{"id":1390,"date":"2010-03-03T18:28:18","date_gmt":"2010-03-03T17:28:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=1390"},"modified":"2010-03-03T18:58:25","modified_gmt":"2010-03-03T17:58:25","slug":"acta-abkommen-verhandlungspositionen-en-detail-geleakt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/acta-abkommen-verhandlungspositionen-en-detail-geleakt\/","title":{"rendered":"ACTA-Abkommen: Verhandlungspositionen en d\u00e9tail geleakt!"},"content":{"rendered":"<p>An <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/neues-acta-dokument-geleakt\/\" target=\"_blank\">dieser Stelle<\/a> wurde bereits kurz auf ein neues, j\u00fcngst geleaktes Dokument zum gegenw\u00e4rtigen Verhandlungsstand \u00fcber das im Geheimen verhandelte Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) hingewiesen. Inzwischen liegt uns das diesbez\u00fcgliche Dokument in einer weiteren, offenbar von der EU-Kommission f\u00fcr spezifische Zwecke des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Europ%C3%A4ischer_Rat&amp;oldid=71267284\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ischen Rates<\/a> versandten <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/uploads\/ACTA-6437-10.pdf\" target=\"_blank\">Originalversion<\/a> vor. Das insgesamt 44 Seiten umfassende Papier tr\u00e4gt das Datum 12. Februar 2010, wurde demnach nach der <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/acta-verhandlungsrunde-vom-26-%e2%80%9327-januar-in-mexiko\/\" target=\"_blank\">letzten Verhandlungsrunde<\/a> am 26.\u201327. Januar in Guadalajara (Mexiko) erstellt und gibt eine tabellarische \u00dcbersicht \u00fcber die Verhandlungspositionen der USA, der EU und weiterer Staaten. Es ist, wie der ACTA-Experte Michael Geist in seinem\u00a0<a href=\"http:\/\/www.michaelgeist.ca\/content\/view\/4829\/125\/\" target=\"_blank\">Blog<\/a> konstatiert,<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;probably the most significant leak to-date since it goes even beyond the transparency debate by including specific country positions and proposals.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Adressiert ist das Dokument an die \u201eGruppe der Freunde des Pr\u00e4sidentschaft\u201c. Bei dieser handelt es sich \u2013 siehe <a href=\"http:\/\/www.cep.eu\/index.php?id=68&amp;no_cache=1&amp;L=0&amp;tx_sgglossary_pi1%5Bsearchmode%5D=1&amp;tx_sgglossary_pi1%5Bsearch%5D%5Babc%5D=Freunde+der+Pr%E4sidentschaft\">hier<\/a> \u2013 um eine informelle Arbeitsgruppe des Rates:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Freunde der Pr\u00e4sidentschaft sind eine Gruppe von Vertretern der Mitgliedstaaten und der Kommission, die eingesetzt wird, wenn sektor\u00fcbergreifende Themen zu bearbeiten sind, die nicht eindeutig einer einzelnen Ratsformation zugeordnet werden k\u00f6nnen. Die Freunde der Pr\u00e4sidentschaft werden ad-hoc einberufen durch das Land, das die Ratspr\u00e4sidentschaft inne hat. Die Mitgliedstaaten k\u00f6nnen entscheiden, wen sie in die Gruppe entsenden. Die Arbeitsweise der Freunde der Pr\u00e4sidentschaft hat einen informellen Charakter. Die Verhandlungen finden z.B. \u00fcberwiegend auf Englisch statt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Damit setzt die EU-Kommission, trotz zahlreicher Proteste auch aus dem Europ\u00e4ischen Parlament (siehe hierzu: <a href=\"http:\/\/futurezone.orf.at\/stories\/1640356\/\">\u201eACTA: \u201aWir wollen wissen, was los ist\u2019\u201c<\/a>, f\u00fcr die Fraktion GUE\/NGL die <a href=\"http:\/\/www.guengl.eu\/showPage.jsp?ID=8055&amp;LANG=1&amp;TERM=ACTA\" target=\"_blank\">Pressemitteilung<\/a> von Eva-Britt Svensson sowie die \u00fcberfraktionelle <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/sides\/getDoc.do?type=OQ&amp;reference=O-2010-0026&amp;format=XML&amp;language=DE\" target=\"_blank\">Parlamentarische Anfrage<\/a> vom 24. Februar 2010), ihre Politik der konsequenten Nicht\u00f6ffentlichkeit fort. Informiert wird in au\u00dferparlamentarischen Verhandlungssystemen, nicht aber in demokratisch legitimierten Parlamenten.\u00a0Das war im \u00fcbrigen bislang auch die offizielle Linie der Bundesregierung in den Verhandlungen, wie der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Bundestag zu entnehmen (wir <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/acta-verhandlungen-spricht-die-justizministerin-fur-die-bundesregierung\/\" target=\"_blank\">berichteten<\/a>).