{"id":2510,"date":"2010-10-01T21:13:14","date_gmt":"2010-10-01T19:13:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=2510"},"modified":"2010-10-17T13:24:37","modified_gmt":"2010-10-17T11:24:37","slug":"deutsche-bank-gegen-leistungsschutzrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/deutsche-bank-gegen-leistungsschutzrecht\/","title":{"rendered":"Deutsche Bank gegen Leistungsschutzrecht"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sich k\u00fcrzlich gegen ein Leistungsschutzrecht f\u00fcr Presseverleger ausgesprochen hat (siehe <a href=\"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/bundesverband-der-deutschen-industrie-gegen-leistungsschutzrecht\/\" target=\"_self\">hier<\/a>), legt nun die Deutsche Bank nach.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.dbresearch.de\/servlet\/reweb2.ReWEB?rwdspl=0&amp;rwnode=DBR_INTERNET_DE-PROD$RSNN0000000000018402&amp;rwsite=DBR_INTERNET_DE-PROD\" target=\"_blank\">Deutsche Bank Research<\/a>, verantwortlich f\u00fcr die volkswirtschaftliche Analyse in der Deutsche Bank Gruppe, schreibt in einem\u00a0aktuellen <a href=\"http:\/\/www.dbresearch.de\/servlet\/reweb2.ReWEB?rwdspl=0&amp;rwsite=DBR_INTERNET_DE-PROD&amp;rwobj=ReDisplay.Start.class&amp;document=PROD0000000000262717\" target=\"_blank\">Kommentar<\/a> \u201eLeistungsschutzrecht \u2013 mehr Schutz als Leistung!\u201c:<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Die Verlage klagen \u00fcber entgangene Einnahmen durch die zunehmende virale Verbreitung ihrer Online-Inhalte vor allem durch Suchmaschinen und Plattformen der Sozialen Medien wie Microblogging-Diensten oder sonstige Blogsph\u00e4ren. Dabei sollte man eigentlich erwarten, dass ein Verlag gerade an der viralen Verbreitung seiner Inhalte interessiert ist. Hat publizieren nicht auch etwas mit Publicity zu tun? Kann der Verleger auf diese Weise nicht die Werbeeinnahmen aus seinem Internetauftritt erh\u00f6hen? [\u2026]<\/p>\n<p>[\u2026] Auch im Online-Verlagswesen kann mit Hilfe von neuen Instrumenten, wie Apps (Anwendungsprogramme f\u00fcr Smartphones oder portable Internet-Endger\u00e4te), neuen Bezahlmodellen, E-Books sowie Onlinewerbung Geld verdient werden. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen viele Unternehmen davon profitieren, dass sich Internet-Nutzer auf Sozialen Medien zunehmend freiwillig mit Marken bzw. Produkten und Dienstleistungen identifizieren. Daraus lassen sich neue Pull-Strategien in den Werbe- und Marketingabteilungen entwickeln, die durchaus Potenzial f\u00fcr Umsatzerh\u00f6hungen mit sich bringen.<\/p>\n<p>Ja, zweifelsohne ist eine Anpassung des Rechtsrahmens f\u00fcr immaterielle G\u00fcter an eine digitale Welt dringend erforderlich. Dabei sollten aber nicht die Rechte der Verlagsh\u00e4user, also der Rechteverwerter gest\u00e4rkt werden, sondern die Rechte des Urhebers. [\u2026]<\/p>\n<p>Das geforderte Leistungsschutzrecht sorgt f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Verknappung digitaler Inhalte. Der tiefe Einschnitt in die Informations- und Kommunikationsfreiheit wird die Anzahl zuk\u00fcnftiger Quellen f\u00fcr digitale Berichterstattungen und Nachrichten reduzieren. Ohne vertragliche Regelung, greift das Schutzrecht zus\u00e4tzlich massiv in die Verwertungsbefugnis des Urhebers an seine eigenen Beitr\u00e4ge ein. Ein freier Journalist m\u00fcsste bei Verwendung seines eigenen Artikels \u00fcber einen weiteren Vertriebskanal stets den Presseverlag um Erlaubnis fragen oder eventuell Geld bezahlen \u2013 auch bei kleinsten Textausz\u00fcgen. Die eingenommenen Gelder durch das Leistungsschutzrecht w\u00fcrden in erster Linie an die Verlage flie\u00dfen und in geringerem Ma\u00dfe an die Urheber. [\u2026]<\/p>\n<p>Betroffen von diesem zus\u00e4tzlichen Schutzrecht sind aber nicht nur angestellte Journalisten, freischaffende Autoren oder Blogger. Die Mehrkosten m\u00fcssen auch von Konzernen wie Versicherungen, Beratungsunternehmen, Kanzleien und nat\u00fcrlich auch Banken getragen werden. Quasi jeder, der tagesaktuelle oder sonstige Hintergrundinformationen f\u00fcr seine Gesch\u00e4ftszwecke ben\u00f6tigt oder