{"id":5391,"date":"2012-08-02T11:36:02","date_gmt":"2012-08-02T10:36:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=5391"},"modified":"2012-08-02T11:36:03","modified_gmt":"2012-08-02T10:36:03","slug":"finanzministerium-legt-entwurf-fur-hochfrequenzhandelsgesetz-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/finanzministerium-legt-entwurf-fur-hochfrequenzhandelsgesetz-vor\/","title":{"rendered":"Finanzministerium legt Entwurf f\u00fcr Hochfrequenzhandelsgesetz vor"},"content":{"rendered":"<p>Zu den am hartn\u00e4ckigsten ignorierten netzpolitischen Themen geh\u00f6rt zweifellos das Algotrading, also der computerbasierte Hochfrequenzhandel an der B\u00f6rse. Dabei schl\u00e4gt hier das Herz der vernetzten Gesellschaft. Wenn man verstehen will, was das Schlagwort \u201eKontrollverlust\u201c bedeutet, das in anderen netzpolitischen Zusammenh\u00e4ngen immer wieder auftaucht, findet man nirgends klarere Antworten. Als DIE LINKE im November 2011 ein ausf\u00fchrliches Papier dazu in eine <a href=\"https:\/\/wirtschaft.enquetebeteiligung.de\/instance\/wirtschaft\" target=\"_blank\">Projektgruppe der Internet-Enquete<\/a> einbrachte, erntete sie dennoch fraktions\u00fcbergreifend Verwunderung und Unverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nJetzt hat \u00fcberraschend das Finanzministerium einen <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Publikationen\/Aktuelle_Gesetze\/Referentenentwuerfe\/2012-07-27-hochfrequenzhandelsgesetz_anlage.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\" target=\"_blank\">Gesetzentwurf<\/a> zur Regulierung des Algotrading vorgelegt. \u00dcberraschend, weil durchaus nicht klar war, dass die Bundesregierung in dieser Hinsicht \u00fcberhaupt aktiv werden w\u00fcrde. In der erw\u00e4hnten Projektgruppe der Internet-Enquete hatte es noch gehei\u00dfen, man wolle das <a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/pressReleasesAction.do?reference=MEMO\/11\/716&amp;format=HTML&amp;aged=0&amp;language=EN&amp;guiLanguage=en\" target=\"_blank\">Review<\/a> der\u00a0<a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/internal_market\/securities\/isd\/index_de.htm\" target=\"_blank\">MiFID-Richtlinie<\/a> abwarten. Im Finanzministerium hat man das offenbar anders gesehen. Der Gesetzentwurf bleibt zwar weit hinter dem zur\u00fcck, was m\u00f6glich w\u00e4re, aber geht in die richtige Richtung: Der Hochfrequenzhandel soll st\u00e4rker reguliert werden. <a href=\"http:\/\/www.institutional-money.com\/news\/maerkte\/artikel\/handschellen-fuer-den-hochfrequenzhandel-durch-neues-gesetz-in-deutschland\/?no_cache=1&amp;cHash=9d53c6c3dfaf5d6ead069780b34c3f48\" target=\"_blank\">Manche<\/a> sprechen sogar schon von &#8222;Handschellen&#8220;, was doch etwas \u00fcbertrieben scheint, wie zu zeigen wird.<\/p>\n<p>Um zu verstehen, warum eine Regulierung dringend n\u00f6tig ist, muss man zun\u00e4chst High Frequency Trading selbst halbwegs verstehen. Im Folgenden werden deshalb ausf\u00fchrlich Teile des Textes wiedergegeben, den DIE LINKE in die Internet-Enquete eingebracht hat und der auch <a href=\"https:\/\/wirtschaft.enquetebeteiligung.de\/page\/221_Auswirkung_der_Digitalisierung_auf_die_Wirtschaft__Teil_3\" target=\"_blank\">hier<\/a> bereits ver\u00f6ffentlicht ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Handel auf den Aktienm\u00e4rkten traditionellerweise