{"id":1142,"date":"2010-01-15T09:51:47","date_gmt":"2010-01-15T08:51:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=1142"},"modified":"2010-01-15T14:40:48","modified_gmt":"2010-01-15T13:40:48","slug":"deutsche-digitale-bibliothek-nur-eine-leere-hulle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/deutsche-digitale-bibliothek-nur-eine-leere-hulle\/","title":{"rendered":"Deutsche Digitale Bibliothek nur eine leere H\u00fclle?"},"content":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend Hendrik Werner in der WELT <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/kultur\/article5817628\/Deutsche-hinken-beim-Buch-Scannen-hinterher.html\">feststellt<\/a>, dass Deutschland bei der Digitalisierung des Kulturerbes hinterherhinkt, hat die LINKE Bundestagsfraktion mal nachgefragt, ob das so bleiben soll. In der\u00a0<a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/uploads\/RS-LINKE-17-304-Deutsche-Digitale-Bibliothek1.pdf\">Antwort<\/a> auf die Kleine Anfrage &#8222;Einrichtung der Deutschen Digitalen Bibliothek&#8220; stellt die Bundesregierung klar,<!--more-->\u00a0dass sie\u00a0\u00fcber die f\u00fcnf Millionen Euro f\u00fcr den Aufbau und die 1,3 Millionen Euro f\u00fcr den Betrieb keine weiteren Finanzen zur Verf\u00fcgung stellen wird &#8211; weder f\u00fcr die mit etwa 30 Millionen Euro taxierten Mittel zur\u00a0Pflege von Servern und Datenbanken, noch f\u00fcr die weitaus teurere Erstellung der eigentlichen\u00a0Inhalte. Sie hat auch bisher keine \u00dcbersicht, welche Mittel der Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in die Erstellung digitaler Inhalte flie\u00dfen. Die DFG f\u00f6rdert derzeit mit etwa 16 Millionen Euro (2009) die Erstellung forschungsrelevanter Digitalisate und unterst\u00fctzt so die Eigeninitiative der Bibliotheken.<\/p>\n<p>Nachbar\u00a0Frankreich kam mit Digitalisierungszahlen im unteren sechsstelligen Bereich\u00a0bisher nur m\u00e4\u00dfig voran. Das \u00e4ndert sich nun,\u00a0wie Heise <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Frankreich-Strategie-zur-Digitalisierung-des-kulturellen-Erbes-vorgestellt-903550.html\">berichtet<\/a>.\u00a0\u00a0750 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket der Regierung zur Erstellung von eContent sollen das Land zum europ\u00e4ischen Vorreiter in Sachen Digitalisierung machen. Das gro\u00dfz\u00fcgige Staatsgeld trifft auf die Idee des Kulturministers Mitterrand, Google als privaten Partner zu beteiligen. Diese Public-Private-Partnership scheitert laut Bericht m\u00f6glicherweise an der Vorstellung des Suchmschinenkonzerns, die dann entstehenden Digitalisate als Exklusiveigentum verwerten zu k\u00f6nnen. Wie etwa Jeanette Hofmann <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/ein-google-gesetz\/\">beschrieb<\/a>, d\u00fcrfe genau dies nicht passieren, wenn die Digitalisierungsbem\u00fchungen nachhaltig einem verbesserten Zugang zum kulturellen Erbe dienen soll.<\/p>\n<p>Ob auch in Deutschland eine Kooperation mit Google angestrebt wird, ist offen. Zwar erkl\u00e4rt die Bundesregierung, die DDB sei\u00a0<\/p>\n<blockquote><p>in ihrem Kernbestand auf Digitalisate \u00f6ffentlich-rechtlicher Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen sowie vergleichbarer privater Einrichtungen beschr\u00e4nkt, die f\u00fcr ein hohes Ma\u00df an Qualit\u00e4t der bereitgestellten Inhalte b\u00fcrgen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zugleich sei jedoch der Einbezug weiterer Quellen vorgesehen und erw\u00fcnscht.