{"id":5153,"date":"2012-06-01T09:19:15","date_gmt":"2012-06-01T08:19:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=5153"},"modified":"2012-06-01T11:26:51","modified_gmt":"2012-06-01T10:26:51","slug":"die-content-flatrate-eine-losung-fur-das-problem-illegaler-tauschborsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/die-content-flatrate-eine-losung-fur-das-problem-illegaler-tauschborsen\/","title":{"rendered":"Die &#8222;Content-Flatrate&#8220;: eine L\u00f6sung f\u00fcr das Problem illegaler Tauschb\u00f6rsen?"},"content":{"rendered":"<p><em>Unter diesem Titel wurde letztes Jahr vom Kulturausschuss des Europaparlamentes eine <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=content%20flatrate%20eine%20l%C3%B6sung%20f%C3%BCr%20das%20problem&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CGAQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.europarl.europa.eu%2FRegData%2Fetudes%2Fetudes%2Fcult%2F2011%2F460058%2FIPOL-CULT_ET(2011)460058(SUM07)_DE.pdf&amp;ei=_TPGT-etOYvntQag2-gQ&amp;usg=AFQjCNEaS-8RepAJCG0aPXIQ89517mEdoA\" target=\"_blank\">Studie<\/a> in Auftrag gegeben. Die Idee dazu kam von den Gr\u00fcnen. Die Autoren kommen von der <a href=\"http:\/\/mediacg.tv\" target=\"_blank\">Media Consulting Group<\/a> aus Paris. Heiko Hilker, Mitarbeiter des linken Europa-Abgeordneten Lothar Bisky, hat den Text unter die Lupe genommen und am 7. Mai 2012 im Rahmen der Konferenz <a href=\"http:\/\/www.scharf-links.de\/109.0.html?&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=24532&amp;cHash=f8e75f3828\" target=\"_blank\">&#8222;Kreatives Schaffen in der digitalen Welt&#8220;<\/a> vorgestellt. Wir dokumentieren hier seine Zusammenfassung.<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Der Wunsch des Ausschusses war es zu erfahren, wie sich eine Content-Flatrate bei Tauschb\u00f6rsen politisch und wirtschaftlich realisieren lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht lohnt es sich, diese Studie, vor allem die Langfassung, zu lesen. Denn die Autoren haben nicht nur viel Material zusammengetragen, sondern auch viele in der bisherigen Debatte gebrachte Behauptungen \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>Die Studie enth\u00e4lt Informationen und Analysen zu vier Themen.<\/p>\n<p>Zum <span style=\"text-decoration: underline\">Ersten<\/span> fragt sie nach, wie sich die M\u00e4rkte f\u00fcr musikalische und audiovisuelle Unterhaltungsprodukte und -dienste in den letzten zehn Jahren entwickelt haben.<\/p>\n<p>Es wird <span style=\"text-decoration: underline\">zweitens<\/span> dargestellt, welche Trends und welche Erscheinungsformen die sogenannte \u201eOnline-Piraterie\u201c hat.<\/p>\n<p>Zum <span style=\"text-decoration: underline\">Dritten<\/span> widmet sie sich den wichtigsten Zielen eines Content-Flatrate-Ansatzes, woraus <span style=\"text-decoration: underline\">viertens<\/span> ein \u201eContent-Flatrate-System\u201c und Alternativszenarien entwickelt werden.<\/p>\n<p>Die Untersuchung bezieht sich vor allem auf die Mitgliedstaaten der EU. Allerdings wurden auch die Systeme einiger Drittl\u00e4nder analysiert und als Beispiele f\u00fcr gute oder auch schlechte Praxis herangezogen. So wurden bei den Ma\u00dfnahmen gegen die sogenannte Piraterie auch L\u00e4nder wie Taiwan, S\u00fcdkorea und Neuseeland betrachtet.<\/p>\n<p>Zeitlich gesehen wurden die Entwicklungen der letzten 10 Jahre betrachtet. Insbesondere f\u00fcr diesen Bereich wurden Daten \u00fcber die Entwicklung der audiovisuellen Industrie sowie des Musiksektors zusammengetragen.