{"id":4960,"date":"2012-05-09T09:12:01","date_gmt":"2012-05-09T08:12:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=4960"},"modified":"2013-06-04T10:37:39","modified_gmt":"2013-06-04T09:37:39","slug":"konferenz-kreatives-schaffen-konstruktiver-dialog-zwischen-urhebern-und-nutzern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/konferenz-kreatives-schaffen-konstruktiver-dialog-zwischen-urhebern-und-nutzern\/","title":{"rendered":"Konferenz Kreatives Schaffen: konstruktiver Dialog zwischen Urhebern und Nutzern"},"content":{"rendered":"<p>Wovon sollen Urheber leben, wenn das Urheberrecht im Digitalzeitalter nicht mehr so recht funktioniert? Gibt es Alternativen zu den Ausschlie\u00dflichkeitsrechten, die den Kern des derzeitigen Urheberrechtsregimes ausmachen? K\u00f6nnen Nutzer und Urheber einen solidarischen Gesellschaftsvertrag miteinander abschlie\u00dfen, der eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Zug\u00e4nglichkeit von Kunst und Kultur mit einer angemessenen Verg\u00fctung verbindet?<!--more--><\/p>\n<p>Solche Fragen werden in der Regel \u00fcber die K\u00f6pfe der Betroffenen hinweggef\u00fchrt. Nicht so bei der Veranstaltung am Montag im Berliner Pfefferberg, die von der linken Bundestagsfraktion, der <a href=\"http:\/\/www.guengl.eu\/\" target=\"_blank\">linken Europafraktion<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.agdok.de\/\" target=\"_blank\">AG Dokumentarfilm<\/a>, dem <a href=\"http:\/\/www.ccc.de\/\" target=\"_blank\">Chaos Computerclub<\/a> und der <a href=\"http:\/\/digitalegesellschaft.de\/\" target=\"_blank\">Digitalen Gesellschaft<\/a> gemeinsam ausgerichtet wurde. Insgesamt etwa 60 Stakeholder, Urheber, Nutzer und politische Akteure, waren zusammengekommen, um \u00fcber neue Verg\u00fctungsmodelle f\u00fcr kreative Arbeit zu diskutieren.<\/p>\n<p>Der Mediensoziologe <a href=\"http:\/\/www.vgrass.de\/\" target=\"_blank\">Volker Grassmuck<\/a> stellte zun\u00e4chst sein Modell einer <a href=\"http:\/\/www.vgrass.de\/?p=193\" target=\"_blank\">Tauschlizenz<\/a> vor. \u00c4hnlich wie bei der Privatkopieabgabe soll dabei eine Pauschalgeb\u00fchr erhoben werden, mit der das nicht-kommerzielle Tauschen von urheberrechtlich gesch\u00fctzten Werken in p2p-Netzwerken legalisiert werden soll. Dieses Geld soll dann \u00fcber Verwertungsgesellschaften an die Urheberinnen und Urheber verteilt werden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/frank.geekheim.de\/\" target=\"_blank\">Frank Rieger<\/a> vom <a href=\"http:\/\/www.ccc.de\/\" target=\"_blank\">Chaos Computerclub<\/a> warb hingegen f\u00fcr sein Modell einer \u201e<a href=\"http:\/\/ccc.de\/system\/uploads\/65\/original\/kulturwertmark-neu.pdf\" target=\"_blank\">Kulturwertmark<\/a>\u201c, das in gewisser Weise eine Variante des Tauschlizenz-Ansatzes darstellt. W\u00e4hrend Grassmuck das Geld entsprechend der grob gemessenen Nutzung verteilen m\u00f6chte, pl\u00e4diert Rieger f\u00fcr einen individuelleren Ansatz: Die Nutzer sollen jenen K\u00fcnstlern, die sie besonders sch\u00e4tzen, Anteile aus dem gro\u00dfen Topf zuweisen k\u00f6nnen \u2013 \u00e4hnlich wie bei flattr. Der Vorteil: Im Ergebnis springt vielleicht f\u00fcr unbekannte K\u00fcnstler mehr heraus. (Videomitschnitt <a href=\"http:\/\/medien.linksfraktion.de\/video\/1x1-bisky.m4v\" target=\"_blank\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/cay.agdok.de\/\" target=\"_blank\">Cay Wesnigk<\/a> von der <a href=\"http:\/\/www.agdok.de\/\" target=\"_blank\">AG Dokumentarfilm<\/a> w\u00e4hlte einen ganz anderen Ansatz, insofern das von ihm vorgeschlagene Modell nicht auf der Zirkulationsebene ansetzt, sondern bei der Produktion kreativer Werke.