{"id":4200,"date":"2011-12-15T12:02:05","date_gmt":"2011-12-15T11:02:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=4200"},"modified":"2011-12-15T12:20:48","modified_gmt":"2011-12-15T11:20:48","slug":"internet-enquete-datenschutz-fur-kinder-und-jugendliche-kein-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/internet-enquete-datenschutz-fur-kinder-und-jugendliche-kein-problem\/","title":{"rendered":"Internet-Enquete: Datenschutz f\u00fcr Kinder und Jugendliche kein Problem"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcssen Kinder und Jugendliche vor Datenfressern im Netz besonders gesch\u00fctzt werden? Nein, findet die Mehrheit in der Enquetekommission &#8222;Internet und digitale Gesellschaft&#8220;. Ein anders ausgerichteter Text, den die Fraktion DIE LINKE zusammen mit der Sachverst\u00e4ndigen Constanze Kurz verfasst hatte, wurde in der letzten Sitzung der Kommission abgelehnt. Zwar w\u00fcrden Daten von Kindern in kaum geringerem Umfang erhoben als solche von Erwachsenen, gesteht der <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/internetenquete\/dokumentation\/Sitzungen\/20111212\/Ausschussdrucksache_17_24_42.pdf\" target=\"_blank\">Mehrheitstext<\/a> ein. Aber das sei kein Problem. Denn das Netz sei ja nicht das ganze Leben: &#8222;Freunde, Familie und gute Noten sind wichtiger als das Netz. 98 Prozent der Jugendlichen sind ihre Freunde wichtig, 86 Prozent sagen dies vom Internetzugang.&#8220;<\/p>\n<p>Gute Gr\u00fcnde f\u00fcr die Enquete-Mehrheit, einen wirksamen Datenschutz f\u00fcr Kinder und Jugendliche abzulehnen. Schlie\u00dflich habe ja auch bereits &#8222;ein Erkenntnisprozess bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Zunehmend werden schon Schulkindern die Probleme bewusst, die mit der Ver\u00f6ffentlichung von pers\u00f6nlichen Daten im Internet verbunden sein k\u00f6nnen. Sie \u00fcberlegen sich bereits, was sie ins Netz stellen, ob sie ihren richtigen Namen verwenden etc. Auch Eltern erkennen die Gefahren des Internets f\u00fcr ihre Kinder in steigendem Ma\u00dfe.&#8220; Also gibt es keinerlei Grund, die Datengier der Unternehmen regulatorisch einzuschr\u00e4nken, wie es DIE LINKE gefordert hat.<!--more--><\/p>\n<p>DIE LINKE hat nun ein Sondervotum eingereicht, in dem Klartext gesprochen wird. Untenstehend dokumentieren wir den Text. Vielleicht schlie\u00dft sich das eine oder andere Mitglied der Enquete noch an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>SONDERVOTUM DIE LINKE, SV CONSTANZE KURZ:<\/strong><\/p>\n<p>Der Datenschutz bei besonders schutzw\u00fcrdigen Gruppen bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Die Ausnutzung der neuen informationstechnischen M\u00f6glichkeiten darf nicht zulasten der schw\u00e4chsten Glieder (etwa Kinder und Heranwachsende) unserer Gesellschaft gehen. Gleichzeitig sollen sie aber auch nicht von einer angemessenen Teilhabe an der Informationsgesellschaft ausgeschlossen sein.<\/p>\n<p>Daten von Kindern werden in einem kaum geringeren Umfang als Daten von Erwachsenen erhoben, verarbeitet und weitergegeben. Eine Vielzahl der Unternehmen unterscheidet hinsichtlich ihrer Internetangebote und der damit verkn\u00fcpften Datenverarbeitungen nicht oder kaum zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen. Auch Kinder und Jugendliche sind heute selbstverst\u00e4ndlich aktive Nutzer von Informationsdiensten und setzen diese zum Informationsaustausch ein. Doch ebenso selbstverst\u00e4ndlich sind dabei auch Kinder von Geburt an