Bereits im Wahlkampf zur Landtagswahl 2009 in Hessen nutzen unsere Genossinnen und Genossen des Kreisverbandes Frankfurt am Main die Möglichkeit, über ihre Aktionen mit Hilfe eines Blogs (www.links-rum.de), zu informieren. Lest nun den zweiten Teil unserer Reihe:
“Gregor und Oskar auf dem Römerberg”
Wer bei winterlichen Temperaturen den Frankfurter Römerberg füllen kann, der muss wohl deutlich mehr Sympathien bei den Bürgerinnen und Bürgern genießen, als es den neoliberalen Medien lieb ist.
Rund 1600 Menschen waren am frühen Freitagabend auf den Römerberg gekommen, um Gregor Gysi und Oskar Lafontaine zuzuhören. Den Anfang machte Gregor Gysi mit einer furiosen Rede, in der er die soziale Spaltung im Lande geißelte und dafür warb, den vier neoliberalen Parteien in Hessen keine Stimme zu geben und stattdessen mit beiden Stimmen DIE LINKE. zu wählen. Gregor, der an diesem Tag seinen 61. Geburtstag
feierte, wünschte sich 6,1 Prozent der Stimmen. „Das würde mir schon reichen!”, rief er unter dem Applaus der 1600. Aber Gregor, warum so bescheiden? Naja, bis zu den 61 Prozent für Die LINKE. müssen wir noch ein bißchen Überzeugungsarbeit leisten.
Janine Wissler „dankte” der SPD für ihren Wahlslogan „Wer sonst schaffe den gesetzlichen Mindestlohn, kleinere Klassen, ein besseres Bildungssystem” usw, der für jeden aufmerksamen Bürger ja ganz einfach zu beantworten sei: Natürlich DIE LINKE., wer sonst!?
Oskar Lafontaine machte aus seiner Verachtung für die neoliberalen Sozialabbau-Parteien SPD und GRÜNE keinen Hehl: „Wer hat denn die Heuschrecken fressen lassen, wer hat denn erlaubt, dass Banken Zweckgesellschaften für ihre faulen Papiere gründen?” Dieser Liberalismus sei auf allen Ebenen gescheitert. „Und wer zahlt jetzt die Milliarden zur Rettung der Banken?” fragt er. „Nicht die Superreichen, die für die Krise verantwortlich sind, sondern die Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitslosen.”
Oskar schwor die 1600 begeisterten Zuhörer zum Abschluss darauf ein, keine Stimme an CDU, FDP, SPD und GRÜNE zu verschwenden, sondern am 18. Januar die einzige Garantie für eine Abwahl Roland Kochs zu wählen - DIE LINKE.
Der Reporter der Frankfurter Rundschau muss allerdings entweder nachtblind gewesen sein oder aber nicht rechnen können, wenn er von 500 Zuhören schreibt. Vielleicht ist aber auch das Zeilenhonorar der schreibenden Zunft bei der FR mittlerweile so niedrig, dass sich der arme Mann Zahlen über 500 nicht mehr vorstellen kann.
Hans-Joachim Viehl
“Der Countdown läuft”
Die “48 Stunden auf der Gass” haben für die Frankfurter LINKEN begonnen
und wir haben heut morgen an allen S Bahn-Stationen und Bahnhöfen Verteilaktionen gestartet.
Wir waren überall die Ersten - bis die anderen Parteien verschlafen um die Ecke kamen, hatten wir schon masenhaft Flyer verteilt und natürlich die besten Plätze besetzt!
Stellvertretend für alle GenossInnen, die der Kälte trotzend an der Galluswarte, am Rodelheimer Bahnhof, in Sachsenhausen und Niederrad, am Weißen Stein, Ostbahnhof, Westbahnhof und Hauptbahnhof aktiv waren, kommt hier ein kleiner Bericht vom Höchster Bahnhof:
Die Verteilaktion war ein voller Erfolg. Da wir gestern abend noch erfahren hatten, daß auch die Grünen heute morgen am Bahnhof eine Verteilaktion durchführen wollten, haben sich die ersten LINKEN schon um 5.30 auf den Weg gemacht. Bis 8.00 Uhr standen 5 Höchster GenossInnen in der Kälte und haben Flugis verteilt. Die Reaktion war beinahe auschließlich positiv.
Als die zwei Grünen dann kamen, hatten wir einmal die besten Plätze blockiert und schon fast alles ausgegeben. Ätsch!