<\/p>\n<p>Der zu untersuchende Inhalte-Sektor wurde auf Kinofilme, Fernsehen und Musik beschr\u00e4nkt, wobei bei den Filmen noch alle Auswertungsfenster, wie Kino, DVD, Video on demand mit betrachtet wurden. Der Kulturausschuss hatte diese Einschr\u00e4nkung vorgenommen. Dadurch enth\u00e4lt die Studie keine Aussagen zum Printsektor in seiner gesamten Breite. Auch Audio-Inhalte, wie H\u00f6rspiele und Features werden auftragsgem\u00e4\u00df nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Wie kamen die Autoren nun zu ihren Aussagen? Auf welche Quellen griffen sie zur\u00fcck? Nun, sie nutzen zwei Methoden. Zum einen die Sekund\u00e4rforschung: sie werteten die wichtigsten Druckerzeugnisse und Online-Quellen aus. Dazu listen sie folgende Quellen auf:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 45 Quellen allgemeiner Literatur,<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 41 Quellen zur Musik<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 41 Literaturquellen zum Urheberrecht<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hinzu kommen 16 Websites.<\/p>\n<p>Zum zweiten befragten sie die aus ihrer Sicht ma\u00dfgeblichen Akteure der einzelnen Sparten. Dabei beschr\u00e4nkten sie sich nicht nur auf Europa.<\/p>\n<p>Die Verfasser machen gleich zu Beginn auf ein methodisches Hauptproblem aufmerksam: Es mangele an verf\u00fcgbaren, vor allem EU-weiten, statistischen Daten f\u00fcr eine solche Art von Studie.<\/p>\n<p>Dies betreffe:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zum ersten die Analyse des Ausma\u00dfes der \u201ePiraterie\u201c,<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zum zweiten eine Analyse der Privatkopieabgabe, die in 25 EU-Staaten erhoben wird.<\/p>\n<p>Es fehlten weitere Daten wie<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 drittens Informationen zur Aufschl\u00fcsselung der Ums\u00e4tze von Telekommunikationsbetreibern nach Telefon-, Breitband- und Inhaltsdiensten (z. B. IPTV, VoD und SVoD) und<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 viertens der Ums\u00e4tze der verschiedenen Tochterunternehmen bei den Fernsehkonzernen.<\/p>\n<p>Diese Statistikschw\u00e4chen haben, so die Autoren, \u201eerhebliche Auswirkungen auf die Erstellung von Gesch\u00e4ftsmodellen und belastbaren Datenprognosen.<\/p>\n<p>Die Autoren machen darauf aufmerksam, dass sie nur wenig Zeit zur Erstellung der Studie hatten. Ihnen wurden 4 Monate zugestanden. Dadurch wurde es zum Problem, so die Autoren, \u201eersch\u00f6pfende Informationen zu sammeln und alle Beteiligten in allen Sektoren und in allen Mitgliedstaaten zu befragen sowie eine eingehende Analyse zu spezifischen Fragen des Gesch\u00e4ftsmodells vorzunehmen.\u201c<\/p>\n<p>Sie verweisen zudem darauf, dass es \u201eeine Herausforderung\u201c darstellt, von Rechteinhabern sowie Rechtenutzern n\u00fctzliche sowie objektive Beitr\u00e4ge einzuholen.<\/p>\n<p>Die neuen, digitalen Technologien erm\u00f6glichten eine Vielzahl neuer Gesch\u00e4ftsmodelle. Dadurch wandeln sich aber auch die Konsumgewohnheiten. Wandelnde Konsumgewohnheiten f\u00fchrten dazu, dass bisher erfolgreiche Gesch\u00e4ftsmodelle zusammenbrechen, w\u00e4hrend erfolgreiche neue Modelle noch nicht die Umsatzgr\u00f6\u00dfen der alten erreichen.<\/p>\n<p>Die Digitalisierung habe zahlreiche neue Vertriebsmodelle und \u2013kan\u00e4le erm\u00f6glicht. Dadurch sei die Zahl der Beteiligten im audiovisuellen Bereich wie auch im Musiksektor stark gestiegen. Diese h\u00e4tten zum Teil kontr\u00e4re Interessen.<\/p>\n<p><strong>Wie beschreiben nun die Autoren die Entwicklungen im Musiksektor sowie im audiovisuellen Bereich? Was stellen sie fest? <\/strong><\/p>\n<p>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Digitalisierung habe zahlreiche neue Vertriebsmodelle und \u2013kan\u00e4le erm\u00f6glicht. Dadurch sei die Zahl der Beteiligten im audiovisuellen Bereich wie auch im Musiksektor stark gestiegen. Diese haben zum Teil kontr\u00e4re Interessen.<\/p>\n<p>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die neuen, digitalen Technologien erm\u00f6glichten eine Vielzahl neuer Gesch\u00e4ftsmodelle. Dadurch wandeln sich aber auch die Konsumgewohnheiten. Wandelnde Konsumgewohnheiten f\u00fchrten dazu, dass bisher erfolgreiche Gesch\u00e4ftsmodelle zusammenbrechen, w\u00e4hrend erfolgreiche neue Modelle noch nicht die Umsatzgr\u00f6\u00dfen der alten erreichen.