\u00a0 Die Dokumentarfilmer schlagen vor, dass in Zukunft ein Teil der Rundfunkgeb\u00fchren ausgeschrieben wird. Filmemacher sollen sich bewerben k\u00f6nnen, um mit diesen F\u00f6rdergeldern die Produktion von Werken zu finanzieren, die dann f\u00fcr eine begrenzte Zeit frei im Netz zur Verf\u00fcgung stehen sollen. (Videomitschnitt <a href=\"http:\/\/medien.linksfraktion.de\/video\/1x3.m4v\" target=\"_blank\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dimbb.de\/\" target=\"_blank\">Heiko Hilker<\/a> aus dem B\u00fcro des Europaabgeordneten <a href=\"http:\/\/www.dielinke-europa.eu\/topic\/737.lothar-bisky.html\" target=\"_blank\">Lothar Bisky<\/a> stellte abschlie\u00dfend ein auf Initiative der Gr\u00fcnen vom <a href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/committees\/de\/CULT\/home.html\" target=\"_blank\">Kulturausschuss des Europaparlaments<\/a> in Auftrag gegebenes <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=die%20content%20flatrate%20eine%20l%C3%B6sung%20f%C3%BCr%20das%20problem&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CDIQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.europarl.europa.eu%2FRegData%2Fetudes%2Fetudes%2Fcult%2F2011%2F460058%2FIPOL-CULT_ET(2011)460058(SUM07)_DE.pdf&amp;ei=K3mFT5mUG8HtsgaviIndBg&amp;usg=AFQjCNEaS-8RepAJCG0aPXIQ89517mEdoA\" target=\"_blank\">Gutachten<\/a> vor, das eine kommerzielle L\u00f6sung vorschl\u00e4gt. Die Provider sollen f\u00fcnf Euro auf ihren Internetanschluss draufschlagen, damit ihre Kunden ein eingeschr\u00e4nktes Repertoire an Musikwerken mit bis zu 50 Freunden in sozialen Netzwerken \u201eteilen\u201c k\u00f6nnen. (Videomitschnitt <a href=\"http:\/\/medien.linksfraktion.de\/video\/1x4.m4v\" target=\"_blank\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p>Die verschiedenen Modelle wurden nun von Urhebern aus unterschiedlichen Branchen kommentiert und bewertet. Dabei wurde schnell deutlich, dass sich beispielsweise Musiker und Journalisten schwer \u00fcber einen Kamm scheren lassen. Literatur\u00fcbersetzer <a href=\"http:\/\/www.literaturuebersetzer.de\/pages\/verzeichnis\/eintraege\/Kloess_Peter.htm\" target=\"_blank\">Peter Kl\u00f6ss<\/a> wies darauf hin, dass von 1,5 Milliarden, die durch die Einf\u00fchrung einer \u201eTauschlizenz\u201c zu erwarten w\u00e4ren, wohl kaum mehr als 10% an die Buchbranche flie\u00dfen w\u00fcrden. Aufgeteilt unter allen Wahrnehmungsberechtigten der <a href=\"http:\/\/www.vgwort.de\/teilnahmemoeglichkeiten\/wahrnehmungsberechtigte.html\" target=\"_blank\">VG WORT<\/a> k\u00e4me dabei ein Betrag von gerade einmal 400 Euro j\u00e4hrlich heraus. <a href=\"http:\/\/www.all2gethernow.de\/author\/andrea-goetzke\/\" target=\"_blank\">Andrea Goetzke<\/a> von der <a href=\"http:\/\/www.all2gethernow.de\/\" target=\"_blank\">a2n<\/a> wies darauf hin, dass neue Verg\u00fctungsmodelle nicht zuletzt technikneutral sein sollten. Abgaben auf Filesharing zu erheben, w\u00e4hrend die meiste Musik mittlerweile per Stream konsumiert werde, sei r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt. <a href=\"http:\/\/blog.wikimedia.de\/author\/jan\/\" target=\"_blank\">Jan Engelmann<\/a> von <a href=\"http:\/\/wikimedia.de\/wiki\/%C3%9Cber_uns\" target=\"_blank\">Wikimedia Deutschland<\/a> gab zu bedenken, dass die meisten Urheber der Wikipedia nicht aus monet\u00e4ren, sondern intrinsischen Motiven mitarbeiten. F\u00fcr all diese kleinteiligen Beitr\u00e4ge Geld einzuziehen und zu verteilen, sei eine unsinnige Aufgabe. Der Filmemacher <a href=\"http:\/\/www.agdok.de\/de_DE\/members_detail\/8421\/vita\" target=\"_blank\">Thomas Frickel<\/a> wies darauf hin, dass die professionelle Produktion von Filmen ohne Vorsch\u00fcsse kaum zu finanzieren sei.