<\/p>\n<p>Wenn nun Bundessjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine Offenlegung der Verhandlungstexte fordert, ist das zu begr\u00fc\u00dfen, wirft zugleich aber auch Fragen auf. Spiegel Online \u2013 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/netzpolitik\/0,1518,681142,00.html\" target=\"_blank\">\u201eCopyright-Pakt Acta: Justizministerin will Surf-Verbot f\u00fcr Raubkopierer verhindern\u201c<\/a> \u2013 gibt die Ministerin heute mit den Worten wieder:<\/p>\n<blockquote><p>Leutheusser-Schnarrenberger verlangt eine Publikation der Acta-Dokumente: &#8222;Die vorl\u00e4ufigen Verhandlungstexte sollten so bald wie m\u00f6glich ver\u00f6ffentlicht werden.&#8220; Sie pl\u00e4diert f\u00fcr &#8222;mehr Transparenz und Offenheit bei den Vertragsverhandlungen&#8220;, um &#8222;unbegr\u00fcndeten Bef\u00fcrchtungen und Fehlinformationen&#8220; vorzubeugen. Man habe das im Rahmen der EU-internen Beratungen mit einer Reihe weiterer Staaten &#8222;auch sehr deutlich gemacht&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Fraglich an dieser Darstellung ist, dass Deutschland tats\u00e4chlich zu den Vorreitern in Sachen Transparenz bei ACTA z\u00e4hlt. Michael Geists Auswertung \u201eThe ACTA Transparency Scorecard\u201c auf Basis eines aus den Niederlanden stammenden, ebenfalls vor kurzem <a href=\"http:\/\/www.bigwobber.nl\/2010\/02\/25\/dutch-internal-acta-documents\/\" target=\"_blank\">geleakten Dokuments<\/a> mit Datum vom 15. Januar 2010 kommt da zu einem g\u00e4nzlich anderen Ergebnis. Deutschland widersetzte sich demnach bislang ebenso wie die EU-Kommission der Forderung nach Transparenz. Sollte die Bundesregierung nun einen Kurwechsel vollzogen und \u2013 wie Spiegel Online unter Berufung auf die Ministerin berichtet \u2013 die sogenannte Erkl\u00e4rung der \u201eFriends of Transparency\u201c, die am Freitag auf der Tagesordnung der Sitzung des Haushaltspolitischen Ausschusses der EU steht, unterzeichnet haben, w\u00e4re das immerhin ein bedeutsamer Fortschritt.<\/p>\n<p>Zum Inhalt des Dokuments: Wiedergegeben wird der Verhandlungsstand zu den Kapiteln \u201eCivil Enforcement\u201c und \u201eSpecial Measures related to Technological Enforcement Means and the Internet\u201c \u2013 letzteres wird oft auch als sogenanntes lnternet-Kapitel bezeichnet. Beide Punkte wurden auf der Verhandlungsrunde in Mexiko diskutiert (siehe hierzu den <a href=\"http:\/\/www.publicknowledge.org\/pdf\/acta-leak-20100212.pdf\" target=\"_blank\">geleakten Bericht<\/a> der Generaldirektion Handel vom 12. Februar 2010). Zu erkennen ist das Bem\u00fchen der EU, Handlungsspielraum f\u00fcr die Mitgliedstaaten zu gewinnen, nicht aber dem US-Ansatz g\u00e4nzlich zu widersprechen. So wird von den EU-Unterh\u00e4ndlern dem Dr\u00e4ngen der USA nach technisch wirksamen Ma\u00dfnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen, nach Ausweitung der Haftungspflicht f\u00fcr Diensteanbieter sowie nach Verbot der Umgehung technischer Schutzma\u00dfnahmen (DRM) von Inhalten kein grunds\u00e4tzlicher Widerstand entgegengebracht.<\/p>\n<p>Michael Geist hat <a href=\"http:\/\/www.michaelgeist.ca\/content\/view\/4829\/125\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> eine erste Kurzauswertung von zentralen Bestandteilen vorgenommen. Eine darauf aufbauende \u00dcbersetzung ins Deutsche liefert dankenswerterweise <a href=\"http:\/\/www.gulli.com\/news\/neuer-acta-leak-die-positionen-der-verhandlungspartne-2010-03-02\" target=\"_blank\">gulli.com<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Einige der interessantesten Bestandteile zum Internetkapitel des ACTA-Abkommens:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Thematik der <em>&#8222;Safe Harbour&#8220;<\/em>-Klausel scheint die Vertragspartner zu entzweien. Die Safe Harbour-Klausel befreit Diensteanbieter von einer Haftung, sofern diese Ma\u00dfnahmen gegen rechtswidrige Taten ergreifen, falls sie davon erfahren. Neben einem Entwurf der USA stehen auch noch Ans\u00e4tze aus Japan sowie der EU im Raum. Neuseeland zeigt sich g\u00e4nzlich zur\u00fcckhaltend und fordert Kl\u00e4rung, was von der Safe Harbour-Klausel betroffen sein soll.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Der japanische Entwurf sieht eine Haftung der Provider vor, sobald diese von der Rechtsverletzung Kenntnis erlangt haben. Die Diensteanbieter d\u00fcrften zur Haftung herangezogen werden, wenn es technisch m\u00f6glich ist, weitere Verletzungen zu verhindern. Dies gilt auch dann, wenn der Provider &#8222;<em>wei\u00df oder Grund zu der Annahme hat<\/em>&#8222;, dass eine Rechtsverletzung stattfindet.