von H\u00e4ndlern betrieben wurde, die Kaufs- und Verkaufsauftr\u00e4ge zun\u00e4chst per Zuruf, sp\u00e4ter per Mausklick zur Ausf\u00fchrung brachten, sind mittlerweile gro\u00dfe Teile des B\u00f6rsenhandels automatisiert. Im Rahmen des Algo-Tradings, des Hochgeschwindigkeitshandels, sind es Computer, die auf der Grundlage von Algorithmen \u201eEntscheidungen\u201c \u00fcber K\u00e4ufe und Verk\u00e4ufe von Aktien treffen. W\u00e4hrend im Jahr 2007 nur 50% des weltweiten Aktienhandels auf den Hochgeschwindigkeitshandel <a href=\"http:\/\/www.zew.de\/de\/presse\/1429\/algo-trading-birgt-risiken-fuer-die-stabilitaet-der-finanzmaerkte\" target=\"_blank\">entfielen<\/a>, waren es im Jahr 2009 <a href=\"http:\/\/www.themistrading.com\/article_files\/0000\/0475\/THEM_--_Why_Institutional_Investors_Should_Be_Concerned_About_High_Frequency_Traders_--_Final.pdf\" target=\"_blank\">bereits 70%<\/a>. F\u00fcr das deutsche Handelssystem Xetra <a href=\"http:\/\/boerse.ard.de\/content.jsp?key=dokument_554502\" target=\"_blank\">geht man<\/a> im Jahr 2011 von einem 60%igen Anteil aus. Der hohe Anteil des Algotradings am Gesamthandel wird als eine Gefahr f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der Aktienm\u00e4rkte gesehen. Einer im April 2010 ver\u00f6ffentlichten Befragung des Mannheimer Zentrums f\u00fcr Europ\u00e4ische Wirtschaftsforschung zufolge (ZEW Finanzmarktreport 18. Jg. April 2010, S. 3) vermuten 68% der Finanzmarktexperten einen negativen bis sehr negativen Einfluss auf die Stabilit\u00e4t der Finanzm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Wie Algotrading funktioniert, haben Sal L. Arnuk und Joseph Saluzzi im Dezember 2008 in einem vielbeachteten <a href=\"http:\/\/www.themistrading.com\/article_files\/0000\/0348\/Toxic_Equity_Trading_on_Wall_Street_12-17-08.pdf\" target=\"_blank\">Whitepaper <\/a>erkl\u00e4rt. Institutionelle Anleger, etwa Fonds oder Banken, kaufen oder verkaufen, wenn sie Investitionsentscheidungen treffen, typischerweise nicht nur eine Handvoll Aktien, sondern gro\u00dfe Volumina. H\u00e4ndler geben diese Auftr\u00e4ge in ein automatisiertes Handelssystem ein. Um eine Order erfolgreich und m\u00f6glichst g\u00fcnstig ausf\u00fchren zu k\u00f6nnen, wird sie in mehrere kleine Teile aufgesplittet. Solche Orders sind daran zu erkennen, dass sie typischerweise Volumina von 100 oder 500 St\u00fcck umfassen. Wenn also ein Handelssystem von einem institutionellen Anleger den Auftrag erh\u00e4lt, eine gro\u00dfe Menge Aktien zu einem Preis von bis zu 20,05 Euro zu erwerben, platziert dieses m\u00f6glicherweise zun\u00e4chst eine Kauforder f\u00fcr nur 100 Aktien. Gelingt es, diese zu einem St\u00fcckpreis von 20,00 Euro zu erwerben, so platziert das System als n\u00e4chstes eine Kauforder f\u00fcr 500 St\u00fcck. Ein Hochgeschwindigkeitsrechner kann hieran automatisch erkennen, dass es sich um einen gro\u00dfen Kaufauftrag eines institutionellen Anlegers handelt, der \u201escheibchenweise\u201c ausgef\u00fchrt werden soll. Bevor der Investor damit fortfahren kann, platziert der Hochgeschwindigkeitsrechner ein Kaufangebot f\u00fcr 100 St\u00fcck zum Preis von 20,01 Euro. Da er kurzfristig mehr bietet als der institutionelle Anleger, werden die Verk\u00e4ufer die Aktien an ihn verkaufen statt an jenen. Geschieht dies, platziert der High-Frequency-Trading-Algorithmus als n\u00e4chstes