<\/p>\n<p>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Auf- und Abschw\u00fcnge in der Musikindustrie seien technologiegetrieben. So er\u00f6ffnete die CD den Produzenten nicht nur neue kreative M\u00f6glichkeiten sondern hatte zur Folge, dass fast das gesamte Inventar der Tontr\u00e4germusik neu aufgelegt wurde.<\/p>\n<p>4.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Im Gegensatz zur Musikindustrie seien der audiovisuelle Bereich sowie die Filmwirtschaft in den letzten 20 Jahren immer weiter gewachsen. Die europ\u00e4ische Filmwirtschaft hat sich nicht nur neue Vertriebsarten und neuartige Finanzierungsstrukturen erschlossen. Es konnte auch daf\u00fcr gesorgt werden, dass vor allem mehr \u00f6ffentliche Mittel zur Verf\u00fcgung gestellt wurden.<\/p>\n<p>5.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Innerhalb der letzten Jahre sind Telekommunikationsunternehmen, Kabelbetreiber, Internet-Betreiber und IP-TV-Betreiber zu Schl\u00fcsselakteuren in der Wertsch\u00f6pfungskette geworden. Sie haben die Kontrolle \u00fcber die Netze und \u00fcber die Technologie und wollen auch neben den TV-Anbietern aus den Inhalten Profite erzielen. Gerade sie versuchen alle ihre Dienste in einem gesch\u00fctzten Bereich anzubieten.<\/p>\n<p>6.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die europ\u00e4ischen Akteure w\u00fcrden in fast jedem Abschnitt der Wertsch\u00f6pfungskette (Inhalteproduktion, Diensteanbieter oder Hersteller von Unterhaltungselektronik) Schw\u00e4chen aufweisen. Amerikanische und asiatische multinationale Konzerne seien ihnen nicht nur technisch und finanziell \u00fcberlegen, sondern w\u00fcrden auch durch Vernetzungseffekte eine wesentlich h\u00f6here Wertsch\u00f6pfung erzielen.<\/p>\n<p>7.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Tontr\u00e4gerindustrie hat verschiedene Gesch\u00e4ftsmodelle entwickelt, um den starken R\u00fcckgang bei physischen Datentr\u00e4gern auszugleichen. \u201eVon diesem Paradigmenwechsel zeugen die neuen Akteure, die nach dem Untergang des Vorreiters Napster auf den Plan getreten sind.\u201c (S. 40)<\/p>\n<p>\u201eDie europ\u00e4ische Filmwirtschaft hat ihr traditionelles Gesch\u00e4ftsmodell zementiert, das gekennzeichnet ist durch die Medienabfolge die Vorfinanzierung durch die Sender, die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung und die Mindestgarantien der verschiedenen Beteiligten. Im Grunde sperrt sie sich gegen jegliche Abwandlungen ihres Gesch\u00e4ftsmodells.\u201c<\/p>\n<p>8.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Urheberrecht wurde dem technischen Wandel entsprechend immer wieder angepasst. So schuf man in den 70er Jahren Abgabesysteme f\u00fcr Privatkopien, die einen Gro\u00dfteil der Kopiert\u00e4tigkeit sowie der Speicherkapazit\u00e4t der Verbraucher abdeckten.<\/p>\n<p>9.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass ein wirksames Urheberrecht voraussetzt, dass die Rechteinhaber ihre Rechte auch durchsetzen k\u00f6nnen. Allerdings w\u00fcrden die Rechteinhaber durch neue Technologien auch immer wieder daran gehindert. Dies zeigte sich in den 60er und 70er Jahren, als die private Kopiert\u00e4tigkeit beachtliche Ausma\u00dfe annahm. Die Rechteinhaber standen vor dem Dilemma, dass es keine Technologie gab, mit der man gegen die rechtsverletzende Nutzung in der heimischen Privatsph\u00e4re vorgehen konnte. Daher wurde in einigen L\u00e4ndern ein entsprechendes Abgabesystem auf Leermedien eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Welche Trends machen die Autoren f\u00fcr die illegalen Kopien &#8211; \u201ePiraterie\u201c genannt &#8211; aus? <\/strong><\/p>\n<p>\u201eIn vielen L\u00e4ndern ist die Herstellung von Bild- und Tontr\u00e4gerraubkopien in physischer Form aufgrund der zunehmenden Online-Piraterie r\u00fcckl\u00e4ufig.\u201c Denn wozu soll man sich Datentr\u00e4ger auf dem Schwarzmarkt kaufen, wenn man alles kostenlos online bekommt?