{"id":4435,"date":"2012-02-14T22:22:28","date_gmt":"2012-02-14T21:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=4435"},"modified":"2012-02-14T22:22:28","modified_gmt":"2012-02-14T21:22:28","slug":"crowdfunding-vs-gratismentalitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/crowdfunding-vs-gratismentalitat\/","title":{"rendered":"Crowdfunding vs. Gratismentalit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Ein beliebtes Argument der Verteidiger analoger Gesch\u00e4ftsmodelle in der Diskussion um Digitalisierung und Urheberrecht lautet: <a href=\"http:\/\/www.bz-berlin.de\/aktuell\/deutschland\/acta-gegner-befuerwortet-ihr-diebstahl-article1385868.html\">Daf\u00fcr muss man zahlen, kostenloses Kopieren und Downloaden ist Diebstahl<\/a>. Implizit klingt da immer noch ein Schlagwort mit, das mittlerweile so nur noch selten ausgesprochen wird: Eine &#8222;Umsonstmentalit\u00e4t&#8220; im Internet mache Kultur und Kreativwirtschaft kaputt. Wem man erkl\u00e4ren muss, dass sie oder er f\u00fcr Content zahlen m\u00fcsse, der oder die will offensichtlich kein Geld ausgeben. Am lautesten heulen hier Film- und Musikbranche und \u00fcbert\u00f6nen so regelm\u00e4\u00dfig die Realit\u00e4t. <\/p>\n<p>Denn die f\u00fcr Content (ob analog oder digital) verf\u00fcgbare Geldsumme flie\u00dft heute nicht mehr nur in den Kauf von B\u00fcchern, Konzert-, Theater- oder Kinokarten sondern auch schon seit einigen Jahrzehnten in Tontr\u00e4ger diverser Art und dann in Videokassetten, DVDs, BluRays und mittlerweile Downloads und vor allem auch neben klassischen Kulturformen in Spiele, Apps etc&#8230; <\/p>\n<p>Weiter gibt es <a href=\"http:\/\/www.neunetz.com\/urheberrecht\/#toc-entwicklung-der-musikbranche-im-filesharing-zeitalter\">die ein oder andere Studie<\/a>, die nahelegt, dass die, die downloaden, auch richtig viel kaufen. Vollkommen ad absurdum gef\u00fchrt wird das Argument der Umsonstmentalit\u00e4t durch Crowdfunding. Dazu gab es in den letzten Tagen zwei einschl\u00e4gige Beispiele.<!--more--><\/p>\n<p>Erstens: nachdem vor einiger Zeit schon das durch Fans finanzierte Erotikfilmchen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hotel_Desire\">&#8222;Hotel Desire&#8220;<\/a> Premiere feiern durfte, erlebte am Samstag der Sci-Fi-Nazi-Trash-Film <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Iron_Sky\">&#8222;Iron Sky&#8220;<\/a> seine Urauff\u00fchrung auf der Berlinale. Auch hier wurde ein Teil der Produktionskosten von Fans aufgebracht. Gesammelt wurde das Geld im Netz. <\/p>\n<p>Die Menschen wollen also nicht nur Geld f\u00fcr Content ausgeben, sie tun es sogar noch vor der Erstellung der Werke. Besonders eindr\u00fccklich zeigt dies das zweite Beispiel dieser Tage: Der in seiner Branche zu den Ber\u00fchmtheiten z\u00e4hlende Computerspielprogrammierer Tim Schafer wollte ein eher altmodisch anmutendes Klick-and-Point-Game produzieren, wie sie vor 20 Jahren popul\u00e4r waren. Er fand zun\u00e4chst keine Investoren. Bis er das Netz um Geld fragte. die angefragten 400.000 Dollar hatte er <a href=\"http:\/\/www.crackajack.de\/2012\/02\/10\/kickstarter-goes-crazy-funds-adventure-game-with-over-1-million-dollars\/\">binnen acht Stunden<\/a> zusammen, am Ende der Geldeinwerbephase waren es <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/games\/0,1518,814923,00.html\">1,6 Millionen<\/a>.<\/p>\n<p>Diese Zahlungsbereitschaft l\u00f6st nicht alle Probleme, die rund ums kreative Schaffen derzeit bestehen. Wie finden Neulinge Unterst\u00fctzung? Funktioniert Crowdfunding in allen kreativen Bereichen? Auch ist beispielsweise nicht klar, ob Crowdfunding am Ende wieder nur Megastars beim Verdienen hilft, w\u00e4hrend kleinere Fische wie heute auch schon darben (Wobei Iron Sky und das Projekt von Tim Schafer gerade Nischenprodukte sind, die es im Mainstreammarkt so nicht geben w\u00fcrde). Es besteht auch die Gefahr, dass Crowdfunding nicht zus\u00e4tzlich zu anderen bestehenden Kulturf\u00f6rderinstrumenten und Bezahlsystemen etabliert wird, sondern diese ersetzt. Solange Staatsaufgaben immer mehr auf zivilgesellschaftliches Engagement abgew\u00e4lzt werden, ist so etwas immer zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Dennoch: Die Menschen zahlen nicht nur f\u00fcr den bequemen Zugang zu Inhalten wie im Falle der sogenannten &#8222;Premium-Kunden&#8220; beim <a href=\"http:\/\/faz-community.faz.net\/blogs\/deus\/archive\/2012\/01\/24\/gerechtigkeit-fuer-kim-dotcom.aspx\">brisanten Beispiel Megaupload<\/a>. Sie zahlen auch gern, prompt und viel f\u00fcr angek\u00fcndigte Werke. Im Voraus. <\/p>\n<p>Allerdings, und das ist etwas, was in der Debatte um ein Urheberrecht f\u00fcr die digitale Gesellschaft vielleicht st\u00e4rker mitbedacht werden muss, findet hier ein weiterer Strukturwandel statt. Nicht nur Produktionstechnik und die Werktr\u00e4ger haben sich massiv ver\u00e4ndert, nicht nur die Distribution wurde revolutioniert und damit die Macht der Verwerter geschw\u00e4cht. Die Nutzerinnen und Nutzer lassen sich offenbar von den alten Playern in Kultur und Entertainment auch nicht mehr sagen, f\u00fcr was sie Geld ausgeben sollen. <\/p>\n<p>Es sind heute weniger als fr\u00fcher PR-Abteilungen und Feuilleton-Redakteure sondern die Nutzerinnen und Nutzer, die Hits produzieren (nat\u00fcrlich werden vor allem PR-Abteilungen fix darauf reagieren). Dabei erscheint Crowdfunding auch bei kommerziellen Gro\u00dfprojekten als eine spezielle Variante des User generated Content, die zun\u00e4chst die althergebrachte Top-Down-Kultur in Frage stellt. Damit einher geht wom\u00f6glich auch, dass das tradierte Verst\u00e4ndnis davon, was Kultur ist, aktualisiert werden muss. Hit and Run und Thomas Mann. <\/p>\n<div id=\"tweetbutton4435\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fcrowdfunding-vs-gratismentalitat%2F&amp;text=Crowdfunding%20vs.%20Gratismentalit%C3%A4t&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fcrowdfunding-vs-gratismentalitat%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein beliebtes Argument der Verteidiger analoger Gesch\u00e4ftsmodelle in der Diskussion um Digitalisierung und Urheberrecht lautet: Daf\u00fcr muss man zahlen, kostenloses Kopieren und Downloaden ist Diebstahl. 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