{"id":2268,"date":"2010-08-20T16:00:00","date_gmt":"2010-08-20T14:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=2268"},"modified":"2010-08-20T19:47:07","modified_gmt":"2010-08-20T17:47:07","slug":"stimmungsmache-ver-di-filmverband-operiert-weiter-mit-unseriosen-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/stimmungsmache-ver-di-filmverband-operiert-weiter-mit-unseriosen-zahlen\/","title":{"rendered":"Stimmungsmache: ver.di-Filmverband operiert weiter mit unseri\u00f6sen Zahlen"},"content":{"rendered":"<p>Der BundesFilmVerband (BFV) in ver.di operiert in der aktuellen Ausgabe seines Newsletters (<a href=\"http:\/\/www.connexx-av.de\/meldung_volltext.php?si=1&amp;id=4c6d77d0cf532&amp;akt=publikationen_newsletter_bfv&amp;view=&amp;lang=1\" target=\"_blank\">7\u20138\/2010<\/a>) weiterhin mit den unseri\u00f6sen Zahlen der TERA-Studie (wir <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/medienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland\/\" target=\"_blank\">berichteten<\/a>). Unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.connexx-av.de\/meldung_volltext.php?id=4c6d657b20198&amp;akt=filmfernsehproduktion_bfv&amp;view=&amp;si=1&amp;lang=1\" target=\"_blank\">\u201ePiraten schneller als Gerichte und Politik \u2013 viele Arbeitspl\u00e4tze gehen verloren!\u201c<\/a> wird erneut behauptet, durch illegale Downloads gingen in Europa 184.000 Arbeitspl\u00e4tze in der Kreativwirtschaft verloren, davon 34.000 allein in Deutschland.<\/p>\n<p>Auf diese nicht validierten Zahlen der im Auftrag der Anti-Piraterie-Lobbyinitiative Business Action to Stop Counterfeiting and Piracy (<a href=\"http:\/\/www.bascap.com\/\" target=\"_blank\">BASCAP<\/a>) erstellten Studie (Kurzfassung <a href=\"http:\/\/www.icc-deutschland.de\/fileadmin\/ICC_Dokumente\/BuildingDigitalEconomyGerman.pdf\" target=\"_blank\">hier<\/a>, Zahlenangaben auf S. 6) hatte ver.di bereits im April in einem zun\u00e4chst intendierten B\u00fcndnis mit der Medien- und Rechteindustrie zur\u00fcckgegriffen. Nach heftigen Protesten im Netz musste die Gewerkschaft unter dem Eingest\u00e4ndnis \u201eoffenkundiger methodischer Schw\u00e4chen&#8220; des Zahlenwerks seinerzeit zur\u00fcckrudern und versicherte, dass Internetsperren im Falle von Urheberrechtsdelikten abzulehnen seien, weil durch sie immer auch die \u201eGefahr von Zensur\u201c bestehe.<!--more--><\/p>\n<p>Der BFV in ver.di beruft sich nun argumentativ dar\u00fcberhinaus auf <del datetime=\"2010-08-20T17:45:10+00:00\">den R\u00fcckgang der<\/del> ungen\u00fcgende Einschaltquoten in der sechsten und letzten Staffel der TV-Mysterie-Serie \u201eLost\u201c. Durch illegale Downloads habe der US-amerikanische Fernsehsender ABC bei deren Ausstrahlung den Zuschauerdurchschnitt gegen\u00fcber der f\u00fcnften Staffel \u201enur gerade mal\u201c um zwei Millionen steigern k\u00f6nnen. Schuld daran seien \u2013 so wird mitgeteilt \u2013 knapp eine Million BitTorrent-Downloads am Tag nach der TV-Ausstrahlung der letzten Folge.<\/p>\n<p>Eine zutiefst unseri\u00f6se, ja unhaltbare Behauptung: Eine vermeintlich unzureichende Steigerung in den Zuschauerzahlen der sechsten Staffel l\u00e4sst sich kausal nicht einfach mit illegalen Downloads am Folgetag der Ausstrahlung des Finales korrelieren. Zudem verschweigt sie, dass die letzte Folge in Gro\u00dfbritannien und den USA simulcast \u00fcbertragen wurde. Um Kannibalisierung durch illegale Downloads zu verhindern, hatten sich ABC und der britische Sender Sky1 ausdr\u00fccklich darauf verst\u00e4ndigt, diese gleichzeitig auszustrahlen. Ebenso wurde \u00fcbrigens auch in Italien, Spanien, Portugal, Kanada, Israel und der T\u00fcrkei verfahren. (Siehe den <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/media\/2010\/may\/20\/lost-finale-5am-uk-simulcast\" target=\"_blank\">Bericht<\/a> im Guardian vom 20.05.2010.) Diesen Sachverhalt auszulassen und ihm faktisch eine umgekehrte Kausalbeziehung gegen\u00fcberzustellen, ist inakzeptabel.<\/p>\n<p>Welche Position der BFV im Falle von Urheberrechtsverletzungen im Netz letztendlich zu vertreten gedenkt, bleibt in dem Artikel offen. Allerdings scheint diese Offenheit nur eine vordergr\u00fcndige: Ausf\u00fchrlich wird auf die Gesetzesbestimmungen in anderen L\u00e4ndern verwiesen \u2013 so \u201eThree Strikes\u201c in Irland, \u201eDigital Economy Act\u201c in Gro\u00dfbritannien und \u201eHadopi\u201c in Frankreich. Gleichzeitig wird die Situation zur Urheberechtsdurchsetzung in Deutschland als unzureichend dargestellt. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger etwa sehe \u201ekeinen Handlungsbedarf\u201c. Statt dessen sorge sie sich um die zunehmenden Abmahnungen wegen illegaler Downloads, wird konstatiert.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass die Positionsfindung der Gewerkschaft insgesamt sich nicht von solch einseitiger Stimmungsmache leiten l\u00e4sst. Gegenw\u00e4rtig diskutiert ver.di den Entwurf eines Positionspapiers \u201eInternet, Digitalisierung und die Zukunft des Urheberrechts\u201c. Das allerdings erfolgt hinter verschlossen T\u00fcren im ver.di-eigenen Mitgliedernetz.<\/p>\n<p><em>Siehe zum Thema auch:<br \/>\n<\/em>&#8211; <em><a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/ver-di-die-uni-mei-kampagne-und-das-urheberrecht\/\" target=\"_self\">ver.di, die UNI-MEI-Kampagne und das Urheberrecht<\/a><\/em><br \/>\n&#8211; <em><a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/kein-bundnis-von-ver-di-und-industrie\/\" target=\"_self\">Kein B\u00fcndnis von ver.di und Industrie<\/a><\/em><\/p>\n<div id=\"tweetbutton2268\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fstimmungsmache-ver-di-filmverband-operiert-weiter-mit-unseriosen-zahlen%2F&amp;text=Stimmungsmache%3A%20ver.di-Filmverband%20operiert%20weiter%20mit%20unseri%C3%B6sen%20Zahlen&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fstimmungsmache-ver-di-filmverband-operiert-weiter-mit-unseriosen-zahlen%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der BundesFilmVerband (BFV) in ver.di operiert in der aktuellen Ausgabe seines Newsletters (7\u20138\/2010) weiterhin mit den unseri\u00f6sen Zahlen der TERA-Studie (wir berichteten). 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