ein Verkaufsangebot zum Preis von 20,01 Euro und verkauft die Aktien an den institutionellen Investor weiter. Dieser hat also einen Cent pro Aktie mehr gezahlt als er ohne Zutun des HFT-Algos h\u00e4tte zahlen m\u00fcssen, w\u00e4hrend der HFT-Algorithmus zum gleichen Preis gekauft und verkauft hat. Er hat trotzdem einen Gewinn gemacht, weil der Handelsplatz, der an jeder Transaktion Geb\u00fchren verdient, ihm einen Rabatt von beispielsweise \u00bc Cent gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Als besonders problematisch gilt der sogenannte \u201eRaubtieralgorithmus\u201c. Dabei nutzt der HFT-Algo die oben beschriebene Methode, um eine Order als die eines institutionellen Anlegers zu identifizieren. Unter Ausnutzung seines Liquidit\u00e4tsrabatts treibt er den Preis schrittweise in die H\u00f6he, bis er das vom institutionellen Anleger gesetzte Limit erreicht hat. Zu diesem Preis vollzieht er dann einen Leerverkauf, im Wissen, dass der Kurs mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder fallen wird. Sobald dies geschieht, covert er. Innerhalb weniger Sekunden k\u00f6nnen auf diese Weise starke Kursschwankungen entstehen.<\/p>\n<p>Eine weitere beachtenswerte Tradingmethode im HFT-Handel ist das Pinging. Es beruht auf der Immediate-or-cancel-Systematik, also der M\u00f6glichkeit, Orders zu platzieren und sie, so sie nicht ausgef\u00fchrt werden, sofort wieder zu annulieren. Die HFT-Algos k\u00f6nnen dies im Bruchteil von Sekunden vollziehen. So sind sie in der Lage, versteckte Limits institutioneller Anleger auszutesten. Ein institutioneller Anleger ist beispielsweise bereit, Aktien zu einem Preis von bis zu 20,03 Euro zu erwerben, bietet jedoch zun\u00e4chst nur 20,00 Euro. Der HFT-Algorithmus identifiziert diese Order nach der eingangs beschriebenen Methode als die eines institutionellen Anlegers. Alsdann platziert er eine Verkaufsorder zum Preis von beispielsweise 20,05 Euro. Da kein Verkauf zustande kommt, cancelt er die Order und platziert als n\u00e4chstes ein Verkaufsangebot von 20,04 Euro. Wiederum erfolgt keine Reaktion. Der Algorithmus geht auf 20,03 Euro, und diesmal wird die Order ausgef\u00fchrt. Der HFT-Algorithmus kennt nun das Oberlimit des institutionellen Anlegers. Er wendet sich nun wieder dem Markt zu und \u00fcberbietet dort den institutionellen Anleger um einen Cent, kauft also f\u00fcr 20,01 Euro weitere Aktien auf, um sie dem institutionellen Anleger f\u00fcr 20,03 Euro weiterzuverkaufen.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche dieser Tradingmethoden gehen auf Kosten der institutionellen Anleger, da sie darauf basieren, einen Preis k\u00fcnstlich in die H\u00f6he zu treiben, von einem Liquidit\u00e4tsrabatt zu profitieren und\/oder einen Geschwindigkeitsvorsprung auszunutzen. Es handelt sich also um keine nachhaltige Handelsstrategie. Die urspr\u00fcngliche Rechtfertigung f\u00fcr das Zulassen solchen Handelns besteht in einem vermeintlichen Liquidit\u00e4tszuwachs. Eine Steigerung der Handelsvolumina, wie sie durch HFT unzweifelhaft bewirkt werden, wird traditionell als Gewinn an Stabilit\u00e4t verstanden, da man davon ausgeht, dass umso mehr Liquidit\u00e4t am Markt ist, je mehr gehandelt wird. