{"id":1836,"date":"2010-05-28T16:20:16","date_gmt":"2010-05-28T15:20:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=1836"},"modified":"2010-07-16T18:48:30","modified_gmt":"2010-07-16T16:48:30","slug":"presse-open-platform-strategie-als-alternative-zum-leistungsschutzrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/presse-open-platform-strategie-als-alternative-zum-leistungsschutzrecht\/","title":{"rendered":"Presse: Open Platform-Strategie als Alternative zum Leistungsschutzrecht"},"content":{"rendered":"<p>Die deutschen Presseverleger haben sich bekanntlich in der Imagination, mit ihren Inhalten im Digitalzeitalter zwischen\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Skylla&amp;oldid=74774696\" target=\"_blank\">Skylla<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Charybdis&amp;oldid=73901148\" target=\"_blank\">Charybdis<\/a> in Seenot zu geraten, dazu entschieden, die Meerenge nicht zu durchfahren und statt dessen die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht \u2013 sprich: eine Urheberechtsversch\u00e4rfung \u2013 zu erheben. In einer Situation, in der sich einerseits Zeitschrifteninhalte im Netz \u00fcber Bezahlsysteme ganz offenkundig nicht unmittelbar monetarisieren lassen, andererseits monetarisierbare und nicht-monetarisierbare Zugriffe auf ihre entgeltfreien Online-Angebote via Dritte kaum zu kontrollieren sind, wird auf diese Weise eine L\u00f6sung zu Lasten Dritter in Form einer Verlegerabgabe auf den Internetzugang angestrebt.<\/p>\n<p>K\u00fcnftig (wir <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/entwurf-zum-leistungsschutzrecht-geleakt\/\" target=\"_self\">berichteten<\/a>) sollen Suchmaschinenbetreiber, Social-Media-Aggregatoren, generell alle Unternehmen, die ihren Angestellten Zugang zum Internet gew\u00e4hren, sowie Blogger \u00fcber eine Verwertungsgesellschaft Presse Leistungsschutztantieme f\u00fcr die von den Verlegern aus freien St\u00fccken kostenfrei ins Netz gestellten Angebote abf\u00fchren. Dass es auch anders gehen kann und einer Sozialisierungsleistung zugunsten der Presseunternehmen nicht bedarf, zeigt nun die britische Tageszeitung The Guardian.<!--more--><\/p>\n<p>Nach einer Betaphase startete die Zeitung letzte Woche ihre sogenannte\u00a0<a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/open-platform\" target=\"_blank\">Open Platform<\/a> auch in der kommerziellen Version (siehe <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/gnm-press-office\/guardian-open-platform-commercial\" target=\"_blank\">Pressemitteilung<\/a> vom 20.05.2010). Drittanbieter, ob kommerzieller oder nicht-kommerzieller Art, k\u00f6nnen nun \u00fcber offene Schnittstellen (API) auf Nachrichtenangebote und sonstige Inhalte des Guardian seit 1999 zugreifen. Dazu kommen drei Zugriffsmodelle zum Einsatz, die \u2013 darin durchaus der Intention von Creative Commons-Lizenzen \u00e4hnelnd \u2013 Alternativen zur bestehenden Lizenzierungspraxis er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Martin Weigert hat sich auf <a href=\"http:\/\/netzwertig.com\/2010\/05\/26\/journalismus-im-netz-warum-tageszeitungen-von-offenen-schnittstellen-profitieren\/\" target=\"_blank\">Netzwertig.com<\/a> die drei Zugriffsmodelle n\u00e4her angeschaut und die Frage, welche Anreize die Briten haben, ihre Inhalte Dritten zur Verf\u00fcgung zu stellen, wie folgt beantwortet:<\/p>\n<blockquote><p>1. In der simpelsten Variante, f\u00fcr die kein vom Guardian auf Anfrage verteilter API-Schl\u00fcssel notwendig ist, lassen sich \u00dcberschriften und Meta-Daten zu Artikeln beziehen. Das bringt der Zeitung eingehende Links, die anschlie\u00dfend zu Werbeeinnahmen und anderweitiger, indirekter Monetarisierung f\u00fchren (z.B. Print-Abo).<\/p>\n<p>2. In der mittleren Variante liefert die Guardian-API komplette Inhalte, die mit Anzeigen versehen werden. Hier generiert das Blatt direkte Werbeums\u00e4tze. [\u2026]<\/p>\n<p>3. Die dritte Variante bietet einen werbefreien API-Zugriff und sorgt f\u00fcr direkte Ums\u00e4tze, da Angebote, die diese Option nutzen m\u00f6chten, daf\u00fcr mit dem Guardian eine gesch\u00e4ftliche Vereinbarung abschlie\u00dfen und bezahlen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Tats\u00e4chlich spricht nichts dagegen, dass sich mit einer Open Platform-Strategie Reichweite und Vermarktungsm\u00f6glichkeiten der Online-Ausgaben von Zeitungen erheblich erh\u00f6hen liessen. Zugleich w\u00fcrden die Presseverleger nicht nur die kulturellen Rahmenbedingungen von Social Media im Netz endlich anerkennen, sondern auch ein konsistentes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die eigene Rolle und Marke im Digitalzeitalter setzen. Der Kultur und Logik des Netzes jedenfalls w\u00e4re auf diesem Weg mehr entsprochen als mit einer verkappten <em>Kulturflatrate Presse<\/em> in Form eines Leistungsschutzrechtes.<\/p>\n<p>Voraussetzung dazu allerdings w\u00e4re das Eingest\u00e4ndnis, Aufgabe und Funktion von Suchmaschinen sowie Aggregatoren\u00a0in der Aufmerksamkeits\u00f6konomie Internet anzuerkennen. Das muss keineswegs in Form einer Subordination der Presseverleger erfolgen, erforderlich ist allenfalls Verstand.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton1836\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fpresse-open-platform-strategie-als-alternative-zum-leistungsschutzrecht%2F&amp;text=Presse%3A%20Open%20Platform-Strategie%20als%20Alternative%20zum%20Leistungsschutzrecht&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fpresse-open-platform-strategie-als-alternative-zum-leistungsschutzrecht%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutschen Presseverleger haben sich bekanntlich in der Imagination, mit ihren Inhalten im Digitalzeitalter zwischen\u00a0Skylla und Charybdis in Seenot zu geraten, dazu entschieden, die Meerenge nicht zu durchfahren und statt dessen die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht \u2013 sprich: eine Urheberechtsversch\u00e4rfung \u2013 zu erheben. 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