ebenso wie Erwachsene Tr\u00e4ger von Grundrechten. Dazu geh\u00f6rt auch das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, so dass auch Kinder und Jugendliche alle Datenschutzrechte und damit grunds\u00e4tzlich das Recht haben, \u00fcber die Herausgabe und Verwendung ihrer personenbezogenen Daten selbst zu bestimmen. Sie wachsen bereits mit der Nutzung von digitaler Technik und der Angebotsvielfalt des Internets auf und sind damit die am besten vernetzte Altersgruppe: 98 Prozent der 10- bis 18-J\u00e4hrigen nutzen mittlerweile das Internet. Dies hat eine Studie im Auftrag des Verbandes BITKOM <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=bitkom%20jugend%202.0&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CB8QFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.bitkom.org%2Ffiles%2Fdocuments%2FBITKOM_Studie_Jugend_2.0.pdf&amp;ei=ANLpTquACcX3sgav4ZHMBw&amp;usg=AFQjCNFRnbrbgHjPFK3WA0GyVFv509ynHg\" target=\"_blank\">\u201eJugend 2.0\u201c<\/a>ergeben. Selbst Kinder von 10 bis 12 Jahren sind zu 96 Prozent online. Fast schon selbstverst\u00e4ndlich ist f\u00fcr Teenager die Mitgliedschaft in Internet-Gemeinschaften. Nach der Studie sind 77 Prozent in verschiedenen \u201eCommunitys\u201c angemeldet, 74 Prozent nutzen sie aktiv.<\/p>\n<p>Da bereits drei Viertel aller deutschen Kinder und Jugendlichen in sozialen Netzwerken Mitglied sind und regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber diese Plattformen kommunizieren, entsteht teilweise bereits von jungen Teenagern ein genaues Pers\u00f6nlichkeitsprofil und ein digitales Abbild ihrer W\u00fcnsche, Vorlieben, Beziehungsgeflechte, Gewohnheiten. Bekanntlich beruht das Gesch\u00e4ftsmodell der Social Networks im Wesentlichen darauf, Daten ihrer Nutzer zu erheben und kommerziell zu verwerten. Schon im Hinblick auf Erwachsene erscheint diese Nutzbarmachung von Teilen der Privatsph\u00e4re f\u00fcr wirtschaftliche Zwecke bedenklich, erst recht jedoch bei Kindern und Jugendlichen. Letztere verf\u00fcgen h\u00e4ufig noch nicht \u00fcber das n\u00f6tige Reflektionsverm\u00f6gen, um die Nutzung des Angebots mit dem Gesch\u00e4ftsmodell in Verbindung zu bringen. Sie sind sich oft gar nicht dar\u00fcber im Klaren, dass sie statt mit Geld mit ihren pers\u00f6nlichen Daten f\u00fcr diese Angebote bezahlen. Erst recht \u00fcberblicken sie oft nicht die langfristigen Folgen ihren Handelns, k\u00f6nnen also etwa die Gefahr einer vom Nutzer nicht zu kontrollierenden Profilbildung oder erstellten Prognosen durch die Anbieter noch nicht zutreffend einsch\u00e4tzen und bewerten. Dar\u00fcber kann auch ein diffuses Unwohlsein und die wachsende Sensibilisierung der Betroffenen im Hinblick auf den Datenschutz nicht hinwegt\u00e4uschen. Zwar hei\u00dft es in der erw\u00e4hnten BITKOM-Untersuchung, 58 Prozent aller 10- bis 18-J\u00e4hrigen w\u00fcnschten sich mehr Datenschutz. Es w\u00e4re jedoch gewagt, hieraus zu folgern, die Betroffenen w\u00e4ren sich der umfassenden Nutzung ihrer Daten zu kommerziellen Zwecken der Anbieter stets bewusst oder gar in der Lage, sich auf der Grundlage solcher Kenntnis aktiv gegen die Nutzung ihrer Daten zu entscheiden.