt vielleich, isch hab was gesche Koch.
Falsch, der duut aach guudes, ich saachs euch noch.
De Rhein-Main-Flughafe der is nämlisch zu klein.
Nur 1000 Flieger in 24 Stunde, des kann net sein.
E zusätzlisch Landebahn, aach wenns mehr Lärm macht
mer müsse alle nach Majorka, Tag und Nacht.
Die Kleingeister von Offenbach, Frankfurt, Kelsterbach
die des alles net wolle, wesche Treibhaus un Krach
die beruhigt er mit mehr Arbeitsplätz un Mediation
der Koch is schlau, der schafft des schon.

Un werds, wie jetzt bei Opel, mal werklich heiß,
dann kenn ich aan, der schnell die Rettung weiß.
Wenn grad Wahlkampf und die Mehrheit Ziel,
verspricht er auch em Arbeider gern viel.
In USA hawwe se hart um die Stütz gerunge,
awwer letzte Endes war de Bush gezwunge,
General Motors zu sponsern mit aller Macht,
nur weil de Koch schon 500 Millione zugesagt.
Der werd sogar zum Volksaufklärer, wenns für Hesse gut,
brutalst möglich, mit Schlauheit unn mit Wagemut,
hat de Koch dafür gesorgt, dass mer die schwarze Flecke
auf seiner weiße West net mehr entdecke.
Damit ihr des nie un nimmer erfahrt,
wo des Geld her war, mit dem er 99 gewonne hat.
Wie gesagt: er is en ehrenwerde Mann,
der duud für Hesse was er kann.

Der waaß genau: des soziale Elend kommt von Hartz Vier,
des kann er awwer net saache, weil er is aach defür.
Also sinn kriminelle jugendliche Ausländer schuld.
Da verliert Landesvadder Koch die väterlich Geduld:
Abschiebe des Pack, oder härter bestrafe,
dann könne mer widder besser schlafe.

Wenn ihr jetz immer noch Zweifel habt,
wenn ihr sacht, die Propaganda hab ich satt,
wenn ihr meint, der Koch bringt uns nix gutes,
wenn ihr glaubt, was uns nix nutzt, der tut des,
dann erlaub ich mer en guude Rat:
duut am Wahldaach e guude Tat,
un wählt net CDU odder FDP!
Wenige tun se wohl, aber viele tun se weh!
Schließlich gibt’s ja noch annere Kandidaade,
zum Beispiel Die Linke, es wär net zu euerm Schade!


“Anruf zur Hessenwahl”

„Hallo, Schwesterchen. Ihr wählt doch am Sonntag einen neuen Landtag. Kannst Du als Mitglied der Partei Die Linke. mir mal in einigen Sätzen erklären, warum man Eure Partei wählen sollte. Ich habe nämlich von einer Freundin, die in Hessen zur Wahl gehen möchte, eine Anfrage gekriegt?”

„Also, Schwesterherz, Du als Hartz IV-Empfängerin  bist doch schon Grund genug. Oder hast Du Dich mit Deiner Situation mittlerweile abgefunden?”

„Abgefunden? Dass ich nicht lache! Diese Schikane! Erst musste ich mich nackt ausziehen und Nabelschau betreiben, nur um meine Bedürftigkeit nachzuweisen, und dann werde ich dauernd traktiert, mit diesem und jenem, und wenn  ich diesen blöden 1-Euro-Job nicht mache, den ich neulich aufgebuckelt bekommen habe, kriege ich meine Leistungen gekürzt, obwohl von Hartz IV ohnehin niemand leben kann, wenn er nicht enorme Phantasien zum Überlebenstraining entwickelt.  Zum Beispiel schneide ich von alten Klamotten die Ärmel ab, um mir daraus Knie- und Pulswärmer zu basteln, wegen meiner Gelenke, weißt Du, die keine Kälte mehr vertragen können. Ich kann mir halt die Praxisgebühren und die Zuzahlung zu den Medikamenten  nicht leisten.”

„Na, siehst Du, die Zuzahlungen wollen wir neben Hartz IV auch abschaffen. Die ganze Agenda 2010 mitsamt dem kapitalistischen System gehört in den Orkus der Geschichte. Was verstehen  die Agenda-Apologeten eigentlich unter Reform? Gemeinhin versteht man doch unter Reform eine Verbesserung für arme Leute. Aber das Gegenteil ist der Fall! Und welche Parteien haben bisher die Agenda unterstützt? Alle anderen namhaften Parteien, ob es die CDU/CSU ist oder die FDP und die Grünen!  Sogar die SPD, meine Liebe, da kannst Du Gift drauf nehmen. Apropos: Was  ist denn das für ein 1-Euro-Job, zu dem Du jetzt verknackt worden bist? Würde der Dir Spaß machen?”