<\/p>\n<p>Die Schlussrunde drehte sich dann um die kulturpolitische, die wirtschaftliche und die politische Dimension der vorgestellten Modelle. Jurist <a href=\"http:\/\/www.ie-online.de\/\" target=\"_blank\">Till Kreutzer<\/a> von <a href=\"http:\/\/www.irights.info\/\" target=\"_blank\">iRights.info<\/a> r\u00e4umte ein, dass weder eine \u201eTauschlizenz\u201c noch gar eine \u201eKulturwertmark\u201c ohne gr\u00f6\u00dfere \u00c4nderungen im internationalen Rechtsrahmen zu realisieren sei. \u201eAber was juristisch machbar ist, h\u00e4ngt immer davon ab, was politisch durchsetzbar ist\u201c, so Kreutzer. Gesetze k\u00f6nne man schlie\u00dflich auch \u00e4ndern. Aus \u00f6konomischer Sicht bezweifelte Marcel Wei\u00df von <a href=\"http:\/\/www.neunetz.com\/\" target=\"_blank\">neunetz.com<\/a> indes, ob man Pauschalverg\u00fctungen \u00fcberhaupt brauche. Um wegbrechende Erl\u00f6se zu kompensieren, sollten die Verwerter sich lieber neue Gesch\u00e4ftsmodelle ausdenken, und genau dies t\u00e4ten sie ja auch. Man solle dem Markt mehr Zeit geben, das Problem selbst zu l\u00f6sen. <a href=\"http:\/\/lukrezia-jochimsen.de\/\" target=\"_blank\">Luc Jochimsen<\/a>, kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, betonte am Ende vor allem ihre Ratlosigkeit angesichts der vielen offenen Fragen. Ausdr\u00fccklich pl\u00e4dierte sie aber daf\u00fcr, neue Modelle nicht nur zu diskutieren, sondern in Modellversuchen praktisch auszuprobieren. Auch \u00e4u\u00dferte sie Sympathie f\u00fcr die Idee, dass die Nutzer in den Gremien der Verwertungsgesellschaften vertreten sein sollten. (Videomitschnitt <a href=\"http:\/\/medien.linksfraktion.de\/video\/3x1.m4v\" target=\"_blank\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p>Kathrin Senger-Sch\u00e4fer, medienpolitische Sprecherin, zog am Ende Bilanz. (Videomitschnitt <a href=\"http:\/\/medien.linksfraktion.de\/video\/3x2.m4v\" target=\"_blank\">hier<\/a>.) Beachtlich war vor allem die konstruktive Gespr\u00e4chsatmosph\u00e4re der Konferenz. Dies mag daran liegen, dass weder Vertreter der Verwerter noch professionelle Interessenvertreter der Urheber auf den Podien sa\u00dfen, sondern einerseits Urheber, andererseits Nutzer. Dass die Diskussion nicht in die bei Urheberrechtsthemen \u00fcbliche gegenseitige Beschimpfung ausartete, wurde allgemein als positiv empfunden. Vielleicht macht das Modell, die Betroffenen selbst zu Wort kommen zu lassen, ja bei anderen Veranstaltungen Schule.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton4960\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fkonferenz-kreatives-schaffen-konstruktiver-dialog-zwischen-urhebern-und-nutzern%2F&amp;text=Konferenz%20Kreatives%20Schaffen%3A%20konstruktiver%20Dialog%20zwischen%20Urhebern%20und%20Nutzern&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fkonferenz-kreatives-schaffen-konstruktiver-dialog-zwischen-urhebern-und-nutzern%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wovon sollen Urheber leben, wenn das Urheberrecht im Digitalzeitalter nicht mehr so recht funktioniert? Gibt es Alternativen zu den Ausschlie\u00dflichkeitsrechten, die den Kern des derzeitigen Urheberrechtsregimes ausmachen? K\u00f6nnen Nutzer und Urheber einen solidarischen Gesellschaftsvertrag miteinander abschlie\u00dfen, der eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Zug\u00e4nglichkeit von Kunst und Kultur mit einer angemessenen Verg\u00fctung verbindet?<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[65,67,76,63,1,66,149],"tags":[334,333,332,331],"class_list":["post-4960","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-film","category-kultur","category-musik","category-rundfunk","category-sonstiges","category-urheberrecht","category-veranstaltungen","tag-contentflatrate","tag-haushaltsabgabe","tag-kulturwertmark","tag-tauschlizenz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4960","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4960"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4960\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6517,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4960\/revisions\/6517"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}