{"id":1666,"date":"2010-04-20T17:40:08","date_gmt":"2010-04-20T16:40:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=1666"},"modified":"2010-04-27T11:19:24","modified_gmt":"2010-04-27T10:19:24","slug":"medienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/medienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Medienindustrie holt ver.di ins Boot: Creative Coalition Campaign jetzt auch in Deutschland?"},"content":{"rendered":"<p>Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di l\u00e4dt zum <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Welttag_des_geistigen_Eigentums&amp;oldid=73331426\" target=\"_blank\">Welttag des geistigen Eigentums<\/a> \u2013 Montag, dem 26. <span style=\"text-decoration: line-through;\">M\u00e4rz<\/span> April 2010 \u2013 zusammen mit dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), dem Bundesverband Musikindustrie (BMVI), dem Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD), der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) und dem B\u00f6rsenverein des Deutschen Buchhandels unter dem Titel \u201eDiebstahl geistigen Eigentum im Netz: 5 vor 12 f\u00fcr die Kreativwirtschaft\u201c zu einer <a href=\"http:\/\/www.spio-fsk.de\/media_content\/1027.pdf\" target=\"_blank\">Pressekonferenz<\/a>. Sie beginnt bezeichnender Weise um 11:55 Uhr und erfolgt unter Berufung auf die im M\u00e4rz 2010 vorgelegte TERA-Studie. Dieser Untersuchung zufolge hat der illegale Download von urheberrechtlich gesch\u00fctzten Werken (Film, Musik, Software, TV-Serien) im Jahre 2008 in Deutschland einen Schaden von 1,2 Mrd. Euro verursacht und damit 34.000 Arbeitspl\u00e4tze gekostet.<!--more--><\/p>\n<p>Die von Medienindustrie und ver.di herangezogene Studie wurde von der Anti-Piraterie-Lobbyinitiative Business Action to Stop Counterfeiting and Piracy (<a href=\"http:\/\/www.bascap.com\/\" target=\"_blank\">BASCAP<\/a>) der Internationalen Handelskammer (<a href=\"http:\/\/www.iccwbo.org\/\" target=\"_blank\">ICC<\/a>) in Auftrag gegeben und von der Unternehmensberatung <a href=\"www.teraconsultants.fr\/\" target=\"_blank\">TERA Consultants<\/a> erstellt. Sie erschien zeitgleich in f\u00fcnf Sprachen \u2013 Englisch, Franz\u00f6sisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch \u2013 und tr\u00e4gt in der deutschen Fassung den Titel <a href=\"http:\/\/www.iccwbo.org\/uploadedFiles\/BASCAP\/Pages\/Aufbau%20einer%20digitalen%20Wirtschaft.pdf\" target=\"_blank\">\u201eAufbau einer digitalen Wirtschaft: Die Bedeutung der Sicherung von Arbeitspl\u00e4tzen in der Kreativwirtschaft der Europ\u00e4ischen Union\u201c<\/a>. Behauptet wird f\u00fcr die EU insgesamt (EU 27) ein auf Piraterie zur\u00fcckzuf\u00fchrender Umsatzverlust in 2008 von 10 Mrd. Euro und ein kumulierter Besch\u00e4ftigungsabbau von 186.600 Arbeitspl\u00e4tzen. Dar\u00fcber hinaus wird dargelegt, dass die Umsatzverluste bis 2015 ohne nachhaltige Beschr\u00e4nkung der Piraterie auf 32\u201356 Mrd. Euro anstiegen und einen Besch\u00e4ftigungsabbau von 611.300\u20131.216.800 Arbeitspl\u00e4tzen bewirkten.<\/p>\n<p>Die Angaben der Studie sind allerdings keineswegs als valide zu bezeichnen. Einer vorherigen wissenschaftlichen \u00dcberpr\u00fcfung in einem Peer-Review-Verfahren wurden sie nicht unterzogen Der US-amerikanische Kommunikationswissenschaftler <a href=\"http:\/\/mediaresearchhub.ssrc.org\/joe-karaganis\/person_view\" target=\"_blank\">Joe Karaganis<\/a> weist zudem auf dem Blog <a href=\"http:\/\/blogs.ssrc.org\/datadrip\/?p=176\" target=\"_blank\">Data Drip<\/a> darauf hin, dass die Untersuchung zwei Grundfehler begehe: Einerseits sei der Verlust eines Industriesektors nicht automatisch ein gesamtwirtschaftlicher, die durch Filesharing eingesparten Einkommen der Konsumenten w\u00fcrden an anderer Stelle ausgegeben. Anderseits w\u00fcrden die Umsatzverluste und negativen Besch\u00e4ftigungseffekte infolge Piraterie allein der europ\u00e4ischen Kreativwirtschaft angelastet, tats\u00e4chlich aber fielen sie zum \u00fcberwiegenden Teil allenfalls bei US-Unternehmen an. Denn: Hollywood-Produktionen beherrschten in etwa 80 Prozent des Filmmarktes in der EU, im Software- und Musikbereich sehe es \u00e4hnlich aus.