Jetzt ist erst einmal auftauen angesagt und dann geht es mit Verteilaktionen weiter.
Viel Spaß für alle weiterhin - wir sehn uns heut Abend auf dem Römerberg bei Gregor und Oskar!
Grüße aus Höchst
Dominike
“Reaktionen auf der Straße”
Vier Stunden standen wir heute nachmittag am Infostand. Ein zentraler Verkehrsknotenpunkt mit S-Bahnstation. 1000e von Menschen kommen hier an einem Nachmittag vorbei. Die meisten haben es eilig, freundlich und offen gegenüber den Linken sind aber fast alle.
Die ältere Frau ist wütend. “Was die von der Arbeitsagentur mit uns machen, ist reine Schikane”. Obwohl auch der Berater kaum Chancen wegen ihres Alters sieht, sie wieder in einen Job zu vermitteln, soll sie nun unbezahlt 3 Monate ein “Praktikum” machen, das aus völlig sinnlosen Tätigkeiten besteht.
Unter denen, die am Infostand vorbeilaufen, sind sicher viele, die ähnliche Geschichten zu erzählen hätten. Jetzt in der Hauptverkehrszeit bleiben allerdings nur wenige stehen. Die meisten kommen wohl von der Arbeit, wollen schnell nach Hause oder noch zum Einkaufen.
Aber jeder zweite nimmt ein Flugblatt und viele lächeln uns freundlich an. Immer wieder der kurze Satz: “Ich wähl Euch sowieso”, hin und wieder auch ein “Nicht meine Partei”. Aber auch das kommt noch recht freundlich rüber. Nur ein einziger in 4 Stunden fängt an auf das “Politbüro” zu schimpfen; er bekommt von uns ein freundliches “Noch einen schönen Abend für Sie” mit auf den Weg.
Das einzige, was die gute Stimmung an diesem Nachmittag etwas trübt, sind die doch recht vielen Unzufriedenen, die sich als Nichtwähler outen. “Politiker beuten uns alle aus”, “Ihr könnt doch auch nichts für uns tun”. Mit diesen Menschen würde man gern länger diskutieren, würde sie gern überzeugen, dass wir nur dann etwas für sie tun können, wenn sie uns wählen, wenn sie uns Informationen über konkrete Mißstände geben, wenn sie am besten gleich bei uns mitmachen. Politik für die Menschen zu machen geht auf Dauer nur, wenn mehr Menschen selber anfangen sich in die Politik einzumischen. Aber was nicht ist kann ja noch werden.
“Heute beim Plakatieren”
Eigentlich wird man häufiger beim Plakate aufhängen angesprochen. Entweder man wird beschimpft, oder bekommt eher ein positives Feedback. Manchmal passieren auch eher ungewöhnlichere Dinge, wie folgendes Beispiel zeigt
Heute haben mich zwei Jungs am Galluspark angesprochen. Sie fragten mich, ob ich von der LINKEN sei, das konnte ich nur bejahen. Naja, sie fragten mich, ob wir Interesse an einem Song gegen KOCH hätten. Wir kamen ins Gespräch und am Ende haben sie mir ihre MYSPACE-Adresse gegeben. Ich sagte, dass ich mir den Song mal anhören werde. Ich finde ihn eigentlich ganz gut und möchte ihn euch nicht vorenthalten. Richtig gut finde ich einige Szenen des dazugehörigen Video-Clips. Schaut ihn euch mal an.
Auf jeden Fall fand ich die Ansprache der Beiden ganz nett und bedanke mich, dass wir den Song verwenden dürfen. Vielleicht sieht man sich mal wieder.
“Verschiedene Kurzmeldungen”
Soziale Initiativen, Beratung, Hilfe bei Mietproblemen. Das bieten in manchen Stadtteilen örtliche Mieterbündnisse und Vereine. Mitglieder der Linken arbeiten dort vielerorts mit und zwar bescheiden, ohne das große Wort zu führen.
“Uns wird dann schon mal vorgeworfen, dass wir mit den Linken kooperieren” sagt uns ein Vorsitzender eines solchen Vereins. “Aber dann sagen wir: Das sind ganz normale Mitglieder und wenn die durch ihre Mitarbeit etwas erfahren, dann ist es völlig in Ordnung, wenn sie sich dann auf der politischen Ebene dafür einsetzen. Schade, dass die anderen Parteien das nicht genauso machen.”
