{"id":1010,"date":"2009-12-10T15:44:19","date_gmt":"2009-12-10T13:44:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=1010"},"modified":"2009-12-10T22:31:02","modified_gmt":"2009-12-10T20:31:02","slug":"stadelmeiers-idee-fur-die-neue-rundfunkgebuhr-spult-ard-und-zdf-viel-geld-in-die-kasse-und-entlastet-gleichzeitig-die-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/stadelmeiers-idee-fur-die-neue-rundfunkgebuhr-spult-ard-und-zdf-viel-geld-in-die-kasse-und-entlastet-gleichzeitig-die-unternehmen\/","title":{"rendered":"Stadelmeiers Idee f\u00fcr die neue Rundfunkgeb\u00fchr sp\u00fclt ARD und ZDF viel Geld in die Kasse und entlastet gleichzeitig die Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>Allein, wenn die Rundfunkgeb\u00fchr f\u00fcr die 2,3 Mio. ausschlie\u00dflichen Radionutzer auf 17,98 Euro steigt, macht dies 337 Mio. Euro aus. Wenn zudem alle diejenigen, die bisher keine Rundfunkgeb\u00fchr zahlen, \u201eerfasst\u201c werden, k\u00f6nnten die GEZ ein Plus von \u00fcber 1,17 Mrd. Euro verbuchen. Ein Teil davon wird dazu dienen, die Unternehmen von der Rundfunkgeb\u00fchr zu entlasten. Ein anderer wird mit der Werbefreiheit von ARD und ZDF gegengerechnet werden.<!--more--><\/p>\n<p>Derzeit werden noch zwei Rundfunkgeb\u00fchrenmodelle diskutiert. Bei der \u201eHaushaltsabgabe\u201c m\u00fcsste man zahlen, unabh\u00e4ngig davon, ob man \u00fcberhaupt den Rundfunk nutzt. Die Geb\u00fchrenpflicht w\u00fcrde von <strong>jeglicher<\/strong> Mediennutzung abgekoppelt. Jeder Haushalt m\u00fcsste die Rundfunkgeb\u00fchr bezahlen, unabh\u00e4ngig davon, ob man ein Ger\u00e4t besitzt. Allerdings soll es weiterhin eine Befreiung aus sozialen Gr\u00fcnden geben.<\/p>\n<p>Bei der \u201emodifizierten Ger\u00e4teabgabe\u201c soll man in Zukunft auch zahlen, wenn man nur ein Ger\u00e4t besitzt, dass auch Rundfunk empfangen kann. Das kann auch ein Handy oder ein PC sein. Zudem soll die Beweislast umgekehrt werden: Man m\u00fcsste nachweisen, dass man keines der Ger\u00e4te besitzt, wenn man keine Rundfunkgeb\u00fchr bezahlen will. Doch wie soll man nachweisen, dass man etwas nicht hat?<\/p>\n<p>Einige Politiker gehen wie die Intendanten davon aus, das \u201eeigentlich\u201c jeder ein Rundfunkempfangsger\u00e4t hat. Schlie\u00dflich kann man mit immer mehr Ger\u00e4ten Rundfunk empfangen. Zudem ist die Demokratie ohne Rundfunk undenkbar und die Rundfunkgeb\u00fchr damit eine Demokratieabgabe. (Niemand w\u00e4re in den 50er oder 60er Jahren auf diese Idee gekommen.) Doch geht es ihnen um die Demokratie oder wollen sie nur die \u201edie Differenz\u201c aus der Zahl der\u00a0 Gesamthaushalte und der Zahl der privat angemeldeten Ger\u00e4te \u201eheben\u201c, um zus\u00e4tzliche Geb\u00fchrenzahler zu gewinnen? Im Jahre 2008 gab es in Deutschland laut <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Content\/Statistiken\/Bevoelkerung\/Haushalte\/Aktuell,templateId=renderPrint.psml\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a> 40,1 Mio. Haushalte. Bei der Geb\u00fchreneinzugszentrale sind 32,2 Mio. \u201eprivate\u201c Geb\u00fchrenzahler registriert. (Darunter fallen auch diejenigen mit Zweitwohnsitz bzw. Garten) Wenn man nun eine Haushaltsgeb\u00fchr einf\u00fchren w\u00fcrde, <strong>h\u00e4tte man 7,9 Millionen zus\u00e4tzliche private Geb\u00fchrenzahler<\/strong>. Doch stimmt es, dass jeder Rundfunk nutzt? Kann es nicht sein, dass sich diese B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bewusst gegen Fernseher und Radio entschieden haben, so wie sich auch immerhin 2,3 Mio. B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zwar f\u00fcr ein Radio, aber gegen einen Fernseher entschieden haben?