interpretiert, wird zur Kasse gebeten. Die Unternehmen zahlen bereits f\u00fcr verg\u00fctungspflichtige Informationsdienste, Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements, sowie diverse Pressespiegeldienste. Die Durchsetzung des Leistungsschutzrechtes w\u00fcrde dann zu einer mehrfachen Bezahlung derselben (Informations-)Leistung f\u00fchren. [\u2026]<\/p>\n<p>[\u2026] Die Verlagsh\u00e4user stehen mit ihren Gesch\u00e4ftsmodellen insbesondere im Onlinebereich vor enormen Herausforderungen, dem (digitalen) Strukturwandel strategisch entgegenzutreten. Allerdings ist es nicht Aufgabe des Staates, in einem sich wandelnden Gesch\u00e4ftsfeld durch Rechtsakt die Pfr\u00fcnde der Etablierten zu sichern. Ein Nachfrager\u00fcckgang ist bei weitem noch kein Marktversagen, welches die Forderung eines Leistungsschutzrechts nachvollziehbarer machen w\u00fcrde. Auch die von den Verlagen beschworene Rechtsschutzl\u00fccke ist nicht gegeben.<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend Mathias D\u00f6pfner, Vorstandsvorsitzender der Axel-Springer AG, lediglich in direkten Staatshilfen f\u00fcr Medienunternehmen einen \u201eunverzeihlichen Tabubruch\u201c (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/webwelt\/article3601460\/Das-Internet-macht-den-Journalismus-besser.html\" target=\"_blank\">Interview<\/a> vom 22.04.2009) erblicken kann, in der Errichtung eines Leistungsschutzrechts hingegen keinerlei Staatsinterventionismus am Werke sieht, betrachtet Deutsche Bank Research den Ruf nach staatlicher Regulierung als Mi\u00dfbrauch des Marktsystems. In letzterem passten sich Gesch\u00e4ftsmodelle an den Wandel an und nicht umgekehrt.<\/p>\n<p>Deutsche Bank Research vs. Zeitungsverleger spiegelt demnach einen interessanten Konflikt zwischen unterschiedlichen Kapitalfraktionen wider. Der volkswirtschaftliche Think Tank der Deutschen Bank richtet dabei seinen n\u00fcchtern rationalen Blick auf die potentiellen Wachstumspole im digitalen Kapitalismus. Wie die beiden j\u00fcngsten Analysen aus dem selben Hause \u2013 <a href=\"http:\/\/www.dbresearch.de\/PROD\/DBR_INTERNET_DE-PROD\/PROD0000000000260204.pdf\" target=\"_blank\">\u201eDer Pirat in uns.\u00a0In den Tiefen des Urheberrechts\u201c<\/a> (16.07.2010), <a href=\"http:\/\/www.dbresearch.de\/PROD\/DBR_INTERNET_DE-PROD\/PROD0000000000262885.pdf;jsessionid=C66AD6869857977FA910152668765A42.srv12-dbr-com\" target=\"_blank\">\u201eVerlage im Umbruch: Digitalisierung mischt Karten neu\u201c<\/a> (30.09.2010) \u2013 belegen, ist er darin ziemlich unerbittlich gegen\u00fcber den im Analogzeitalter stehengebliebenen Teilen der Medienindustrie.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton2510\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fdeutsche-bank-gegen-leistungsschutzrecht%2F&amp;text=Deutsche%20Bank%20gegen%20Leistungsschutzrecht&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fdeutsche-bank-gegen-leistungsschutzrecht%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sich k\u00fcrzlich gegen ein Leistungsschutzrecht f\u00fcr Presseverleger ausgesprochen hat (siehe hier), legt nun die Deutsche Bank nach.\u00a0Deutsche Bank Research, verantwortlich f\u00fcr die volkswirtschaftliche Analyse in der Deutsche Bank Gruppe, schreibt in einem\u00a0aktuellen Kommentar \u201eLeistungsschutzrecht \u2013 mehr Schutz als Leistung!\u201c:<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[68,66],"tags":[115,161],"class_list":["post-2510","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-presse","category-urheberrecht","tag-digitaler-kapitalismus","tag-leistungsschutzrecht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2510","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2510"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2510\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2639,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2510\/revisions\/2639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2510"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2510"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2510"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}