{"id":1675,"date":"2010-04-24T12:34:39","date_gmt":"2010-04-24T11:34:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=1675"},"modified":"2010-09-15T19:57:40","modified_gmt":"2010-09-15T17:57:40","slug":"ver-di-die-uni-mei-kampagne-und-das-urheberrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/ver-di-die-uni-mei-kampagne-und-das-urheberrecht\/","title":{"rendered":"ver.di, die UNI-MEI-Kampagne und das Urheberrecht"},"content":{"rendered":"<p>ver.di hat auf Fragen von <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2010\/5-vor-12-ver-di-beantwortet-unsere-fragen\/\" target=\"_blank\">Netzpolitik<\/a> zum Charakter der umstrittenen Pressekonferenz \u201eDiebstahl geistigen Eigentum im Netz: 5 vor 12 f\u00fcr die Kreativwirtschaft\u201c (wir <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/medienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland\/\" target=\"_self\">berichteten<\/a>) geantwortet. Demnach \u2013 und das ist ausdr\u00fccklich zu begr\u00fc\u00dfen \u2013 lehnt die Gewerkschaft Internetsperren f\u00fcr Nutzer oder Webseiten im Falle von Urheberrechtsdelikten ab, weil, so hei\u00dft es in der Antwort, damit immer auch die \u201eGefahr von Zensur\u201c bestehe.<\/p>\n<p>Dennoch scheinen mit dieser Erkl\u00e4rung nicht alle Probleme behoben, erl\u00e4utert ver.di doch zugleich, dass die Pressekonferenz im Kontext einer Kampagne der Internationalen F\u00f6deration der Gewerkschaften des Medien- und Unterhaltungssektors (UNI-MEI) stehe. Worauf ver.di jedoch nicht hinweist ist, dass Internetsperren Bestandteil des Forderungskatalogs dieser Kampagne sind. Dies geht aus einem im Netz stehenden 2-seitigen Papier <a href=\"http:\/\/www.writersguild.org.uk\/userimages\/File\/News\/UNI%20MEI%20Global%20Union%20Campaign%20Against%20Digital%20Theft%20-%20en.pdf\" target=\"_blank\">\u201eUNI MEI Global Union Campaign Against Digital Theft\u201c<\/a> \u2013 so der offizielle Titel der Kampagne \u2013, datiert \u201eBrussels, 11 January 2010\u201c, hervor. Darin wird das ganze Horrorszenario von \u00dcberwachung der \u00fcbertragenen Inhalte auf Seiten der Provider \u00fcber Bandbreitendrosselung bei Urheberrechtsverletzungen bis hin zu Internetsperren f\u00fcr Webseiten und Nutzer aufgef\u00fchrt:<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Internet Service Providers (ISPs) have a major role to play in working with rights holders to tackle the illegal distribution of content over their networks. Internet policies need to recognise the responsibility of ISPs and encourage cooperation with all stakeholders.<\/p>\n<p>UNI MEI believes that Internet policies should target illegal businesses that are engaged in illegal distribution of copyright protected content and polices need to ensure that their distribution platforms can be blocked. However, the introduction of technical measures by ISPs for repeat infringers at the earliest feasible stage is also a necessary tool. This could include a reduction in bandwidth, the blocking of specific website content or, as a last resort for egregious offenders who ignore repeated warnings and the implementation of other technical measures, temporary suspension of internet access. Litigation against individual consumers should be considered only after other options, including technical measures, are exhausted.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu erkl\u00e4ren ist diese Diskrepanz in der Positionierung von ver.di \u2013 einerseits Nein zu Internetsperren, anderseits Ja zur Diebeskampagne, die eben doch nichts anderes ist als der Bestandteil einer Creative Coalition Campaign f\u00fcr Internetsperren \u2013 durch unterschiedliche Str\u00f6mungen innerhalb der Gewerkschaft selbst. Dabei scheinen die f\u00fcr das Urheberrecht und letztlich auch die Pressekonferenz Verantwortlichen immer noch im Analogzeitalter zu verharren und die progressiven Kr\u00e4fte in ihren \u2013 gemessen an den Herausforderungen des Digitalzeitalters \u2013 f\u00fcr ver.di, aber auch die Gesellschaft insgesamt weitreichenden Entscheidungen nicht zu beteiligen. Hier t\u00e4te inhaltliche und personelle Verj\u00fcngung k\u00fcnftig sicherlich ebenso gut wie fachbereichs\u00fcbergreifende Diskussion.<\/p>\n<p>Die Debatte um die Pressekonferenz bietet ver.di nun die M\u00f6glichkeit, die Diskussion \u00fcber das Urheberrecht im Digitalzeitalter \u2013 wie <a href=\"http:\/\/carta.info\/25968\/offener-brief-5-vor-12-fuer-ver-di-wo-steht-die-gewerkschaft-beim-urheberrecht\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> gefordert \u2013 nicht nur zu f\u00fchren, sondern auch \u00fcberkommene Positionen zu revidieren und dem Digitalzeitalter nicht mehr angemessene Einstellungen zu modernisieren. Dazu muss ebenso die Disposition der Gewerkschaft zum Leistungsschutzrecht f\u00fcr Presseverlage auf den Tisch. Ein der Bundesregierung vorzulegender Vorschlag wird gegenw\u00e4rtig \u2013 wie Kulturstaatsminister Neumann k\u00fcrzlich im Ausschuss f\u00fcr Kultur und Medien des Bundestages bekanntgab \u2013 zwischen Verlegerverb\u00e4nden (BDZV und VDZ) und Gewerkschaften (DJV und ver.di) hinter verschlossenen T\u00fcren verhandelt. Sollten \u00fcber dieses, f\u00fcr die Kultur und Logik des Netzes so folgenreiche Gesetzesvorhaben dieselben Kr\u00e4fte verhandeln, die die Pressekonferenz verursacht haben, so steht ver.di schon bald der n\u00e4chste digitale Super-GAU bevor<\/p>\n<p>Zum Schluss: <a href=\"http:\/\/www.metronaut.de\/?p=1166\" target=\"_blank\">Austritte<\/a> aus der Gewerkschaft sind \u2013 zumindest gegenw\u00e4rtig \u2013 fehl am Platz. Jetzt wird es erst interessant.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton1675\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fver-di-die-uni-mei-kampagne-und-das-urheberrecht%2F&amp;text=ver.di%2C%20die%20UNI-MEI-Kampagne%20und%20das%20Urheberrecht&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fver-di-die-uni-mei-kampagne-und-das-urheberrecht%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ver.di hat auf Fragen von Netzpolitik zum Charakter der umstrittenen Pressekonferenz \u201eDiebstahl geistigen Eigentum im Netz: 5 vor 12 f\u00fcr die Kreativwirtschaft\u201c (wir berichteten) geantwortet. 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