„I wo! Das, was ich kann, wird kaum anerkannt. Ich soll da reingepfercht werden in ein Altenwohnheim, Arsch abputzen und so, obwohl ich dafür überhaupt keine Ausbildung habe. Naja, vielleicht muss man dafür gar nicht ausgebildet sein. Früher, als ich noch Erzieherin war, da habe ich mich zwar ebenfalls um Popos gekümmert, aber um Kinderpopos, das ist was völlig anderes. Außerdem war das nur hin und wieder. Aber in diesem Altenwohnheim - das hörte ich von anderen 1-Euro-Jobbern, die dort arbeiten - wirst Du gerade für solche Arbeiten verwendet. Arbeiten, die die anderen möglichst nicht machen wollen. Also den ganzen Tag Bettpfannen auslehren, Toiletten reinigen und noch solch schöne Sachen. Und was meine Kindergartenkinder früher anbetrifft: Die konnte ich wenigstens tragen. Du weißt ja, ich hab´s am Rücken. Aber der Amtsarzt sagt, Rückenprobleme, das sei ein Volksleiden, und die anderen müssten damit ja auch arbeiten. Ich sollte mich nicht so anstellen. Das ist echt ein Skandal. Und dieser paritätische Wohlfahrtsverband, für den ich arbeiten soll! Nur weil er gemeinnützig ist, bekommt er Sklaven zugeschoben, die für  ihn umsonst arbeiten. Meine Güte, da könnte ich schon einen dicken Hals kriegen!”

„Da hast Du allen Grund dazu.  Und weißt Du was?  Es kommt  noch dicker:  Die Sklavenhändler kriegen sogar eine Kopfprämie für jeden  1-Euro-Jobber. Man stelle sich vor: 300.- bis 600.- Euro pro Nase monatlich. Da machen die ein dickes Geschäft, statt dass das Geld demjenigen zugute kommt, der wirklich dafür arbeitet! Es sind schon Agenturen wie Pilze aus dem Boden geschossen, die pro forma Arbeitslose einstellen und sich dabei eine goldene Nase verdienen.

„Meine Güte! Wie korrupt das ist!”

“Ja, und deswegen kostet Hartz IV schon doppelt so viel, wie ursprünglich veranschlagt, statt 13 Milliarden so um die 26 Milliarden!”

„Was man damit alles machen könnte!  Warum stellen die uns mit diesem Geld nicht ein für angemessene und gute Arbeit?”

„Tja, das ist das kapitalistische Ausbeutungsystem. Um in der weltweiten Konkurrenz bestehen zu können, werden die Löhne immer mehr gedrückt. Denn im System kapitalistischer Profitlogik kann nur noch an der Schraube der menschlichen Arbeitskraft gedreht werden, solange, bis die Menschen vor Erschöpfung zusammenkrachen und hoffentlich dieses System kollabiert. Aber bis dahin sind unsere Kinder sicher schon erwachsen. Fragt sich nur, welchen Beruf sie dann haben, bei unserer Ausbildungsmisere. Statt mehr Geld in Bildung zu investieren - in dem Fall könntest Du als Erzieherin an einer schulischen Einrichtung eingestellt werden und sicherlich Deinen Rücken schonen - wird es sinnlos zum Fenster rausgeworfen. Obwohl doch fast jeder weiß, dass das Bildungswesen  in Deutschland so marode ist wie in kaum einem anderen europäischen Land - auch da gehören wir europaweit zum Schlusslicht - wird das Geld darüberhinaus den Banken hinterhergeschmissen, jetzt, zur Zeit der Finanzkrise.  Überhaupt ist es ein unglaublicher Widerspruch, wenn postuliert wird, wie von Agenda-Schröder damals dahergebetet, wir dürften im Sinne der Generationengerechtigkeit unseren Kindern später keine Schulden aufhalsen, und auf der anderen Seite werden die  so schlecht ausgebildet, dass jedes  Entwicklungsland, wie China oder Indien z.B., in Punkto Ausbildung viel  besser dasteht. Wenn unsere Kinder erwachsen sind, wird es im wesentlichen darum gehen, wer besser ausgebildet ist. Genau deshalb wollen wir den Bildungsetat enorm erhöhen, Gemeinschaftsschulen bis einschließlich 10. Klasse einrichten, damit jedes Kind, auch das ärmste, gleiche Bildungsvorraussetzungen bekommt, und wir wollen selbstredend für individuelle Förderung, d.h. integrative Klassen sorgen. Da wird  jedes Kind mitgenommen, egal ob minder- oder hochbegabt, arm oder reich, ob Migrantenkind oder deutsches Kind.  Das jetzige dreigliedrige System ist nämlich ungerecht hoch Zehn. Arme, die sich keine Nachhilfe leisten können, gehen darin völlig unter.  Ich sage Dir, investieren  wir weiterhin so wenig in unsere Kinder,  können die später einpacken und weltweit Popos putzen gehen!”

„Wau, dieses Szenario sitzt! Ich glaube, wenn ich das meiner Freundin erzähle - die ist nämlich prekär beschäftigt und Mutter von drei Kindern - wenn ich der das erzähle - da bin ich mir ganz sicher - wird sie die Linke wählen! Vielen Dank, Schwesterchen, und grüße noch den Florian ganz herzlich von mir!”

„Mach ich. Tschüss. Und vergiss ja nicht den Wahlsonntag am 18.1.09!”

„Ja, ist doch Ehrensache!  Küsschen!”


Blog online…

Am heutigen Tage ging unser Blog zur Kampagne “linksaktiv” online. Hier findet ihr allgemeine Informationen rund um die Kampagne, genauso wie Berichte über konkrete Aktionen, die ihr vor Ort unternommen habt. Schaut immer wieder rein! Holt euch Anregungen für eigene Aktionen. Erfahrt mehr darüber, wie Aktionen woanders gelaufen sind. Tragt euren Teil dazu bei, einen erfolgreichen Wahlkampf für uns gemeinsam zu bestreiten.