<\/p>\n<p>Pikant ist auch Karaganis\u2019 Hinweis auf die in der TERA-Studie adaptierte Untersuchungsmethode. Sie stammt von <a href=\"http:\/\/mediaresearchhub.ssrc.org\/stephen-e-siwek\/person_view\" target=\"_blank\">Stephen E. Siwek<\/a> und wurde von diesem zuvor in mehreren Untersuchungen \u00fcber die negativen Besch\u00e4ftigungsauswirkungen von Internetpiraterie im Auftrag der Motion Picture of America (<a href=\"http:\/\/www.mpaa.org\/\" target=\"_blank\">MPAA<\/a>), der Recording Industry Association of America (<a href=\"http:\/\/www.riaa.com\/\" target=\"_blank\">RIA<\/a>) und der Entertainment Software Association (<a href=\"http:\/\/www.theesa.com\/\" target=\"_blank\">ESA<\/a>) angewandt. Um die vermeintlichen Jobverluste zu berechnen, werden die Umsatzverluste der Medienindustrie auf Basis der von diesen gemeldeten Urheberrechtsverletzungen hochgerechnet, durch das Durchschnittseinkommen in den Creative Industries dividiert und unter Ber\u00fccksichtung der Zulieferindustrie mit dem Faktor zwei multipliziert.<\/p>\n<p>Die TERA-Studie wurde am 17. M\u00e4rz 2010 in Br\u00fcssel der Presse pr\u00e4sentiert und anschlie\u00dfend Mitgliedern des Europ\u00e4ischen Parlaments und der EU-Kommission vorgestellt. Ziel ist es, eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Zusammenarbeit der Regierungen beim Kampf gegen Internetpiraterie zu erreichen und ein international sanktioniertes Urheberechtsregime im Netz zu etablieren. Die multinational agierende Medienindustrie hat dazu ein B\u00fcndnis aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverb\u00e4nden geschmiedet. Die Studie wird von den gro\u00dfen Gewerkschaften der Kreativindustrie wie dem Union Network International-Media Entertainment Industries (<a href=\"http:\/\/www.uniglobalunion.org\/Apps\/iportal.nsf\/pages\/sec_20081016_gbkcEn\" target=\"_blank\">UNI-MEI<\/a>), das nach Eigenangaben 120 Gewerkschaften und Fachverb\u00e4nde mit weltweit 250.000 Besch\u00e4ftigten aus den Bereichen Medien, Unterhaltung und Kunst vertritt und dem in Deutschland \u00fcber den Gewerkschaftsdachverband UNI auch ver.di angeh\u00f6rt, oder der internationalen K\u00fcnstlergewerkschaft International Actors Federation (<a href=\"http:\/\/www.fia-actors.com\/\" target=\"_blank\">FIA<\/a>), der ver.di ebenfalls angeh\u00f6rt, unterst\u00fctzt. Ebenso wird die Studie von Arbeitgeberverb\u00e4nden wie der International Federation of Film Producers&#8216; Associations (<a href=\"http:\/\/www.fiapf.org\/\" target=\"_blank\">FIAPF<\/a>) und der European Coordination of Independent TV Producers (<a href=\"http:\/\/www.cepi.tv\/\" target=\"_blank\">CEPI<\/a>) mitgetragen. (Siehe hierzu die Pressemitteilungen von <a href=\"http:\/\/www.iccwbo.org\/bascap\/index.html?id=35360\" target=\"_blank\">BASCAP<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.uniglobalunion.org\/Apps\/iportal.nsf\/pages\/sec_20081016_gbkcEn\" target=\"_blank\">UNI-MEI<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.fia-actors.com\/en\/policy_Creative%20Content%20Online.html\" target=\"_blank\">FIA<\/a>.)<\/p>\n<p>Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di \u2013 oder ihre Spitze \u2013 hat sich nun offenbar entschlossen, diesem B\u00fcndnis beizutreten. Nachdem es zuletzt in Gro\u00dfbritannien (wir <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/digital-economy-bill-deutsche-medienindustrie-mochte-auch-%e2%80%a6\/\" target=\"_blank\">berichteten<\/a>) unter ma\u00dfgeblicher Mitwirkung der <a href=\"http:\/\/www.creativecoalitioncampaign.org.uk\/\" target=\"_blank\">Creative Coalition Campaign<\/a> gelang, das Modell einer \u201eprovidergest\u00fctzten Urheberrechtsdurchsetzung im Netz\u201c (<a href=\"http:\/\/carta.info\/25299\/digital-economy-bill-grossbritannien-testet-neues-urheberrechts-kontrollregime\/\" target=\"_blank\">Robin Meyer-Lucht<\/a>) zu errichten, sollen nun auch hierzulande \u00e4hnliche Pl\u00e4ne verfolgt und eine Koalition der Gewerkschafts- und Unternehmensverb\u00e4nde geschmiedet werden. Dabei d\u00fcrfte ver.di bekannt sein, dass die neuen B\u00fcndnispartner allesamt Sanktionsma\u00dfnahmen um jeden Preis im Falle von Urheberrechtsverletzungen im Internet einfordern. Will die Gewerkschaft tats\u00e4chlich mit diesen den Weg von \u00dcberwachen und Strafen \u2013 der totalen Kontrolle des Netzes einschlie\u00dflich Graduated Response, Netz- und Zugangssperren \u2013 gehen und sich damit in einem zentralen Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft im Digitalzeitalter f\u00fcr Jahre politikunf\u00e4hig machen?<\/p>\n<div id=\"tweetbutton1666\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fmedienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland%2F&amp;text=Medienindustrie%20holt%20ver.di%20ins%20Boot%3A%20Creative%20Coalition%20Campaign%20jetzt%20auch%20in%20Deutschland%3F&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fmedienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di l\u00e4dt zum Welttag des geistigen Eigentums \u2013 Montag, dem 26. 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