{"id":3409,"date":"2011-05-31T12:29:35","date_gmt":"2011-05-31T11:29:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=3409"},"modified":"2011-05-31T15:05:57","modified_gmt":"2011-05-31T14:05:57","slug":"zerschlagt-das-burgerliche-copyright-raubdrucke-und-urheberrecht-1969","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/zerschlagt-das-burgerliche-copyright-raubdrucke-und-urheberrecht-1969\/","title":{"rendered":"&#8222;Zerschlagt das b\u00fcrgerliche Copyright&#8220; &#8211; Raubdrucke und Urheberrecht 1969"},"content":{"rendered":"<p>Der heutige Kampf um die Eigentumsordnung in der digitalen\u00a0Welt hat eine lange Vorgeschichte. Eine Anekdote daraus\u00a0hat\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-45465006.html\">Spiegel Online <\/a>im Reprint (<a href=\"http:\/\/wissen.spiegel.de\/wissen\/image\/show.html?did=45465006&amp;aref=image036\/2006\/01\/18\/PPM-SP196904502200224.pdf&amp;thumb=false\">pdf<\/a>) ver\u00f6ffentlicht (via <a href=\"http:\/\/twitter.com\/#!\/PhilippOtto\">Philipp\u00a0Otto<\/a>). Die B\u00fccher, die die revolution\u00e4ren Studentinnen und Studenten f\u00fcr den Kampf gegen Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung und das ganze Schweinesystem ben\u00f6tigten, waren einfach zu teuer. Sie druckten nach und vertrieben Reich, Marcuse, Korsch, Bakunin, Benjamin\u00a0und andere zum Selbstkostenpreis. Auf der Buchmesse wurden unter dem Schlachtruf<\/p>\n<blockquote><p><em>Es gibt kein geistiges Eigentum. [&#8230;] Darum: Organisiert ein, zwei, viele Autoren- und Druckersyndikate! Zerschlagt das b\u00fcrgerliche Copyright!<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Nachdrucke eines Pornoromans verteilt. Das Hauptwerk der\u00a0Kopierer war Wilhelms Reichs &#8222;Funktion des Orgasmus&#8220;. \u00a0Die Ausr\u00fcstung f\u00fcr den Buchdruck\u00a0sei schon f\u00fcr weniger als 10.000 Mark zu haben gewesen, fiktive Verlage trugen Namen wie den genannten Slogan\u00a0&#8222;Zerschlagt das b\u00fcrgerliche Copyright&#8220;. Sp\u00e4ter h\u00e4tten viele gemerkt, dass man von den Raubdrucken auch ganz gut leben kann und ein kommerzielles Gesch\u00e4ft daraus gemacht.<!--more--><\/p>\n<p>Besonders gestritten wurde sich um eine Neuauflage der &#8222;Dialektik der Aufkl\u00e4rung&#8220;: Adorno\/Horkheimer wollten diese nicht. Die revolution\u00e4ren Leserinnen und Leser hingegen sahen den Text 22 Jahre nach dessen Erscheinen als Eigentum der Bewegung und erhielten prominente Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<blockquote><p><em>\ufeffDiese &#8222;Verhinderung von kritischer Information&#8220;, so ein Flugblatt, sei &#8222;Diebstahl von etwas uns Zustehendem&#8220;. Und der um eine Sympathie-Adresse f\u00fcr die Bedr\u00e4ngten gebetene Berliner (Legal-) Verleger Klaus Wagenbach entschied, &#8222;da\u00df kein sozialistischer Autor das Recht haben darf, seine Werke der Benutzung zu entziehen&#8220;.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Zitiert wird auch der dmalige Cheflektor des Luchterhand-Verlags, der sp\u00e4tere Literatursoziologe J\u00fcrgen Benseler, selbst Nutzer von Raubdrucken:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Die Frage des geistigen Eigentums ist jetzt das wichtigste Thema f\u00fcr uns.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Benseler arbeitete an einer Lukacs-Gesamtausgabe, gab jedoch unter der Hand\u00a0neu aufgetauchte\u00a0Manuskripte des Theoretikers\u00a0an das\u00a0APO-Organ\u00a0&#8222;Extra-Dienst&#8220; von\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carl_Guggomos\">Carl Guggomos\u00a0<\/a>weiter. Er wollte nicht, dass diese unver\u00f6ffentlicht\u00a0in den Archiven verschwinden.<\/p>\n<p>Hilfe in der Auseinandersetzung um Geistiges Eigentum erwartete sich die linke Szene von den 1967 unterzeichneten &#8222;Stockholmer Protokollen&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CBkQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.gesetze-im-internet.de%2Fbundesrecht%2Fwogeisteig_bkuag%2Fgesamt.pdf&amp;rct=j&amp;q=stockholmer%20protokoll%20f%C3%BCr%20geistiges%20Eigentum%20&amp;ei=4sbkTfLlAcPPsga8wrSABg&amp;usg=AFQjCNFs_8WcgCfyahrUM5BjIrtwmmLUMg\">pdf<\/a>) zur <a href=\"http:\/\/www.admin.ch\/ch\/d\/sr\/c0_231_14.html\">Berner \u00dcbereinkunft <\/a>, die in Deutschland ratifiziert werden mussten. Diese enthalten Passi, die Entwicklungsl\u00e4ndern Ausnahmen vom strengen Urheberrechtsregime erm\u00f6glichen sollten. Cuba haben die Raubdrucker etwas als geeignetes Exilland ausgemacht. Deutschland hat diese Ausnahmen jedoch sp\u00e4ter nicht ratifiziert. \u00a0<\/p>\n<p>Mehr zum Kampf der 68er um Raubdrucke und das Urheberrecht findet man \u00fcbrigens in dieser Magisterarbeit (<a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=6&amp;ved=0CD4QFjAF&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.cultiv.net%2Fcultiv%2Findex.php%3Fid%3D651%26delete%3Dtrue%26docid%3D123&amp;ei=McvkTeaTL4busgaY8ITeBQ&amp;usg=AFQjCNHCaTk9U_Pd4ZvjPxAxxDb4KNAw-Q\">pdf<\/a>)\u00a0von Carmen Maria Thiel.<\/p>\n<p>Heute kann jeder ein, zwei, viele Autoren- und Druckersyndikate mittels seines Smartphones gr\u00fcnden.\u00a0Der ideologische \u00dcberbau der damaligen Debatte mutet heute unzeitgem\u00e4\u00df an. Daf\u00fcr geht es nicht mehr um ein paar Theoretiker, sondern um die Frage, wem das Weltwissen im Netz geh\u00f6rt.\u00a01969 hie\u00dfen die\u00a0illegalen Ausgaben\u00a0\u00a0&#8222;resozialisierter Druck&#8220;. Wie hei\u00dft freies Wissen heute?<\/p>\n<div id=\"tweetbutton3409\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fzerschlagt-das-burgerliche-copyright-raubdrucke-und-urheberrecht-1969%2F&amp;text=%26%238222%3BZerschlagt%20das%20b%C3%BCrgerliche%20Copyright%26%238220%3B%20%26%238211%3B%20Raubdrucke%20und%20Urheberrecht%201969&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fzerschlagt-das-burgerliche-copyright-raubdrucke-und-urheberrecht-1969%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der heutige Kampf um die Eigentumsordnung in der digitalen\u00a0Welt hat eine lange Vorgeschichte. 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