<\/p>\n<p>Was bei den Gesch\u00e4ftsmodellen der Social Networks problematisch ist, ist bei Angeboten, die speziell auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sind, besonders bedenklich. Dies gilt nicht nur f\u00fcr die Auswertung des Nutzungs- und Surfverhaltens, sondern auch f\u00fcr die Werbepraktiken bei solchen Angeboten. So k\u00f6nnen die Betroffenen h\u00e4ufig Werbung und redaktionelle Inhalte weniger klar auseinanderhalten, als dies Erwachsenen m\u00f6glich ist. Sie sind f\u00fcr personalisierte Werbung mithin empf\u00e4nglicher und somit manipulierbarer als andere Nutzer, die \u00fcber mehr Medienerfahrung verf\u00fcgen. Insbesondere bemerken Kinder es oft nicht, wenn sie von redaktionell betreuten Seiten auf rein kommerzielle Werbeangebote umgeleitet werden, weil die Trennung redaktioneller Inhalte von Werbeinhalten h\u00e4ufig nicht klar erkennbar ist oder bewusst verschleiert wird. Ein Datenschutzproblem ergibt sich daraus beispielsweise schon dann, wenn in diesem Zusammenhang von Werbetreibenden Cookies gesetzt werden, die eine weitere Auswertung des Surfverhaltens der Nutzer auch jenseits des urspr\u00fcnglichen Angebots erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Ein weiteres, eng damit verbundenes Problem ist die zunehmende Verschuldung schon von Minderj\u00e4hrigen. Beruhend auf der Analyse ihrer hinterlassenen Daten werden Heranwachsende oft mit auf sie zugeschnittenen, manipulativen Werbebotschaften zu \u00fcberm\u00e4\u00dfigem, ihren finanziellen Verh\u00e4ltnissen nicht angemessenen Konsum angeregt.<\/p>\n<p>Als Konsequenz aus den obigen Befunden stellt sich die Frage, ob Kinder und Heranwachsende, die nicht wie Erwachsene langfristige Folgen ihres Handelns absch\u00e4tzen k\u00f6nnen, in st\u00e4rkerem Ma\u00dfe einer \u00f6ffentlichen F\u00fcrsorge und eines gesetzlichen Schutzes bed\u00fcrfen und ob es in diesem Zusammenhang erm\u00f6glicht werden muss, Gesch\u00e4ftsmodelle der Anbieter, die nach dem derzeitigen Datenschutzgesetz noch legal sind, im Interesse des Schutzes von Kindern und Jugendlichen einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton4200\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Finternet-enquete-datenschutz-fur-kinder-und-jugendliche-kein-problem%2F&amp;text=Internet-Enquete%3A%20Datenschutz%20f%C3%BCr%20Kinder%20und%20Jugendliche%20kein%20Problem&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Finternet-enquete-datenschutz-fur-kinder-und-jugendliche-kein-problem%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcssen Kinder und Jugendliche vor Datenfressern im Netz besonders gesch\u00fctzt werden? Nein, findet die Mehrheit in der Enquetekommission &#8222;Internet und digitale Gesellschaft&#8220;. Ein anders ausgerichteter Text, den die Fraktion DIE LINKE zusammen mit der Sachverst\u00e4ndigen Constanze Kurz verfasst hatte, wurde in der letzten Sitzung der Kommission abgelehnt. Zwar w\u00fcrden Daten von Kindern in kaum geringerem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[70,28,142,64],"tags":[481,476,18,49],"class_list":["post-4200","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-datenschutz","category-digitale-burgerrechte","category-enquete","category-netzpolitik","tag-datenschutz","tag-digitale-burgerrechte","tag-jugend","tag-kinder"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4200","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4200"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4200\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4223,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4200\/revisions\/4223"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4200"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4200"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4200"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}