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Die f\u00fcr den traditionellen Handel geltende Logik l\u00e4sst sich auf das algorithmenbasierte HFT gerade nicht \u00fcbertragen, da die Hochleistungsrechner im Fall von Verlusten dem Markt ihre Liquidit\u00e4t jederzeit wieder entziehen. Statt M\u00e4rkte zu stabilisieren, f\u00fchrt HFT deshalb zu einer Destabilisierung des Finanzsystems.<\/p>\n<p>Warum das so ist, wird verst\u00e4ndlich, wenn man sich die Kettenreaktion ansieht, die im Falle eines nicht auszuschlie\u00dfenden Scheiterns der oben beschriebenen Tradingstrategien entsteht. Bleiben wir beim Beispiel des durch Pinging hochgepushten Kurses. Der letztendliche Erfolg dieser Strategie h\u00e4ngt allein davon ab, ob es dem HFT gelingt, die zum Zwecke des Weiterverkaufs an den institutionellen Anleger erworbenen Aktienvolumina tats\u00e4chlich zu verkaufen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der HFT zu viele Aktien erworben hat und nicht alle zum erstrebten Preis absetzen kann. Automatisch wird er sein Verkaufsangebot dann schrittweise reduzieren. Bietet der Markt keine entsprechende Nachfrage, kann es zu schnellen Kursst\u00fcrzen, jedenfalls aber zu starken Kursschwankungen kommen. Da institutionelle und Kleinanleger auf die von ihnen gehaltenen Positionen in der Regel Stop-Loss-Limits gesetzt haben, kommt es bei Erreichen dieser Verlustbegrenzung zu massenhaften automatischen Verk\u00e4ufen und damit zu hohen Kapitalverlusten.<\/p>\n<p>Deutlich wurde dies bei dem sogenannten Flash Crash vom 6. Mai 2010, als der Dow Jones innerhalb von 25 Minuten um 1.000 Punkte abst\u00fcrzte und dabei Kapitalverluste in H\u00f6he von 862 Milliarden Dollar verursachte. Die Aktie von Phillip Morris fiel dabei beispielsweise von 49 auf 17 Dollar, bevor sie sich wieder \u201eerholte\u201c und bei 47 Dollar stabilisierte. Tausende von Ordern, die mehr als 50% unterhalb des vor dem Kurssturz geltenden Kurses ausgef\u00fchrt wurden, stornierten die Handelspl\u00e4tze nachtr\u00e4glich. Bemerkenswert ist, dass die HFT die ihnen zugeschriebene Funktion, im Bedarfsfall Liquidit\u00e4t zur Verf\u00fcgung zu stellen, nicht erf\u00fcllten, sondern im Gegenteil dem Markt zur Begrenzung eigener Verluste Liquidit\u00e4t in hohem Umfang entzogen.<\/p>\n<p>Profiteure des HFT sind neben den entsprechenden Firmen vor allem die B\u00f6rsenpl\u00e4tze. F\u00fcr sie zahlt sich aus, dass HFT das Handelsvolumen k\u00fcnstlich in die H\u00f6he treiben, denn die B\u00f6rse verdient an jeder Order Geb\u00fchren. Da jeder Kauforder eines HFT eine Verkaufsorder eines anderen Marktteilnehmers gegen\u00fcbersteht (und umgekehrt), lohnt es sich f\u00fcr die B\u00f6rse, den HFT Geb\u00fchren zu erlassen und ihnen zudem einen Liquidit\u00e4tsrabatt zu gew\u00e4hren, der es ihnen erm\u00f6glicht, auch dann noch Gewinne zu machen, wenn sie zum selben Preis verkaufen, wie sie gekauft haben. Manche B\u00f6rsenbetreiber gew\u00e4hren bis zu \u00bc eines Penny\u2019s pro Aktie Rabatt an Broker-Dealer, wenn diese eine Order platzieren, verdienen aber daran, dass sie dem Gegenpart, der die Order zur Ausf\u00fchrung bringt (also dem jeweiligen K\u00e4ufer bzw. Verk\u00e4ufer) eine h\u00f6here Transaktonsgeb\u00fchr in Rechnung stellen (vergl. Johannes Gomolka: Algorithmic Trading. Analyse von computergesteuerten Prozessen im Wertpapierhandel unter Verwendung der Multifaktorenregression. Potsdam: Universit\u00e4tsverlag Potsdam 2010, S. 162). Dieses sogenannte Maker-Taker-Modell ist mittlerweile in Europa ebenso \u00fcblich wie in den USA.