<\/p>\n<p>Die digitale Revolution erm\u00f6gliche ein breites Spektrum neuer M\u00f6glichkeiten, kreative Inhalte zu verteilen. Allein dies mache deutlich und lasse \u201emehr als jedes andere Argument erkennen, wie schwierig es ist, den dramatischen R\u00fcckgang der Einnahmen auf nur einen oder einige wenige Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren.\u201c (S. 43) So wurden in einer Studie im Jahre 2009 29 Verfahren festgestellt, mit denen man auf digitale Inhalte zugreifen kann. (S.45)<\/p>\n<p>Man m\u00fcsse zwischen zwei gro\u00dfen Kategorien von \u201ePiraten\u201c unterscheiden:<\/p>\n<ol>\n<li>Piraten, die mehr oder weniger organisiert einen Gewinn aus illegalen Kopien ziehen;<\/li>\n<li>Piraten, die von illegalen Websites (Musik und Film) Musiktitel und\/oder Filme und Serien f\u00fcr den eigenen Verbrauch herunterladen. (S. 47)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Autoren verweisen auf verschiedene Studien, die sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der unerlaubten Kopie besch\u00e4ftigt haben. In diesen ging es vor allem um<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Auswirkungen auf den Absatz legaler Musikdateien;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Auswirkungen auf die Entwicklung neuer legaler Online-Dienste;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Auswirkungen auf Investitionen in neue kreative Inhalte;<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Auswirkungen auf die Besch\u00e4ftigung in der Kreativbranche.<\/p>\n<p>Es ergebe sich kein eindeutiges Bild. Es gebe Studien, die Umsatzeinbu\u00dfen errechneten. Andere w\u00fcrden keine Auswirkungen erkennen. In Dritten w\u00fcrde nachgewiesen, dass langfristig gesehen die Ums\u00e4tze steigen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Doch wie kann man gegen die Rechtsverst\u00f6\u00dfe vorgehen?<\/strong><\/p>\n<p>Es werden verschiedene Modelle analysiert, wobei die Autoren darauf hinweisen, dass man aufgrund der kurzen Dauer, seitdem die Modelle, wie z.B. Hadopi in Frankreich, in Kraft sind, noch keine Schlussfolgerungen ziehen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Zudem sei klar, dass \u201ees ausgesprochen schwierig ist, eine schnelle und kosteng\u00fcnstige abgestufte Reaktion mit dem notwendigen Schutz der Grundfreiheiten und des Rechts auf ein ordnungsgem\u00e4\u00dfes Gerichtsverfahren zu vereinbaren.\u201c Deshalb m\u00fcsse man den Schwerpunkt auf die Zufluchtsorte der Vermittler legen, die von einer rechtswidrigen Benutzung profitieren.\u201c (S. 61)<\/p>\n<p>Klar sei zudem, \u201edass die Strafverfolgung illegaler Downloads ohne begleitende Ma\u00dfnahmen wie die Schaffung ansprechender legaler Angebote \u2026 zu keinen nennbaren Ergebnissen gef\u00fchrt hat.\u201c (S. 64)<\/p>\n<p><strong>Ist die Content-Flatrate nun die L\u00f6sung? <\/strong><\/p>\n<p>\u201eIm audiovisuellen als auch im Musiksektor ist die digitale Welt durch eine Vielfalt von Akteuren und Beteiligten gekennzeichnet, was die Konsenssuche besonders schwierig macht.<\/p>\n<p>Durch die vielen m\u00f6glichen Verteilungswege ist die Zahl der Akteure &#8211; von Urhebern bis zu Aggregatoren &#8211; erheblich gestiegen \u2026 Daher muss bei der Einrichtung eines Content-Flatrate-Systems den verschiedenen Interessen Rechnung getragen werden. Aus der Branche gibt es keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr ein Content-Flatrate-System.\u201c (S. 65)<\/p>\n<p>Trotz dieser festgestellten Ablehnung entwickeln die Autoren ein Flatrate-Modell. Sie machen jedoch auf ein weiteres Problem aufmerksam:<\/p>\n<p>\u201eDie Verfasser dieser Studie sind der festen \u00dcberzeugung, dass es ein erhebliches politisches Risiko bedeutet, wenn ein allgemeines Content-Flatrate-System vorgeschlagen und eingef\u00fchrt wird, das potenziell eine extrem hohe Zahl von marktvermittelten Angeboten verdr\u00e4ngen w\u00fcrde, und zwar bis hin zur Behinderung neuer marktvermittelter Dienste, ganz zu schweigen von der extremen Wertvernichtung.