{"id":3244,"date":"2011-04-07T17:23:38","date_gmt":"2011-04-07T16:23:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=3244"},"modified":"2011-04-07T17:24:53","modified_gmt":"2011-04-07T16:24:53","slug":"copypaste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/copypaste\/","title":{"rendered":"Copy&#038;Paste?"},"content":{"rendered":"<p>Im Nachklang der Guttigate-Aff\u00e4re legte die gr\u00fcne Bundestagsfraktion einen Antrag &#8220;\u00a0Wissenschaftliche Redlichkeit und die Qualit\u00e4tssicherung bei Promotionen st\u00e4rken&#8220; (<a href=\"http:\/\/dip.bundestag.de\/btd\/17\/051\/1705195.pdf\" target=\"_blank\">Drs. 17\/5195<\/a>) vor. Darin \u00fcberraschen weniger die Forderungen zur Promotion als vielmehr die etwas eigenartige\u00a0Auffassung von wissenschaftlicher Arbeit und der Rolle des Internets dabei.<!--more--><\/p>\n<p>Der Begriff vom &#8222;geistigen Eigentum&#8220; wird hier ungeachtet aller Debatten um Open Access v\u00f6llig unkritisch verwendet. Es fehle, so der Antragstext,\u00a0einem Teil der Bev\u00f6lkerung wohl der Respekt davor:\u00a0<\/p>\n<blockquote><p><em>Wissenschaftlicher Betrug und Diebstahl geistigen Eigentums sind keine Petitessen. Dieser Grundsatz muss auch und gerade dann gelten, wenn das Bewusstsein in Teilen der \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr die Bedeutung wissenschaftlicher Redlichkeit und den Schutz geistigen Eigentums teilweise unterentwickelt ist.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Schuld daran ist, nat\u00fcrlich, vor allem das Internet:<\/p>\n<blockquote><p>Es sei <em>auch durch die Digitalisierung einer Vielzahl von Ver\u00f6ffentlichungen erheblich einfacher geworden, mittels \u201eCopy and Paste\u201c Plagiate zu erstellen und Texte Dritter als eigene wissenschaftliche Leistung auszugeben. Im Zuge der Verbreitung des Internets und der Zug\u00e4nglichkeit einer Vielzahl von Quellen in elektronischer Form hat sich die \u201eCopy and Paste\u201c-Technik in den vergangenen Jahren in zahlreichen Lebens- und Arbeitsbereichen verbreitet.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>In den Forderungen soll denn auch der Bek\u00e4mpfung der\u00a0Copy&amp;Paste-Technik besonderes Augenmerk geschenkt werden.<\/p>\n<p>Die Ausdrucksweise und der zu lesende leicht kulturpessimistische Einschlag verwundert bei den sonst netzaffinen Kolleginnen und Kollegen. \u00a0Und er geht auch einigerma\u00dfen fehl in\u00a0der Einsch\u00e4tzung der Lehren aus der Guttenberg-Aff\u00e4re. Petra Sitte brachte es in ihrer <a href=\"http:\/\/www.petra-sitte.de\/start\/aktuelles\/detail\/kategorie\/forschung\/zurueck\/aktuell-21b18204f0\/artikel\/rede-nachwuchsentwicklung-in-den-universitaeten-staerken-wissenschaftliche-redlichkeit-unterst\/\" target=\"_blank\">Rede<\/a> zum Antrag auf den Punkt:<\/p>\n<blockquote><p><em>Wenn in einer wissenschaftlichen Arbeit Texte von anderen Autorinnen und Autoren im Rahmen zitiert werden, dann ist das eine essenzielle, durch das Zitatrecht gesicherte wissenschaftliche Praxis. Niemandem wird damit etwas weg genommen. Im Gegenteil: die Zitation erh\u00f6ht die wissenschaftliche Reputation des Zitierten. Dass die Quelle genannt werden muss, ist eine Frage der Redlichkeit und der Kennzeichnung der eigenen Leistung, nicht jedoch des Eigentums. Die Gr\u00fcnen sprechen jedoch in ihrem Antrag mehrfach von Diebstahl. Ich kann f\u00fcr meine Fraktion dazu nur sagen: wir setzen uns intensiv f\u00fcr eine st\u00e4rkere Betonung von Wissen als Gemeingut, f\u00fcr eine st\u00e4rkere Offenheit der Wissenschaft im Sinne von Open Access und auch f\u00fcr deren \u00f6ffentliche Finanzierung ein. Dinge, die offensiv geteilt werden, kann man auch nicht stehlen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Und sie weist auch auf die Unterstellungen in der Presse hin, die in eine ganz \u00e4hnliche Richtung gingen:<\/p>\n<blockquote><p><em>Neulich war in einer Zeitung zu lesen, der Guttenberg-Eklat sei auch Folge dieser grassierenden \u201eCreative-Commons-Remix-Mentalit\u00e4t\u201c. Hier ist es notwendig, die verschiedenen Sph\u00e4ren klar und deutlich zu trennen und Mythen zur\u00fcckzuweisen. Ein Remix, ein Cover, eine Zitation in der Kunst setzt auf das Wiedererkennen durch den Leserinnen und Leser, durch Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer. H\u00e4ufig liegt ein Kunsterlebnis gerade darin, die zitierten Textteile oder Melodiest\u00fccke zuordnen zu k\u00f6nnen. Kunst darf mystifizieren und andeuten. Wissenschaft darf das nicht. Hier gelten Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Forschungsergebnisse als oberste Maximen. Zitieren ist eine Grundtechik der Wissenschaft \u2013 inklusive aller Quellenangaben. Das Internet kann nichts daf\u00fcr, wenn jemand sich an diese Regel guter wissenschaftlicher Praxis nicht h\u00e4lt. Es hat aber zugleich erm\u00f6glicht, Plagiate schnell aufzufinden \u2013 viel schneller, als das noch vor zwanzig Jahren m\u00f6glich war. Auch die schnelle Durchleuchtung der Guttenbergschen Dissertation w\u00e4re ohne das Internet nicht m\u00f6glich gewesen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch dieser Beitrag ist \u00fcbrigens vor allem durch Copy&amp;Paste-Technik entstanden. \u00a0Also nichts f\u00fcr ungut.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton3244\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fcopypaste%2F&amp;text=Copy%26%23038%3BPaste%3F&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fcopypaste%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Nachklang der Guttigate-Aff\u00e4re legte die gr\u00fcne Bundestagsfraktion einen Antrag &#8220;\u00a0Wissenschaftliche Redlichkeit und die Qualit\u00e4tssicherung bei Promotionen st\u00e4rken&#8220; (Drs. 17\/5195) vor. 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