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem verdienen die B\u00f6rsen an der Vermietung von sogenannten Co-Location-Spaces. Da der Erfolg des HFT zunehmend von der Geschwindigkeit der Daten\u00fcbertragung abh\u00e4ngt, haben auf diesem Gebiet t\u00e4tige Handelsfirmen ein gro\u00dfes Interesse daran, r\u00e4umlich so nahe wie m\u00f6glich an den Rechenzentren der Handelspl\u00e4tze selbst angesiedelt zu sein. Die Rede ist hier von der Latency Arbitrage, also vom Vorteil, den Handelsfirmen allein aufgrund ihrer besseren Datenleitung genie\u00dfen. Der Latenzvorteil, den die \u00f6rtliche N\u00e4he mit sich bringt, hat rund um die B\u00f6rsenpl\u00e4tze fu\u00dfballfeldgro\u00dfe Technikclustern entstehen lassen. Die NYSE hat beispielsweise 2009 eine 120 Quadratmeter gro\u00dfe Colocation in New Jersey und eine weitere bei London bauen lassen, zu Kosten von 500 Millionen Dollar (<a href=\"http:\/\/www.efinancialnews.com\/story\/2009-07-31\/nyses-fast-trade-hub-rises-up-in-new-jersey\" target=\"_blank\">The Wall Street Journal, 30. Juli 2009<\/a>). Diese Investitionen rentieren sich offenbar aufgrund der Mieteinnahmen, die die HFT-Firmen zu zahlen bereit sind. Die Miete rentiert sich ihrerseits offenbar aufgrund der dadurch erlangten Handelsvorteile.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt aber verdienen die B\u00f6rsen an propriet\u00e4ren Datafeeds, die sie an die Betreiber der Hochgeschwindigkeitsrechner <a href=\"http:\/\/blog.themistrading.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/THEMIS-Data-Theft-On-Wall-Street-05-11-10.pdf\" target=\"_blank\">verkaufen<\/a>. Hier bietet sich ein Vergleich mit sozialen Netzwerken an: So wie Facebook Nutzungsdaten der user sammelt, um sie an Werbetreibende zu verkaufen, sammeln die Handelspl\u00e4tze Daten ihrer privaten und institutionellen Kunden und verkaufen sie als \u201eDirect Feed\u201c an die HFT-Firmen. In den USA hei\u00dfen diese direct feeds etwa BATS PITCH oder TotalView-ITCH, in Deutschland gibt es den <a href=\"http:\/\/www.alphaflash.com\/\" target=\"_blank\">AlphaFlash<\/a> (\u201eultraschnelle Wirtschaftsdaten und Ad-hoc-Nachrichten f\u00fcr Algo-Trading-Applikationen\u201c) , den <a href=\"http:\/\/deutsche-boerse.com\/dbag\/dispatch\/en\/binary\/gdb_content_pool\/imported_files\/public_files\/10_downloads\/50_informations_services\/10_market_data_dissemination\/11_information_products\/10_spot_market\/CEF_ultra_+_Xetra.pdf\" target=\"_blank\">High Performance Xetra Data Feed<\/a> (\u201eall order book updates on an un-netted basis as soon as they occur\u201c ) sowie <a href=\"http:\/\/deutsche-boerse.com\/dbag\/dispatch\/de\/binary\/gdb_content_pool\/imported_files\/public_files\/10_downloads\/50_informations_services\/Produktbroschuere.pdf\" target=\"_blank\">verschiedene andere Angebote<\/a>. Der Vorteil von direct data feeds besteht darin, Orderdaten und Volumina der Auftr\u00e4ge von institutionellen und Kleinanlegern schon zu kennen, bevor sie auf dem jeweiligen Marktplatz platziert werden, um die eigene Tradingstrategie darauf ausrichten zu k\u00f6nnen. \u00c4hnlich wie bei Facebook werden bei den g\u00e4ngigen feeds die Daten nat\u00fcrlich in anonymisierter Form verkauft, jedoch so, dass sie von den Hochleistungsrechnern automatisch ausgewertet werden k\u00f6nnen. So wird es m\u00f6glich, dass beispielsweise eine Kauforder, die eine Bank f\u00fcr einen ihrer Privatkunden in das Handelssystem eingibt, noch vor der Platzierung am Handelsplatz an einen HFT \u00fcbermittelt wird, der daraufhin ggf. in der oben beschriebenen Weise den Preis hochtreiben und die Differenz als Gewinn verbuchen kann.