\u201c (S. 22) Und die Verfasser legen sich noch genauer fest und stellen f\u00fcr eine Content-Flatrate in H\u00f6he von 2 Euro im Monat fest: \u201eEin Transfer von mehr als etwa 15 % der Nutzung \u00fcber herk\u00f6mmliche Netze zu einem Content-Flatrate-Modell w\u00fcrde eine Wertvernichtung f\u00fcr die Inhaber der Inhalte zur Folge haben.\u201c (S. 85) Wenn die Content-Flatrate bei 6 Euro im Monat liegt, w\u00fcrde dieser Fall bei einem Wechsel von 30% der Nutzung geschehen. Wird der Preis auf 4,99 Euro im Monat festgelegt \u2013 wie zum Schluss vorgeschlagen, so k\u00e4me es nur zu einer Wertvernichtung, \u201ewenn sich etwa 35 % der Verbraucher f\u00fcr die Content-Flatrate und gegen das \u00fcbrige Marktangebot entscheiden.\u201c (S. 85) Allerdings muss beachtet werden, dass all diese Berechnungen nur auf Annahmen beruhen.<\/p>\n<p>Mit dem vorgeschlagenen Modell sollen zwei wichtige gesellschaftliche Ziele erreicht werden:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 es soll eine gerechte Verg\u00fctung f\u00fcr Urheber und die Kreativgemeinschaft mit einem gerechten Aussch\u00fcttungsverfahren geben und<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 den Nutzern soll einer sichere Alternative bereitgestellt werden. (S. 89)<\/p>\n<p>Da es gro\u00dfe Unterschiede zwischen den M\u00e4rkten der musikalischen und der filmischen sowie audiovisuellen Unterhaltung gebe, k\u00f6nne es keine Komplettl\u00f6sung f\u00fcr alle Branchen geben.<\/p>\n<p>Und so schlagen die Autoren ein Modell vor,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 das nur f\u00fcr audiovisuelle Inhalte gelten soll,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 das also nicht f\u00fcr den Musiksektor gilt,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 an dem man freiwillig teilnehmen kann,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 das nur die private, nichtkommerzielle Nutzung abdeckt,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 das nur die \u201eGrauzone zwischen legalen Angeboten und Piraterie\u201c verkleinern und \u201eMillionen von Menschen zu legalen Praktiken\u201c zur\u00fcckf\u00fchren soll,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 das dem Nutzer Rechtssicherheit und Datenschutz garantieren soll,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 das kein neues Gesch\u00e4ftsmodell ist, das andere Gesch\u00e4ftsmodelle ersetzen kann,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bei dem der Nutzer zwischen 4 \u20ac und 6 \u20ac im Monat zahlen soll,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bei dem die Internetprovider die Mittel einziehen soll<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und man daf\u00fcr ein Maximalvolumen an Daten downloaden kann<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und daf\u00fcr die Inhalte mit bis zu 50 Freunden (\u201eFreundes- und Familienkreis\u201c) teilen darf,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>wobei<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Verteilung der Einnahmen noch unklar ist,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Fragen der Kennzeichnung und Zertifizierung noch gepr\u00fcft werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 es einer weiteren Studie zu Fragen der Preisfestsetzung, Einziehungskosten, Managementkosten sowie Auswertungsfenster bedarf,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 es einer weiteren Studie zu den Kriterien der Verteilung der Einnahmen bedarf,<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri\">&#8211;<\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 es einer weiteren Studie f\u00fcr den Musiksektor bedarf, der eine andere Spezifik (Verwertungskette, Verbrauchergewohnheiten, Mengen) hat,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weist dieses Modell in die Zukunft? Ist es ein Modell der Zukunft? <\/strong><\/p>\n<p>Das von ihnen entwickelte Modell <strong>kann<\/strong>, so die Autoren, daf\u00fcr sorgen, dass die Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr kulturelle Inhalte erhalten bleiben. Ihnen gehe es um die Wirtschaftlichkeit der Kreativindustrien. Bestehende Praktiken und Strukturen sollten \u00fcbernommen werden. So sollte die erweiterte kollektive Verwertung zum Modell f\u00fcr die Verwaltung des Systems werden. Nur so sei eine Konsensbildung unter den Rechteinhabern m\u00f6glich. Nur so k\u00f6nnte man das Modell gesamteurop\u00e4isch umsetzen und die gebiets\u00fcbergreifende Lizenzen erm\u00f6glichen. Mit einer gesamteurop\u00e4ischen Organisation zur kollektiven Rechtewahrnehmung k\u00f6nnten internationale Vertr\u00e4ge eingehalten sowie doppelte Kosten vermieden werden.