<\/p>\n<p>Ab 1. Januar 2013 soll die neue Geb\u00fchr eine einheitliche H\u00f6he haben. Die Grundgeb\u00fchr, die derzeit bei 5,76 Euro im Monat liegt, wird abgeschafft. So sagte Martin Stadelmaier gegen\u00fcber <a href=\"http:\/\/carta.info\/19672\/internet-gez-gebuehr-vollzahler-gebuehrenmodell\/\">carta.info<\/a>: \u201eWir streben an, dass die neue Geb\u00fchr wiederum die H\u00f6he von 17,98 Euro haben wird.\u201c Diese Geb\u00fchr sollen dann alle zahlen, auch wenn sie nur einen Laptop oder auch ein Radio, aber keinen Fernseher haben. F\u00fcr diese steigt dann die Rundfunkgeb\u00fchr um \u00fcber 200 Prozent. Und das sind nicht wenige. Zum 30.9.2009 <a href=\"http:\/\/www.media-perspektiven.de\/uploads\/tx_mppublications\/10-09_Statistik.pdf\">zahlten<\/a> \u00fcber 2,4 Mio. Geb\u00fchrenzahler nur die Grundgeb\u00fchr. Darunter sind gerade einmal 102.000 Geb\u00fchrenzahlerinnen und \u2013zahlern, die nur neuartige Rundfunkempfangsger\u00e4te nutzen. \u00a0Somit wird deutlich, dass in Zukunft vor allem diejenigen, die bisher nur Radio geh\u00f6rt haben, zus\u00e4tzlich belastet werden. Und dies ohne dass sie eine zus\u00e4tzliche Leistung nutzen. Werden die Ideen der Ministerpr\u00e4sidenten so umgesetzt, <strong>steigen die Gesamteinnahmen allein bei der modifizierten Rundfunkgeb\u00fchr um \u00fcber 351 Mio. Euro <\/strong>\u2013 die Radionutzer tragen \u00fcber 337 Mio. Euro bei, die Nutzer neuer Rundfunkempfangsger\u00e4te \u00fcber 14,6 Mio. Euro. .<\/p>\n<p>Kommt die Haushaltsabgabe steigen die Einnahmen noch st\u00e4rker. Das Statistische Bundesamt rechnet f\u00fcr 2010 mit \u00fcber 40 Mio. Privathaushalten. Wenn wir annehmen, dass davon \u2013 wie bisher &#8211; ca. 10% befreit sind, m\u00fcssen immerhin noch 36 Mio. Haushalte die Abgabe bezahlen. Zum 30.9.2009 <a href=\"http:\/\/www.media-perspektiven.de\/uploads\/tx_mppublications\/10-09_Statistik.pdf\">gab<\/a> es 32,2 Mio. \u201eprivate\u201c Geb\u00fchrenzahler (davon zahlten 2,4 Mio. nur die Grundgeb\u00fchr), 2,9 Mio. Geb\u00fchrenzahler waren befreit. So sp\u00fclte man durch die <strong>Verbreitung der Basis um 3,8 Mio. Geb\u00fchrenzahler fast 820 Mio. Euro zus\u00e4tzlich<\/strong> ins System. Da zudem die bisherigen Grundgeb\u00fchrzahler auch die volle Geb\u00fchr zahlen w\u00fcrden, h\u00e4tte man so auf einen Schlag\u00a0 <strong>\u00fcber 1.171\u00a0 Mio. Euro \u201egewonnen\u201c<\/strong>. Nun, ARD, ZDF und Deutschlandradio w\u00fcrden sicher nur zum Teil davon profitieren, da ein Teil der Summe dazu genutzt wird, die Unternehmen zu entlasten. Derzeit gibt es \u00fcber 7 Mio. \u201enicht-private\u201c Geb\u00fchrenzahler. Einen anderen Teil werden die Ministerpr\u00e4sidenten dazu nutzen, die behaupteten Mindereinnahmen durch die Werbefreiheit (bisher wird nicht ber\u00fccksichtigt, dass das Werberahmenprogramm teuer ist und bei Werbefreiheit nicht nur anders, sondern auch preiswerter sein k\u00f6nnte) zu kompensieren.<\/p>\n<p>Nur um die Unternehmen zu entlasten und um ein mit 7,5 Mrd. Euro subventioniertes Programm auch werbefrei zu erhalten: daf\u00fcr sollen dann alle Haushalte voll \u2013 also mehr &#8211;\u00a0 zahlen? Daf\u00fcr sollen dann die 2,3 Mio. mehr als dreimal soviel zahlen, die bisher nur das Radio nutzen und keinen Fernseher wie auch keinen Live-Stream wollen? Daf\u00fcr sollen dann auch all diejenigen, die sich bisher bewusst gegen Radio und Fernsehen entschieden haben?<\/p>\n<p>Wenn immer mehr Ger\u00e4te es auch erm\u00f6glichen, Rundfunk zu empfangen, dann hat man ja gar keine M\u00f6glichkeit mehr, der Geb\u00fchrenpflicht zu entgehen. Damit wird die Freiheit, sich aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen zu informieren nicht eingeschr\u00e4nkt, jedoch in eine bestimmte Richtung gelenkt. Ja, welchen politischen Sinn macht es, Ger\u00e4te und Medien, die erkl\u00e4rterma\u00dfen \u201chaupts\u00e4chlich einem anderen Zweck\u201d als der Rundfunknutzung dienen, voll abgabenpflichtig zu machen? Doch nur den, die Nutzer zuallererst den \u00f6ffentlich-rechtlichen Angebote \u201ezuzuf\u00fchren\u201c bzw. ihn