{"id":5001,"date":"2012-05-10T13:04:11","date_gmt":"2012-05-10T12:04:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=5001"},"modified":"2012-05-10T13:04:11","modified_gmt":"2012-05-10T12:04:11","slug":"wir-sind-die-literaturagentur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wir-sind-die-literaturagentur\/","title":{"rendered":"Wir sind die Literaturagentur Landwehr &amp; Cie"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Wir sind die Urheber&#8220;, mit diesem Slogan hat in den letzten Monaten immer wieder mal der Journalistenverband freischreiber darum <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/digitaz\/artikel\/?ressort=fl&amp;dig=2012%2F02%2F02%2Fa0162&amp;cHash=633305fd08VON\" target=\"_blank\">geworben<\/a>, Urheber nicht mit Verwertern zu verwechseln. Jetzt f\u00fchrt ihn eine andere Gruppe von Urhebern im Munde, n\u00e4mlich literarische Schriftsteller. 100 von ihnen haben unter diesem Titel ein \u00f6ffentliches Statement unterzeichnet, in dem sie &#8222;gegen den Diebstahl geistigen Eigentums&#8220; protestieren. Verantwortlich f\u00fcr die Seite ist Matthias Landwehr, seines Zeichens <a href=\"http:\/\/www.landwehr-cie.de\/\" target=\"_blank\">Literaturagent<\/a>.<!--more--><\/p>\n<p>Manche Leute meinen, Literaturagenten seien so etwas wie moderne Wegelagerer: Sie treiben die Vorsch\u00fcsse in die H\u00f6he, die Buchverlage f\u00fcr die Rechte an Manuskripten zahlen m\u00fcssen, und kassieren dabei selbst 15%. Andere argumentieren, sie st\u00e4rkten gerade die Verhandlungsposition der Urheber gegen\u00fcber den Verwertern, die den wirtschaftlichen Wert, der mit der eigenen Arbeit auf dem Markt zu erzielen ist, oft nicht richtig einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen.\u00a0 An beiden Meinungen ist etwas Wahres dran: Literaturagenten sorgen daf\u00fcr, dass &#8222;ihre&#8220; Autoren bei Vertragsschluss nicht \u00fcber den Tisch gezogen werden. Gleichzeitig verst\u00e4rken sie auf dem Markt das Starsystem, welches dazu f\u00fchrt, dass etwa 41% des Geldes, das mit Urheberrechten verdient wird, bei den oberen 10% der Autoren ankommt, wie eine <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=41%25%20kretschmer%20authors&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CGQQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.cippm.org.uk%2Fdownloads%2FACLS%2520Full%2520report.pdf&amp;ei=hZurT6qqJc7IsgaSpZ3aBA&amp;usg=AFQjCNHOdqTSsyvliaYjCzHWNMyn7Z-2pQ\" target=\"_blank\">Studie<\/a> nachgewiesen hat. Je h\u00f6her die Zusch\u00fcsse sind, die Verlage f\u00fcr &#8222;Starautoren&#8220; zahlen m\u00fcssen, desto gr\u00f6\u00dfer ist der Anreiz, den Gro\u00dfteil des Marketings und der Pressearbeit auf die Top-Titel zu konzentrieren. Die Folge: Das Geld, das einzelne erfolgreiche Autoren mit Hilfe ihrer Agenten eintreiben, fehlt in der Breite.<\/p>\n<p>Literaturagenten wissen also sehr gut, was der Text des <a href=\"http:\/\/www.wir-sind-die-urheber.de\/\" target=\"_blank\">offenen Briefs<\/a>\u00a0bestreitet, dass n\u00e4mlich Urheber und Verwerter durchaus nicht dieselben Interessen haben. Denn im Interesse der meisten Autoren w\u00e4re es, dass Verlage weniger Geld f\u00fcr Starautoren ausgeben, sodass f\u00fcr alle mehr \u00fcbrig bliebe. Das wiederum w\u00e4re aber nicht im Interesse der Agenten, die dann viel mehr\u00a0arbeiten m\u00fcssten, um genauso viel\u00a0Geld zu verdienen wie derzeit.\u00a0Denn sie\u00a0m\u00fcssten sich dann ja mit weit mehr Autoren und Verlagen herumschlagen, um statt von wenigen Werken von vielen zu leben. Es gibt aber noch etwas, was erst recht nicht im Interesse der Agenten liegt: dass Autoren auf die Idee kommen k\u00f6nnten, ihre Werke gegen\u00fcber den Verlagen oder anderen\u00a0Dienstleistern selbst zu vertreten. Ja, dass sie wom\u00f6glich gar ihre E-Book-Rechte selbst in die Hand nehmen k\u00f6nnten. Denn auch dann w\u00fcrden die Agenten nichts mehr verdienen.<\/p>\n<p>Damit kein Missverst\u00e4ndnis aufkommt: Es ist v\u00f6llig okay, wenn man sich als Autor entscheidet, mit einer Agentur zusammenzuarbeiten. Es gibt viele gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Wenn aber eine Literaturagentur eine Kampagne gegen den &#8222;Diebstahl geistigen Eigentums&#8220; koordiniert, sollte sie ihre Interessen dabei transparent machen.\u00a0Oder war einfach keiner der hundert Autoren in der Lage, selbst eine Webseite aufzusetzen? Wie dem auch sei,\u00a0im Impressum einer Pro-Urheberrechts-Kampagne einen Literaturagenten zu nennen, ist jedenfalls ungef\u00e4hr so, als w\u00fcrde bei einer Kampagne f\u00fcr &#8222;freies Wissen&#8220; Google im Impressum stehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.cicero.de\/salon\/der-agent\/45821\" target=\"_blank\">Matthias Landwehr<\/a> ist in der Branche \u00fcbrigens gehasst und gef\u00fcrchtet zugleich, als harter, oft kompromissloser\u00a0Verhandler, der genau wei\u00df, wann er in der st\u00e4rkeren Position ist und dies sein Gegen\u00fcber auch sp\u00fcren l\u00e4sst. Er ist aber auch ausgesprochen anerkannt: Autoren rei\u00dfen sich darum, von Landwehr vertreten zu werden. Gute Agenten sind schlie\u00dflich gute Interessenvertreter f\u00fcr ihre Klientel. Ob es gut ist, wenn Landwehr diese Rolle jetzt auch im Bereich des Politischen \u00fcbernimmt? Besser w\u00e4re es zweifellos, die Autoren w\u00fcrden sich selbst an der derzeitigen Urheberrechtsdiskussion beteiligen. Daf\u00fcr allerdings ist es mit einer Unterschrift unter ein paar Abs\u00e4tze Verlautbarungsprosa nicht getan.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton5001\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fwir-sind-die-literaturagentur%2F&amp;text=Wir%20sind%20die%20Literaturagentur%20Landwehr%20%26amp%3B%20Cie&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fwir-sind-die-literaturagentur%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wir sind die Urheber&#8220;, mit diesem Slogan hat in den letzten Monaten immer wieder mal der Journalistenverband freischreiber darum geworben, Urheber nicht mit Verwertern zu verwechseln. 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