<\/p>\n<p>In den EU-L\u00e4ndern gibt es schon kollektive Verwertungssysteme. Doch deren Struktur ist h\u00f6chst unterschiedlich. Es sei schwierig, einen Weg zu finden, diesen zu vereinheitlichen.<\/p>\n<p>Es ist ein Modell, f\u00fcr das noch viel zu kl\u00e4ren ist.<\/p>\n<p>Es ist ein restriktives Modell, da die Nutzung in vielerlei Hinsicht starken Einschr\u00e4nkungen unterliegt.<\/p>\n<p>Es handelt sich um ein kommerzielles Modell, das nach dem geltenden Recht schon m\u00f6glich w\u00e4re &#8211; vorausgesetzt, die Urheber stimmen zu und die Verwerter wollen dies. Doch es gibt eine Vielzahl von Akteuren mit unterschiedlichen Interessen. Eine Schnittmenge der Interessen ist derzeit nicht zu erkennen. Wie kann man mit diesen Akteuren einen Konsens schaffen?<\/p>\n<p>Nun, die Autoren verweisen darauf, dass man mit der Einf\u00fchrung einer Content-Flatrate einen \u201egro\u00dfen europ\u00e4ischen Sieg f\u00fcr die F\u00f6rderung der Kultur und der Kulturwirtschaft\u201c erringen w\u00fcrde, der \u201eauf alle anderen digitalen Inhalte ausgeweitet werden k\u00f6nnte.\u201c (S. 18) Die Contentflatrate f\u00fcr audiovisuelle Inhalte w\u00e4re am ehesten und einfachsten umzusetzen.<\/p>\n<p>Doch wenn ich mir vorstelle, dass man weitere Flatrates f\u00fcr Musik, Buch, Zeitungen etc. braucht, frage ich mich, bei welcher finanziellen Belastung der einzelne zum Schluss landet. Es l\u00e4uft dann wohl auf eine zweite Rundfunkgeb\u00fchr hinaus. Diese liegt heute bei 17,98 Euro im Monat. Ist dies zu hoch gegriffen? Und wie sollen dann die anderen Flatrates ausgestaltet werden? Welche Regeln wird es geben? Wie soll der Nutzer den \u00dcberblick bewahren, wenn f\u00fcr jedes Medium ein Flatrate-Modell mit je eigenen Nutzungsbedingungen entwickelt wird?<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Die Studie wurde im Juli 2011 vorgelegt. Der Ausschuss hat sich die Aussagen des Gutachtens bisher nicht zu eigen gemacht. Er hat das Gutachten bis heute nicht diskutiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"tweetbutton5153\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fdie-content-flatrate-eine-losung-fur-das-problem-illegaler-tauschborsen%2F&amp;text=Die%20%26%238222%3BContent-Flatrate%26%238220%3B%3A%20eine%20L%C3%B6sung%20f%C3%BCr%20das%20Problem%20illegaler%20Tauschb%C3%B6rsen%3F&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fdie-content-flatrate-eine-losung-fur-das-problem-illegaler-tauschborsen%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter diesem Titel wurde letztes Jahr vom Kulturausschuss des Europaparlamentes eine Studie in Auftrag gegeben. Die Idee dazu kam von den Gr\u00fcnen. Die Autoren kommen von der Media Consulting Group aus Paris. Heiko Hilker, Mitarbeiter des linken Europa-Abgeordneten Lothar Bisky, hat den Text unter die Lupe genommen und am 7. Mai 2012 im Rahmen der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[127,67,76,66],"tags":[338],"class_list":["post-5153","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaische-union","category-kultur","category-musik","category-urheberrecht","tag-content-flatrate"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5153"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5153\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5245,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5153\/revisions\/5245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}