von anderen Angeboten abzuhalten. Ja, manche werden angesichts der Grundgeb\u00fchren f\u00fcr das Handy, den Kabelfernsehanschluss und die Rundfunkgeb\u00fchr kaum noch Geld f\u00fcr weitere\u00a0 &#8211; zu bezahlende &#8211; Angebote haben. Indem man den Rundfunk zur Grundlage der Demokratie erkl\u00e4rt und gleichzeitig alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger faktisch als Rundfunknutzer definiert, umgeht man die Gefahr, dass immer mehr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nachweisen k\u00f6nnen, dass sie die etablierten Rundfunksender Deutschlands nicht mehr nutzen und somit auch keine Rundfunkgeb\u00fchr bezahlen m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Allerdings steht dann die Frage, <strong>wenn eine solche einheitliche, nutzungsunabh\u00e4ngige Medienabgabe eingef\u00fchrt wird, warum dann daraus nicht auch Zeitungen sowie Online- und mobile Angebote Dritter mit aus der Geb\u00fchr finanziert werden?<\/strong><\/p>\n<p>Anscheinend ist dies ein weiterer gro\u00dfer Schritt, ARD und ZDF mehr Geld zukommen zu lassen. Niemand w\u00e4re in den 50er und 60er Jahren auf die Idee gekommen, von allen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern die volle Rundfunkgeb\u00fchr zu verlangen, nur weil sie beim Nachbarn mit schauten. Damals hatten die Sender ja auch noch keine Finanzprobleme. Dadurch, dass es immer mehr Haushalte gab, die sich Radio oder Fernsehen anschafften, gab es auch immer mehr Geb\u00fchrenzahler. Die Einnahmen stiegen st\u00e4ndig. Diese Zeiten sind vorbei. Somit gibt es heute nur zwei M\u00f6glichkeiten, die Einnahmen zu erh\u00f6hen. Entweder wird die Rundfunkgeb\u00fchr erh\u00f6ht oder die Einnahmebasis wird noch einmal kr\u00e4ftig erweitert. Die Einnahmebasis kann man jedoch nur letztmalig verbreitern. So gewinnt man etwas Zeit, versch\u00e4rft jedoch die Diskussion um die Legitimation von ARD und ZDF. Ja, man bringt Millionen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sogar gegen ARD und ZDF auf. Und somit stellt sich versch\u00e4rft die Frage, warum es nicht m\u00f6glich sein soll, dass ARD und ZDF den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht f\u00fcr weniger Geb\u00fchren mehr bieten k\u00f6nnen? Warum muss insbesondere die ARD ihre Strukturen in die Zukunft fortschreiben? Warum reichen die Einnahmen nicht aus, ein guten, innovatives \u00f6ffentlich-rechtliches Programm zu machen? Hat dies nicht seine Ursachen in den Sendern? Doch wenn dem so ist, dann helfen h\u00f6here Einnahmen auch nicht weiter.<\/p>\n<p>Carta.info weist darauf hin, dass nach einer Einigung der Ministerpr\u00e4sidenten \u201ealle 16 Landtage \u00fcber die \u00c4nderungen abstimmen. Aufgrund der bunten Koalitionen in den L\u00e4ndern m\u00fcssen damit alle im Bundestag vertretenen Parteien auch der neuen Geb\u00fchr zustimmen.\u201c<\/p>\n<p>Das Rundfunk\u00e4nderuingsstaatsvertr\u00e4ge einstimmig verabschiedet werden, ist eine \u00c4nderung des Rundfunkgeb\u00fchrenmodells also nicht ohne Zustimmung durch die LINKE m\u00f6glich.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton1010\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fstadelmeiers-idee-fur-die-neue-rundfunkgebuhr-spult-ard-und-zdf-viel-geld-in-die-kasse-und-entlastet-gleichzeitig-die-unternehmen%2F&amp;text=Stadelmeiers%20Idee%20f%C3%BCr%20die%20neue%20Rundfunkgeb%C3%BChr%20sp%C3%BClt%20ARD%20und%20ZDF%20viel%20Geld%20in%20die%20Kasse%20und%20entlastet...%20&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fstadelmeiers-idee-fur-die-neue-rundfunkgebuhr-spult-ard-und-zdf-viel-geld-in-die-kasse-und-entlastet-gleichzeitig-die-unternehmen%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allein, wenn die Rundfunkgeb\u00fchr f\u00fcr die 2,3 Mio. ausschlie\u00dflichen Radionutzer auf 17,98 Euro steigt, macht dies 337 Mio. 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