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Provider sollen in ihren Nutzungsbedingungen erw\u00e4hnen, dass sie technisch wirksame Ma\u00dfnahmen gegen Rechtsverletzungen t\u00e4tigen (bspw: Three-Strikes-Gesetz). Nur wenn sie sich dazu bereit erkl\u00e4ren, k\u00f6nnen sie sich unter den Schutz der Safe Harbour-Klausel stellen. Neuseeland stellte sich vehement gegen diese Position. Japan hingegen hat erkl\u00e4rt, dass deren Gesetz keine Nutzungsbedingungen vorschreibt. Eine Implementierung solcher Richtlinien w\u00e4re also schwierig.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Die USA versuchen, einen globalen Digital Millenium Copyright Act (DMCA) durchzusetzen. Dieser erm\u00f6glicht es in den USA, sogenannte L\u00f6schaufforderungen zu versenden. Die Vollmachten von Rechteinhabern w\u00fcrden damit drastisch steigen. Eine der Nutzungsm\u00f6glichkeiten des DMCA sah man beispielsweise beim Fall Microsoft gegen Cryptome (<a href=\"http:\/\/www.gulli.com\/news\/cryptome-wegen-microsoft-spionagehandbuch-vom-netz-2010-02-24\">gulli:News berichtete<\/a>).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einige der interessantesten Bestandteile zur zivilrechtlichen Durchsetzung des ACTA-Abkommens:<\/p>\n<ul>\n<li>Die USA, Japan sowie die EU wollen eine Erweiterung der Rechtsm\u00f6glichkeiten auf jedwedes geistige Eigentum, also beispielsweise auch Patentangelegenheiten oder Vergleichbares. Kanada, Singapur und Neuseeland fordern hingegen eine strikte Begrenzung der zivilrechtlichen M\u00f6glichkeiten von ACTA. Es soll bei Urheberrechts- und Markenrechtsangelegenheiten bleiben.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Der Informationsaustausch bei Ermittlungen soll sehr weitl\u00e4ufig sein, wie die USA fordern. Die EU stellt sich mit der Forderung nach einem limitierten Austausch dagegen. Noch engere Grenzen formuliert lediglich der Vertragspartner Kanada.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Die EU fordert eine rechtliche Handhabe gegen Vermittler, deren Dienste zur Verletzung eines geistigen Eigentumsrechtes missbraucht werden. Mit dieser Forderung steht die EU bislang alleine.<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p>Eine tiefergehende Auswertung des j\u00fcngsten Dokuments ist erforderlich, gestaltet sich aber als sehr aufwendig. Dies aus dem naheliegenden Grund, weil die von der EU, aber auch von Japan und Neuseeland sowie von weiteren Verhandlungsstaaten vorgelegten Alternativformulierungen zum US-Vorschlag in vielen F\u00e4llen eine nachhaltige Kenntnis der internationalen wie auch der jeweils nationalen Rechtsvorschriften zum Urheber-, Telekommunikations- und Telemedienrecht voraussetzten.<\/p>\n<p>Weitere Reaktionen (in Auswahl) auf das Dokument:<\/p>\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/keionline.org\/node\/788\" target=\"_blank\">KEI notes on the EU leak of the ACTA text<\/a><\/p>\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.iptegrity.com\/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=477&amp;I temid=9\" target=\"_blank\">ACTA: haunted by the Telecoms Package<\/a><\/p>\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/techdirt.com\/articles\/20100301\/1512318346.shtml\" target=\"_self\">More ACTA Leaks; Reveal Different Positions Taken By Different Countries<\/a><\/p>\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/futurezone.orf.at\/stories\/1640657\/\" target=\"_blank\">Neues ACTA-Dokument durchgesickert<\/a><\/p>\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/ACTA-Neue-Enthuellungen-neue-Befuerchtungen-945479.html\" target=\"_blank\">ACTA: Neue Enth\u00fcllungen, neue Bef\u00fcrchtungen<\/a><\/p>\n<p>&#8211; <a href=\"http:\/\/thewere42.wordpress.com\/2010\/03\/03\/new-acta-leak-shows-major-resistance-to-us-style-drm-rules\/\" target=\"_blank\">New ACTA leak shows major resistance to US-style DRM\u00a0rules<\/a><\/p>\n<div id=\"tweetbutton1390\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Facta-abkommen-verhandlungspositionen-en-detail-geleakt%2F&amp;text=ACTA-Abkommen%3A%20Verhandlungspositionen%20en%20d%C3%A9tail%20geleakt%21&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Facta-abkommen-verhandlungspositionen-en-detail-geleakt%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An dieser Stelle wurde bereits kurz auf ein neues, j\u00fcngst geleaktes Dokument zum gegenw\u00e4rtigen Verhandlungsstand \u00fcber das im Geheimen verhandelte Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) hingewiesen. 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