{"id":1686,"date":"2010-04-26T14:59:33","date_gmt":"2010-04-26T13:59:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=1686"},"modified":"2010-04-27T11:18:43","modified_gmt":"2010-04-27T10:18:43","slug":"kein-bundnis-von-ver-di-und-industrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/kein-bundnis-von-ver-di-und-industrie\/","title":{"rendered":"Kein B\u00fcndnis von ver.di und Industrie"},"content":{"rendered":"<p>Die heutige Pressekonferenz, zu der ver.di eingeladen hatte (wir berichteten <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/ver-di-die-uni-mei-kampagne-und-das-urheberrecht\/\" target=\"_blank\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/medienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland\/\" target=\"_blank\">hier<\/a>), offenbarte, dass ein neues B\u00fcndnis\u00a0der Dienstleistungsgewerkschaft mit den\u00a0Arbeitgebern\u00a0wohl in der eigenen Organisationen keinen R\u00fcckhalt hat. <a href=\"http:\/\/medien-kunst-industrie.verdi.de\/bereich_kunst_und_kultur\/bereichsleiter_heinrich_bleicher-nagelsmann\" target=\"_blank\">Heinrich Bleicher-Nagelsmann<\/a>, der den kurzfristig abgesprungenen stellvertretenden ver.di-Vorsitzenden Frank Werneke vertrat, verlas ein <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/uploads\/verdi-Statement-PK.pdf\">Statement<\/a>, in welchem er eher allgemeine Grunds\u00e4tze formulierte. Von Forderungen nach Sanktionsversch\u00e4rfungen bei Urheberrechtsverletzungen\u00a0distanzierte sich Bleicher-Nagelsmann auf Nachfrage klar:<!--more-->ver.di lehne solche Forderungen ab, es gebe auch kein B\u00fcndnis der auf dem Podium vertretenen Organisationen. Die zu Beginn der Pressekonferenz vorgestellte Studie der Unternehmensberatung TERA\u00a0(<a href=\"http:\/\/www.iccwbo.org\/uploadedFiles\/BASCAP\/Pages\/Aufbau%20einer%20digitalen%20Wirtschaft.pdf\" target=\"_blank\">hier<\/a>\u00a0verlinkt und <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/medienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> besprochen)\u00a0kritisierte der ver.di-Mann als\u00a0methodisch fragw\u00fcrdig.\u00a0\u00a0Die Berliner Sektion der Deutschen Journalisten-Union in ver.di\u00a0verteilte derweil Flugbl\u00e4tter (<a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/uploads\/DJU.pdf\">Scan<\/a>), auf denen Sperren, Filter und Vorratsdatenspeicherung klar abgelehnt werden. Bereits vor der PK war Bleicher-Nagelsmann in einem <a href=\"http:\/\/medien-kunst-industrie.verdi.de\/bereich_kunst_und_kultur\/kunst_und_kultur\/internationales\/pk-urheberrecht\" target=\"_blank\">Erkl\u00e4rungsschreiben<\/a> auf die Kritiker dieser\u00a0Kampagne zugegangen.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Distanzierung der Gewerkschaft\u00a0von der eigenen Veranstaltung\u00a0stand bei den Verbandsvertretern das Unbehagen ins Gesicht geschrieben. Gorny schimpfte \u00fcber &#8222;Internet-Maoismus&#8220; und erkl\u00e4rte, ohne die Industrie sei das Internet leer. Man d\u00fcrfe den<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Leitmarkt der Creative Industries nicht auf dem Altar der digitalen Coolness opfern&#8220;.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Das Internet d\u00fcrfe nicht nur von der Seite der Nutzer her gesehen werden. Man brauche eine &#8222;StVO f\u00fcr das Internet.&#8220; Frankreich und Gro\u00dfbritannien seien hier bereits weiter.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Gorny und auch die Verb\u00e4nde der Film- und privaten Fernsehindustrie keine\u00a0konkreten Forderungen an die Politik erhoben, wurde Alexander Skipis von B\u00f6rsenverein deutlicher. Er erwartet eine Two-Strikes-Regelung, wonach nach einmaliger Verwarnung nicht nur zivilrechtliche, sondern auch strafrechtliche Sanktionen erfolgen m\u00fcssten. Zudem sollten die Provider f\u00fcr illegale Inhalte haften und effektiv zum L\u00f6schen gezwungen werden. Hierzu sei ein internationaler Rechtsrahmen notwendig.<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftfs\u00fchrerin der <a href=\"http:\/\/www.spio.de\/index.asp?SeitID=1\" target=\"_blank\">Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) <\/a>stieg in ihr Statement \u00fcbrigens mit einer bemerkenswerten Offenheit ein: es gehe der deutschen Filmindustrie besser als je zuvor, der Marktanteil betrage 25 Prozent, die Ums\u00e4tze mit DVDs stabilisierten sich auf hohem Niveau und insgesamt herrsche angesichts der Digitalisierung eine &#8222;technologische Aufbruchsstimmung&#8220;.\u00a0Damit die Industrie jedoch wachsen k\u00f6nne wie erwartet, m\u00fcsse politisch\u00a0gehandelt werden.<\/p>\n<p>Wichtig sei, so wurde von <a href=\"http:\/\/www.drehbuchautoren.de\/?q=user\/3056\" target=\"_blank\">Prof. Peter Hennig\u00a0<\/a>\u00a0vom Verband Deutscher Drehbuchautoren, angemerkt, dass der K\u00fcnstler eine autonome Entscheidung behalte, mit wem er zusammenarbeite und welche Projekte er verfolge. Das Urheberrecht sei nicht nur zum kommerziellen Schutz da, sondern auch zum Pers\u00f6nlichkeitsschutz.<\/p>\n<p>Die Podiumsrunde wurde noch frustrierter, als aus dem Publikum die Frage aufkam, warum denn kein Vertreter von Creative-Commons-Lizenzen und keine Internetuservertretung auf dem Podium s\u00e4\u00dfen. Es gab interessanterweise auch keine Fragen der etablierten Medien bis auf dpa. Stattdessen missmutiges Gemurmel im Publikum\u00a0bei den \u00c4u\u00dferungen von Gorny und Co. \u00a0Insgesamt wohl ein Schuss in den Ofen f\u00fcr die Contentindustrie. Und ein deutliches Signal, dass soziale Antagonismen nicht einfach unter dem Deckmantel der &#8222;Wissensgesellschaft&#8220; verborgen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>(Update: siehe auch den <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Kreativwirtschaft-fordert-besseren-Urheberrechtsschutz-im-Internet-986659.html\" target=\"_blank\">Bericht<\/a> bei heise.de. \u00dcbrigens: ein <a href=\"http:\/\/www.metronaut.de\/?p=1166\" target=\"_blank\">Austritt<\/a>\u00a0l\u00f6st das Problem bei ver.di nicht)<\/p>\n<div id=\"tweetbutton1686\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fkein-bundnis-von-ver-di-und-industrie%2F&amp;text=Kein%20B%C3%BCndnis%20von%20ver.di%20und%20Industrie&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fkein-bundnis-von-ver-di-und-industrie%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die heutige Pressekonferenz, zu der ver.di eingeladen hatte (wir berichteten hier\u00a0und hier), offenbarte, dass ein neues B\u00fcndnis\u00a0der Dienstleistungsgewerkschaft mit den\u00a0Arbeitgebern\u00a0wohl in der eigenen Organisationen keinen R\u00fcckhalt hat. 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