\u00a0<\/p>\n<p>Die Bundesregierung pr\u00fcfe zudem\u00a0eine \u00c4nderung der Rechtslage bei der digitalen Verbreitung so genannter verwaister Werke. Derzeit w\u00fcrden Stellungnahmen \u201ebeteiligter Kreise\u201c zu m\u00f6glichen Gesetzes\u00e4nderungen ausgewertet. Offensichtlich reicht der Bundesregierung nicht, dass die VG Wort mit dem Deutschen Bibliotheksverband, dem B\u00f6rsenverein des deutschen Buchhandels und weiteren Akteuren eine \u00dcbereinkunft zu Entsch\u00e4digungen an Rechteinhaber vermeintlich verwaister Werke getroffen hat (<a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/googlebooksettlement-jetzt-auch-in-deutschland\/\" target=\"_blank\">wir berichteten<\/a>).\u00a0<\/p>\n<p>So solle nach nach einer \u201esorgf\u00e4ltigen Suche\u201c nach Rechteinhabern bei deren Nichtauffinden eine Nutzungslizenz am betreffenden, dann verwaist genannten Werk bei der VG Wort erworben werden k\u00f6nnen. Problematisch ist dabei zun\u00e4chst, dass die Verg\u00fctungsgeb\u00fchren an die bei der VG Wort registrierten Rechteinhaber ausgesch\u00fcttet werden, wenn sich der Rechteinhaber des betreffenden Werks nicht in einem begrenzten Zeitraum meldet. Mit diesem, in kurzer Zeit erstelltem Verg\u00fctungsmodell wollten B\u00f6rsenverein und VG Wort wohl einer gesetzlichen Regelung zuvorkommen. Dass der Bibliotheksverband diesem Modell zugestimmt hat, \u00fcberrascht, da der Verband sich in seiner <a href=\"http:\/\/http:\/\/ec.europa.eu\/information_society\/activities\/digital_libraries\/doc\/consultations\/2replies\/dbv.pdf\">Stellungnahme zur Europeana<\/a>\u00a0(pdf)\u00a0f\u00fcr eine europ\u00e4isch harmonisierte Regelung des Zugangs zu verwaisten Werken ausgesprochen hat und das nationale Verg\u00fctungsmodell als nicht rechtssicher f\u00fcr die Bibliotheken bezeichnet. Der Verband schrieb:<\/p>\n<blockquote><p>In Deutschland wird ein Modell favorisiert, bei dem eine Art Entsch\u00e4digungsfonds gebildet wird, aus dem m\u00f6gliche Rechtsverletzungen nachtr\u00e4glich kompensiert werden. \u00c4hnliche Ideen gibt es in anderen L\u00e4ndern. Ohne eine zus\u00e4tzliche gesetzgeberische Absicherung bleiben die Akteure aber strafrechtlich verantwortlich f\u00fcr m\u00f6gliche Rechtsverletzungen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf die Frage, wie die Bundesregierung das deutsche Verg\u00fctungsmodell der VG Wort bewertet und ob es aus ihrer Sicht Rechtssicherheit herstelle, antwortet sie ausweichend, dass derzeit ein Regelungsbedarf zum Umgang mit verwaisten Werken gepr\u00fcft werde. M\u00f6glicherweise zieht die Bundesregierung die Einf\u00fchrung einer Schrankenregelung in Erw\u00e4gung, wie sie vom <a href=\"http:\/\/www.vzbv.de\/mediapics\/stn_fragebogen_bmj_handlungsbedarf_urheberrecht_06_2009.pdf\" target=\"_blank\">Bundesverband der Verbraucherzentralen <\/a>(pdf) wie auch vom <a href=\"http:\/\/www.urheberrechtsbuendnis.de\/docs\/verwaisteWerke.pdf\" target=\"_blank\">Aktionsb\u00fcndnis \u201eUrheberrecht in Bildung und Wissenschaft\u201c<\/a>\u00a0(pdf) vorgeschlagen wurde.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton1142\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fdeutsche-digitale-bibliothek-nur-eine-leere-hulle%2F&amp;text=Deutsche%20Digitale%20Bibliothek%20nur%20eine%20leere%20H%C3%BClle%3F&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fdeutsche-digitale-bibliothek-nur-eine-leere-hulle%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend Hendrik Werner in der WELT feststellt, dass Deutschland bei der Digitalisierung des Kulturerbes hinterherhinkt, hat die LINKE Bundestagsfraktion mal nachgefragt, ob das so bleiben soll. 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