<\/p>\n<p>65% der vom Mannheimer Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Wirtschaftsforschung befragten Fachleute halten die bisherige gesetzliche Regulierung des Hochgeschwindigkeitshandels f\u00fcr unzureichend (ZEW Finanzmarktreport 18. Jg. April 2010, S. 3).<\/p>\n<p>An dieser Stelle endet der zitierte Teil des Enquete-Textes. Erst gestern berichteten die Medien erneut \u00fcber einen <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/computerprogramme-stoeren-handel-an-der-wall-street-a-847740.html\" target=\"_blank\">Flash-Crash<\/a>. Umso begr\u00fc\u00dfenswerter, dass das Finanzministerium jetzt auf die Bedenken zahlreicher Experten reagiert. Der neue Gesetzentwurf greift einige zentrale Forderungen auf, die DIE LINKE schon in der Internetenquete erhoben hatte, die dort jedoch bislang keine Mehrheit fanden. So hatte DIE LINKE empfohlen, die Transparenz des High Frequency Trading zu erh\u00f6hen, indem die Funktionsweise privatwirtschaftlicher Algorithmen der Trading-Firmen von der B\u00f6rsenaufsicht kontrolliert werden sollte. Dies war in der <a href=\"https:\/\/wirtschaft.enquetebeteiligung.de\/instance\/wirtschaft\" target=\"_blank\">Projektgruppe \u201eArbeit, Wirtschaft, Green IT\u201c<\/a> als v\u00f6llig unrealistisch verworfen worden. Der neue <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Publikationen\/Aktuelle_Gesetze\/Referentenentwuerfe\/2012-07-27-hochfrequenzhandelsgesetz_anlage.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\" target=\"_blank\">Gesetzentwurf<\/a> schl\u00e4gt es jetzt trotzdem vor (neuer Absatz 3a in \u00a74 Wertpapierhandelsgesetz).<\/p>\n<p>In anderen Punkten geht die Bundesregierung leider nicht weit genug. So stellt das sogenannte Maker-Taker-Modell eines der Grundprobleme dar: HTF-Algorithmen k\u00f6nnen aufgrund der hohen Rabatte, die ihnen die Handelsh\u00e4user einr\u00e4umen, zum selben Preis kaufen und verkaufen und trotzdem Gewinn machen. Dies hat insbesondere bei den meistgehandelten Aktien zu einem Anstieg im Handelsvolumen gef\u00fchrt. Der damit entstehende Eindruck eines gesunden, liquiden Marktes ist jedoch tr\u00fcgerisch. Hier w\u00e4re es sinnvoll, eine feste Geb\u00fchr pro Trade festzulegen, die einfach immer gezahlt werden muss. Auch von jenen, die dem Markt angeblich Gutes tun, indem sie ihm Liquidit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellen \u2013 weil man eben wei\u00df, dass dieselben Handelscomputer\u00a0ihm jene Liquidit\u00e4t auch jederzeit wieder entziehen, in Sekundenbruchteilen.<\/p>\n<p>Dazu ringt sich die Bundesregierung aber nicht durch, sondern m\u00f6chte lediglich vorschreiben, dass f\u00fcr eine \u201eunverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohe Eingabe\u201c von Kauf- und Verkaufsauftr\u00e4gen\u201cseparate Entgelte\u201c verlangt werden sollen. Deren H\u00f6he sei \u201eso zu bemessen, dass einer \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Nutzung und damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Systemstabilit\u00e4t oder die Marktintegrit\u00e4t wirksam begegnet wird\u201c (<a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Publikationen\/Aktuelle_Gesetze\/Referentenentwuerfe\/2012-07-27-hochfrequenzhandelsgesetz_anlage.