{"id":1496,"date":"2010-03-18T17:16:46","date_gmt":"2010-03-18T16:16:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=1496"},"modified":"2010-04-20T11:25:01","modified_gmt":"2010-04-20T10:25:01","slug":"leipziger-erklarung-zum-schutz-des-geistigen-eigentums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/leipziger-erklarung-zum-schutz-des-geistigen-eigentums\/","title":{"rendered":"Leipziger Erkl\u00e4rung zum Schutz des geistigen Eigentums"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"https:\/\/vs.verdi.de\/\" target=\"_blank\">Verband deutscher Schriftsteller <\/a>\u00a0in ver.di hat im Vorfeld der Leipziger Buchmesse eine <a href=\"https:\/\/vs.verdi.de\/urheberrecht\/aktuelles\/leipziger-erklaerung\" target=\"_blank\">Erkl\u00e4rung zum Schutz des geistigen Eigentums <\/a>abgegeben. In dieser nehmen namhafte Autorinnen und Autoren wie G\u00fcnter Grass, G\u00fcnter Kunert oder Christa Wolf die Nominierung von Helene Hegemann zum Anlass, um gegen die Verlodderung der Sitten im Literaturbetrieb zu protestieren:<\/p>\n<blockquote><p><em>Wenn ein Plagiat als preisw\u00fcrdig erachtet wird, wenn geistiger Diebstahl und Verf\u00e4lschungen als Kunst hingenommen werden, demonstriert diese Einstellung eine fahrl\u00e4ssige Akzeptanz von Rechtsverst\u00f6\u00dfen im etablierten Literaturbetrieb.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und nach dieser Kritik am &#8222;eigenen Laden&#8220; folgt der Rundumschlag:<\/p>\n<blockquote><p><em>Die M\u00f6glichkeiten neuer Medien, auch die des Internets, \u00e4ndern nichts an der Tatsache, dass der Schutz geistigen Eigentums, die Wahrung der Rechte von Urheberinnen und Urhebern, nach wie vor uneingeschr\u00e4nkt Geltung und Priorit\u00e4t genie\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em>[&#8230;]<\/em><\/p>\n<p><em>Missachtung, Aush\u00f6hlung und str\u00e4fliche Verletzung des Urheberrechts f\u00fchrt zur Entwertung, Aufgabe und schlie\u00dflich zum Verlust jedweder eigenst\u00e4ndigen intellektuellen und k\u00fcnstlerischen Leistung.<\/em><\/p>\n<p><em>Kopieren ohne Einwilligung und Nennung des geistigen Sch\u00f6pfers wird in der j\u00fcngeren Generation, auch auf Grund von Unkenntnis \u00fcber den Wert kreativer Leistungen, gelegentlich als Kavaliersdelikt angesehen. Es ist aber eindeutig str\u00e4flich \u2013 ebenso wie die Unterst\u00fctzung eines solchen \u00bbKunstverst\u00e4ndnisses\u00ab. Wer die Verletzung der Urheberrechte, u. a. in Form von Plagiaten, als Originalit\u00e4t begreift, gef\u00e4hrdet letztendlich die geistige und materielle Basis allen kreativen Schaffens.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man kann und soll\u00a0an\u00a0Hegemanns Verlag, an den eventuellen MitautorInnen usw., vielleicht auch an Hegemann selbst Kritik \u00fcben, auch wenn einige\u00a0Feuilletonisten\u00a0(wie wir <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/der-schrille-sound-des-feuilletons\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> kommentiert haben) dabei ein Opfer ihrer eigenen eigenartigen Pr\u00e4missen und Vorstellungen geworden sind. Warum jedoch\u00a0muss dieser Debatte von Seiten der Leipziger Erkl\u00e4rer so viel Kulturpessimismus hinzugef\u00fcgt werden? Der Verweis der Leipziger Erkl\u00e4rung\u00a0auf die Verrohung der Sitten der &#8222;j\u00fcngeren Generation&#8220; hat beinah sokratischen Charakter (falls das <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2004\/16\/Stimmts_Sokrates?page=all\" target=\"_blank\">ber\u00fchmte Zitat <\/a>von Sokrates nicht auch ein Plagiat ist).<\/p>\n<p>Warum ist mal wieder das Internet verantwortlich? Plagiate gab es lange vor dem Internet, schon immer wurde aus B\u00fcchern abgeschrieben. Durch die semantischen Suchm\u00f6glichkeiten sind\u00a0geklaute S\u00e4tze und Satzteile heute\u00a0eher besser als schlechter auffindbar, die Gefahr aufzufliegen ist deutlich gestiegen. Andere, wie\u00a0die von Hegemann verehrte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kathy_Acker\" target=\"_blank\">Kathy\u00a0Acker<\/a>,\u00a0haben das Abschreiben aus B\u00fcchern zur Kunstform erhoben.<\/p>\n<p>Und: warum muss die Erkl\u00e4rung sich zum <em>Geistigen Eigentum <\/em>bekennen und st\u00e4ndig die Einhaltung des Urheberrechts anmahnen, obwohl\u00a0der Vorsto\u00df streng genommen\u00a0eher in Richtung eines moralischen Kodex des Literaturbetriebs zielt? Da scheint, wie schon beim <a href=\"http:\/\/www.textkritik.de\/urheberrecht\/index.htm\" target=\"_blank\">Heidelberger Appell<\/a>, einiges durcheinander zu gehen. Lothar M\u00fcller weist in der <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/930\/506114\/text\/\" target=\"_blank\">S\u00fcddeutschen Zeitung<\/a> darauf hin, dass das Urheberrecht die Verwendung von Werken zur\u00a0Erstellung neuer Werke\u00a0sogar ausdr\u00fccklich vorsieht. 90 Prozent aller Klagen auf Plagiate werden abgelehnt. Die meisten werden wohl aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden angestrengt, wobei das amerikanische Copyright diese Komponente viel st\u00e4rker betont.<\/p>\n<p>Also:\u00a0schade, dass mit einem Untergang der Kultur gedroht wird, die man augenscheinlich\u00a0vorrangig bei sich selbst angesiedelt sieht. Schade, dass nicht der Versuch eines Dialogs kultureller Generationen gemacht wird. Schade, dass der Verband deutscher Schriftsteller keinen progressiveren Weg zum Umgang mit einer neuen Kulturszene findet. Und: schade, dass\u00a0durch die\u00a0fr\u00fcher gesellschaftspolitisch engagierten Altrecken so eine Eitelkeits- und Besitzstandsdebatte bedient wird, anstatt die inhaltliche Belanglosigkeit des Hegemann-Buches zu kritisieren.<\/p>\n<p>Der Leiziger Buchpreis geht \u00fcbrigens an Georg Klein.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton1496\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fleipziger-erklarung-zum-schutz-des-geistigen-eigentums%2F&amp;text=Leipziger%20Erkl%C3%A4rung%20zum%20Schutz%20des%20geistigen%20Eigentums&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fleipziger-erklarung-zum-schutz-des-geistigen-eigentums%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verband deutscher Schriftsteller \u00a0in ver.di hat im Vorfeld der Leipziger Buchmesse eine Erkl\u00e4rung zum Schutz des geistigen Eigentums abgegeben. 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