{"id":2081,"date":"2010-07-16T00:05:50","date_gmt":"2010-07-15T22:05:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=2081"},"modified":"2010-10-17T13:27:36","modified_gmt":"2010-10-17T11:27:36","slug":"und-taglich-grust-das-murmeltier-ipad-paid-content-leistungsschutzrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/und-taglich-grust-das-murmeltier-ipad-paid-content-leistungsschutzrecht\/","title":{"rendered":"Und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Murmeltier: iPad, Paid Content, Leistungsschutzrecht"},"content":{"rendered":"<p>Mathias D\u00f6pfners Begeisterung f\u00fcr das iPad ist bekannt. \u201eJeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs daf\u00fcr danken, dass er mit diesem Ger\u00e4t die Verlagsindustrie rettet\u201c, <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/webwelt\/article7100171\/Mit-dem-iPad-beginnt-eine-neue-Aera.html\" target=\"_blank\">verk\u00fcndete<\/a> der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG im April des Jahres. Auch Wolfgang F\u00fcrstner, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), erkennt in mobilen Endger\u00e4ten der neueren Generation das Potenzial f\u00fcr eine heraufziehende Zukunft von Paid Content-Modellen im digitalen Journalismus. Doch teilt er die Euphorie D\u00f6pfners f\u00fcr Apples j\u00fcngstes Technologie-Gadget nicht. Er erblickt im iPad \u201emehr als einen Pferdefu\u00df\u201c und pl\u00e4diert stattdessen f\u00fcr \u201eAlternativen mit offener Systemarchitektur\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcrstners Beitrag tr\u00e4gt die \u00dcberschrift \u201eChancen nutzen\u201c und findet sich in der aktuellen Ausgabe des Magazins der Zeitschriftenverleger <a href=\"http:\/\/anax8a.pressmart.com\/printandmore\/Index.aspx\" target=\"_blank\">Print &amp; More<\/a> (2\/2010). Seine dort gestellte Diagnose lautet: In den vergangenen 15 Jahren haben die Bem\u00fchungen zur Etablierung von Bezahlmodellen \u201eviel Rauch und wenig Feuer\u201c entfacht, die Zeitschriftenverleger wurden von dem Gef\u00fchl beschlichen, dass sich die \u201eDiskussionen im Kreis drehten \u2013 t\u00e4glich gr\u00fc\u00dfte das Murmeltier\u201c, nun aber bieten sich mit der neuen Ger\u00e4teklasse der Tablets neue Chancen. Um diese M\u00f6glichkeiten zu nutzen allerdings, d\u00fcrfen sich die Verlage mit der Monetarisierung ihrer Inhalte nicht einseitig in die Abh\u00e4ngigkeit des Monopolisten Apple begeben. Als Nachteile des mit dem iPad verbundenen Gesch\u00e4ftsmodells werden benannt:<\/p>\n<blockquote><p>&gt; Apple beh\u00e4lt die Hoheit \u00fcber den direkten Kundenkontakt.<\/p>\n<p>&gt; Die Verlage geben die Produkthoheit an Apple ab und laufen so Gefahr, dass Inhalte zensiert werden.<\/p>\n<p>&gt; Die Apple-Welt ist ein geschlossenes System, es gibt keine Kompatibilit\u00e4t mit anderen Software- und Hardware-Umgebungen.<\/p>\n<p>&gt; Das iPad besitzt einen integrierten Internetzugang, die Apps der Verlage konkurrieren auf dem iPad also mit den Gratisinhalten im Web.<\/p>\n<p>&gt; Der derzeit hohe Preis des iPad ist ein Hindernis im Massenmarkt \u2013 aufwendige Multimedia-Magazine rechnen sich aber erst bei hoher Reichweite.