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\" target=\"_blank\">Gesetzentwurf<\/a>, Entwurf S. 7, Wertpapierhandelsgesetz \u00a7 31f, neuer Absatz 7). Das ist so lasch formuliert, dass man bezweifeln kann, ob \u00fcberhaupt etwas dabei herauskommt. Was eigentlich dagegen spricht, eine feste Geb\u00fchr f\u00fcr jede Order zu verlangen, wird in dem Entwurf leider nicht erl\u00e4utert. Immerhin soll es zuk\u00fcnftig Mindesgrenzen f\u00fcr kleinstm\u00f6gliche Preis\u00e4nderungen geben (Entwurf S. 8, Wertpapierhandelsgesetz \u00a7 31f, neuer Absatz 10).<\/p>\n<p>Was leider auch fehlt, ist eine Mindeshaltefrist f\u00fcr Order. Mehr als 90% aller Order werden vor der Ausf\u00fchrung gecancelt. Entweder m\u00fcsste f\u00fcr das Annulieren einer Order eine Geb\u00fchr erhoben werden, oder man m\u00fcsste eine verpflichtende \u201eMindestlebenszeit\u201c von einer Sekunde pro Order einf\u00fchren. Unl\u00e4ngst waren solche \u00dcberlegungen sogar innerhalb der Europa-CDU diskutiert worden. Das deutsche Finanzministerium traut sich aber offenbar nicht. Es m\u00f6chte nur festschreiben, dass \u201eein angemessenes Verh\u00e4ltnis\u201c zwischen \u201eKauf- und Verkaufsauftr\u00e4gen und den tats\u00e4chlich ausgef\u00fchrten Gesch\u00e4ften\u201c bestehen soll, \u201eum Risiken f\u00fcr die Systemkapazit\u00e4t und die Marktintegrit\u00e4t zu vermeiden\u201c (<a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Publikationen\/Aktuelle_Gesetze\/Referentenentwuerfe\/2012-07-27-hochfrequenzhandelsgesetz_anlage.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\" target=\"_blank\">Entwurf<\/a> Wertpapierhandelsgesetz \u00a7 31 neuer Absatz 9). Auch das ist viel zu wenig. Aber offenbar m\u00f6chte man das Gesch\u00e4ftsmodell der Algotrader nicht kaputtmachen.<\/p>\n<p>Dennoch muss man anerkennen, dass der Entwurf, der eine Vielzahl von zus\u00e4tzlichen Regularien vorsieht, in die richtige Richtung geht. Innerhalb der europ\u00e4ischen Diskussion nimmt Deutschland dabei eine Vorreiterrolle ein. Umso bedauernswerter, dass die netzpolitische Szene nicht die Gelegenheit ergreift, sich das Thema zu eigen zu machen. Der Kampf zwischen Freiheit und Regulierung ist derzeit nirgends so anschaulich zu beobachten wie beim Hochfrequenzhandel.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton5391\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Ffinanzministerium-legt-entwurf-fur-hochfrequenzhandelsgesetz-vor%2F&amp;text=Finanzministerium%20legt%20Entwurf%20f%C3%BCr%20Hochfrequenzhandelsgesetz%20vor&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Ffinanzministerium-legt-entwurf-fur-hochfrequenzhandelsgesetz-vor%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den am hartn\u00e4ckigsten ignorierten netzpolitischen Themen geh\u00f6rt zweifellos das Algotrading, also der computerbasierte Hochfrequenzhandel an der B\u00f6rse. Dabei schl\u00e4gt hier das Herz der vernetzten Gesellschaft. Wenn man verstehen will, was das Schlagwort \u201eKontrollverlust\u201c bedeutet, das in anderen netzpolitischen Zusammenh\u00e4ngen immer wieder auftaucht, findet man nirgends klarere Antworten. 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