Ganz schön kalt ist es im Januar. Nicht nur frühmorgens, wenn wir am S-Bahneingang Zettel verteilen. Auch abends und sogar nachts, wenn wir in vielen Stadtteilen noch Informationen in die Briefkästen stecken.
Viele der Wahlhelfer sind Berufstätige, die vor oder nach der Arbeit noch mithelfen. “Ich sitz den ganzen Tag im Büro. Da tut ein kleiner Stadtteilspaziergang am abend ganz gut.” meint Andreas aus dem Gallus. Das wird auch von den Nachbarn registriert. “Die sind schon ganz schön aktiv die Linken sogar bei der Kälte, dass muss man ihnen lassen.”
„Ich wähl’ euch sowieso!” - Das ist mit der häufigste Spruch, den die Mitglieder der Linken derzeit zu hören bekommen.
Wo immer wir stehen, sichtbar sind, Zettel verteilen gibt es viele Menschen, die inzwischen nicht nur Protest wählen, sondern Stammwähler geworden sind. Die Linke tut was für die Stimmen, die sie kriegt, sowohl auf lokaler Ebene im Stadtteil als auch im Landtag und im Bundestag. Damit die Menschen das auch erfahren hat die Frankfurter Linke auch außerhalb des Wahlkampfs in den letzten Monaten durch Infostände oder direkt über die Briefkästen informiert. Das zahlt sich jetzt aus. Viele, die wir jetzt auf der Straße treffen, erinnern sich an die guten Anträge im Ortsbeirat, an die kontinuierlichen Aktivitäten für soziale Gerechtigkeit. Vertrauen kriegt man nicht geschenkt. Die Linke ist dabei es sich zu verdienen.
„Ihr seid hier in meinem Wahlkreis”, meinte FDP Kandidatin Nicola Beer ganz überrascht als sie am Freitag am Hauptbahnhof mitten unter Linke geriet.
Ebenfalls überrascht, Die Linke zu treffen, waren einige Durchreisende aus der Region, die auf vor dem Bahnhof zu den Zügen unterwegs waren. Aber da man in kleineren Orten nicht unbedingt oft Gelegenheit hat, Information von der Linken aus erster Hand zu bekommen, nahmen viele die Handzettel gerne mit. Und da gleich eine Postkarte dabei war, können sie nun sich noch mehr Informationen bestellen oder am besten gleich Mitglied werden. Damit auch in den ländlicheren Regionen Hessen noch röter und wieder sozialer wird!
“Dittrich Kittner zu Gast im Bürgerhaus Bornheim”
Der große Saal im Bürgerhaus Bornheim ist, wie der Name nahe legt, GROß. “Ob der Saal voll wird?” war die bange Frage. Ein halb gefüllter Raum wäre den Zeitungen sicher eine Meldung wert. “DIE LINKE schätzt ihre Attraktivität falsch ein” oder “Nur 30 Leute wollten Dietrich Kittner” - so in der Art eben.
Da aber über 400 Besucher kamen und der Saal voll war, berichten die Zeitungen lieber weiter über imaginäre Massenaustritte als über eine gelungene Veranstaltung. Es waren übrigens nicht nur Ältere da, sondern auch viele junge Menschen. Die LINKE hat Zukunft!
Dietrich Kittner verarbeitet die Sprechblasen der neoliberalen Politiker gekonnt. “Ich bin älter als ich aussehe, ich habe in meinem Leben schon drei Jahrhundert Reformen erlebt”. Folglich müssen die die Erfahrungen von Dietrich Kittner bis in das 17. Jahrhundert zurückreichen. Bei soviel Altersweisheit ist nur zu verständlich das er den Bemühungen seiner Krankenkasse, jegliche Korrespondenz aus Gründen der Effizienz nur noch elektronisch abzuwickeln, wenig abgewinnen kann. “Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe kein Emaille Anschluss, aber was halten Sie davon, ich rufe Sie an und ein Mitarbeiter tippt dann alles ein?” Hauptsächlich war es aber die bundespolitische Großwetterlage, der er einer Zäsur unterzieht…
Drei Zugaben forderte das Publikum ein, bevor es sich wieder in die eiskalte Nacht auf den Weg machte.Die WK-38er möchten sich an dieser Stelle ganz ausdrücklich bei Stefan Klee und allen RömerfraktionistInnen bedanken, die uns mit viel guter Laune und Know How bei der Oganisation geholfen haben. DANKE GenossInnen!