<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcrstners Bedenken sind keineswegs unbegr\u00fcndet. Doch weshalb ausgerechnet mobile Endger\u00e4te mit offener Systemarchitektur in Alternative zum iPad keinen integrierten Internetzugang zu den aus Verlegersicht maledeiten Gratisinhalten im Web bieten sollten, bleibt dieser Logik zufolge vollkommen schleierhaft. Offene Architekturen schlie\u00dflich sichern nichts anderes als Interoperabilit\u00e4t, Portabilit\u00e4t und Erweiterbarkeit durch offene Schnittstellen und Spezifikationen in der prinzipiell offenen Betriebsumgebung Internet. Und das mobile Internet setzt nun einmal auf dem station\u00e4ren auf, es ist dessen Fortf\u00fchrung auf Basis der Nutzung mobiler Endger\u00e4te.<\/p>\n<p>Komplement\u00e4r zur dargebrachten Marktlogik der Zeitschriftenverleger steht daher ein fehlendes Verbindungsglied. Paid Content-Modelle \u2013 ob auf geschlossenen oder offenen Architekturen basierend \u2013 erweisen sich solange als unsinnig, wie die Verleger aus freien St\u00fccken ihre Inhalte selbst kostenfrei ins Netz stellen. Mehr noch: Das gleichzeitig geforderte Leistungsschutzrecht f\u00fcr die Presse steht einer erfolgversprechenden Implementierung von Bezahlmodellen geradezu diametral entgegen. Weder gewerbliche noch nicht-gewerbliche Nutzer w\u00fcrden veranla\u00dft, k\u00fcnftig f\u00fcr Zeitungs- und Zeitschrifteninhalte im Netz via mobile Endger\u00e4te unmittelbar zu zahlen. Erstere nicht, weil sie grunds\u00e4tzlich gezwungen w\u00e4ren, Leistungsschutztantieme f\u00fcr kostenfrei ins Netz gestellte Inhalte zu zahlen \u2013 letztere nicht, weil f\u00fcr sie kostenfrei ins Netz gestellte Inhalte weiterhin kostenfrei blieben.<\/p>\n<p>So bleibt zu konstatieren: Die Zeitschriftenverleger sitzen trotz <em>neuer Chancen<\/em> weiterhin in einer Zeitschleife fest. In ihrem Ringen mit den Herausforderungen der Digitalisierung durchleben sie wieder und wieder denselben Tag. T\u00e4glich wird sie auch k\u00fcnftig das Murmeltier gr\u00fc\u00dfen. Welche Erkl\u00e4rung f\u00fcr solcherart irrationales Verhalten bietet sich an?<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise folgende: Die fehlende Konsistenz in der Digitalstrategie der Verleger ist keine Frage von R\u00e4sonnement und Logik, sondern schlicht die Resultante eines anarchisch unverhohlenen Profitstrebens, das sich als kumuliertes Einzelinteresse fr\u00f6hlich in den Verbandsstrukturen Bahn bricht.<\/p>\n<p>Man darf gespannt sein, ob und wann erste Verleger in Deutschland diesem dilatorischen Spiel zu entfliehen suchen und in Alternative zum Leistungsschutzrecht sowie unausgegorenen Paid Content-Modellen auf eine Open Platform-Strategie nach dem Vorbild des Guardian (wir <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/presse-open-platform-strategie-als-alternative-zum-leistungsschutzrecht\/\" target=\"_self\">berichteten<\/a>) umschwenken.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton2081\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fund-taglich-grust-das-murmeltier-ipad-paid-content-leistungsschutzrecht%2F&amp;text=Und%20t%C3%A4glich%20gr%C3%BC%C3%9Ft%20das%20Murmeltier%3A%20iPad%2C%20Paid%20Content%2C%20Leistungsschutzrecht&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fund-taglich-grust-das-murmeltier-ipad-paid-content-leistungsschutzrecht%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mathias D\u00f6pfners Begeisterung f\u00fcr das iPad ist bekannt. \u201eJeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs daf\u00fcr danken, dass er mit diesem Ger\u00e4t die Verlagsindustrie rettet\u201c, verk\u00fcndete der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG im April des Jahres. 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