{"id":5917,"date":"2013-01-15T17:18:22","date_gmt":"2013-01-15T16:18:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=5917"},"modified":"2013-01-15T17:18:49","modified_gmt":"2013-01-15T16:18:49","slug":"der-sold-der-matrosen-podium-zum-urhebervertragsrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/der-sold-der-matrosen-podium-zum-urhebervertragsrecht\/","title":{"rendered":"Der Sold der Matrosen &#8211; Podium zum Urhebervertragsrecht"},"content":{"rendered":"<p>Brauchen Kreativschaffende einen st\u00e4rkeren gesetzlichen Schutz vor fiesen Vertr\u00e4gen? Oder ziehen Verwerter und Kreative in Wirklichkeit an einem Strang, und die B\u00f6sen sind YouTube, spotify &amp; Co.? Zusammen mit der <a href=\"http:\/\/www.rosalux.de\/kultur-medien.html\" target=\"_blank\">Rosa-Luxemburg-Stiftung<\/a> hat die LINKE Bundestagsfraktion am 17. Dezember 2012 eine Podiumsdiskussion zum Thema Urhebervertragsrecht durchgef\u00fchrt. Dabei wurde schnell deutlich: Es ist mal wieder alles etwas komplizierter.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.linksfraktion.de\/reden\/10-jahre-urhebervertragsrecht\/\" target=\"_blank\">Petra Sitte<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.senger-schaefer.de\/de\/Kultur--Medienpolitik-Archiv.asp?id=449\" target=\"_blank\">Kathrin Senger-Sch\u00e4fer<\/a>, die das Thema im Rahmen ihrer Arbeit bei der Bundestagsfraktion der Linken betreuen, diskutierten mit einer Runde von Interessierten, in der Kreative ebenso vertreten waren wie ihre Vertragspartner. <a href=\"http:\/\/www.rosalux.de\/documentation\/47380\" target=\"_blank\">Hier<\/a> gibt es den archivierten Stream der Debatte zu sehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hornschuh-musik.de\/\" target=\"_blank\">Matthias Hornschuh<\/a>, Filmkomponist aus K\u00f6ln und Vorsitzender des mediamusic e.V. erz\u00e4hlte, er habe die Diskussion \u00fcber Schutzgesetze lange nur als Herumdoktern an Symptomen empfunden: Der Markt sei nun mal so, wie er sei. Der linke Gesetzentwurf enthalte nun aber doch interessante Ans\u00e4tze. Der Musiker und Komponist berichtete ausf\u00fchrlich von seiner Arbeit f\u00fcr den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk und davon, dass au\u00dfer den GEMA-Tantiemen oft so gut wie kein Honorar bei ihm ankommt. Er kritisierte aber auch die Games-Industrie: Viele Unternehmen aus der Branche w\u00fcrden grunds\u00e4tzlich keine GEMA-Mitglieder mit der Komposition von Musik f\u00fcr Games beauftragen, um die Tantiemen an die GEMA zu sparen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/EveandRave\" target=\"_blank\">Eva Kiltz<\/a>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des VUT, wies darauf hin, dass Labels und Musikverlage teilweise ganz \u00e4hnliche Probleme haben wie Urheberinnen und Urheber \u2013 n\u00e4mlich bei ihren Handlungen mit Vertragspartnern aus der digitalen Welt. Portale wie YouTube oder spotify hielten den K\u00fcnstlern und ihren Vermittlern Standard-AGB unter die Nase, die von vornherein unverhandelbar seien.<\/p>\n<p>Das Urhebervertragsrecht sei zwar nicht in der Lage, alle Probleme zu l\u00f6sen, aber helfe doch ein ganzes St\u00fcck weiter, erkl\u00e4rte hingegen <a href=\"http:\/\/www.journalist.de\/ratgeber\/kontakte-adressen\/adresse\/poeppelmann-benno-h.html\" target=\"_blank\">Benno P\u00f6ppelmann<\/a> vom Journalistenverband djv. Er berichtete von mittlerweile 10 Jahre w\u00e4hrenden Vertragsverhandlungen mit den Zeitungsverlegern und beklagte vor allem, dass es im derzeitigen Urhebervertragsrecht an Durchsetzungsm\u00f6glichkeiten mangele. Der djv fordert ein Verbandsklagerecht, damit nicht der einzelne Urheber gegen seinen Vertragspartner vor Gericht ziehen muss, sondern stattdessen ein Verband die Einhaltung von ausgehandelten Verg\u00fctungsregeln einfordern kann.<\/p>\n<p>\u201eBuyout-Vertr\u00e4ge gibt es im Buchbereich nicht\u201c, erkl\u00e4rte <a href=\"http:\/\/www.boersenverein.de\/de\/186978\" target=\"_blank\">Katharina Winter<\/a> aus der Rechtsabteilung des B\u00f6rsenvereins des Deutschen Buchhandels. Autoren erhielten stets eine Erfolgsbeteiligung an jedem verkauften Exemplar, und mit den Autoren habe man sich bereits 2005 auf eine gemeinsame Verg\u00fctungsregel geeinigt. Nur mit den Literatur\u00fcbersetzern sei man sich nicht einig geworden. Man m\u00fcsse nun sehen, was die durch den Hanser Verlag eingeforderte Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ergebe.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.luis-ruby.de\/\" target=\"_blank\">Luis Ruby<\/a>, der Literatur aus dem Spanischen \u00fcbersetzt, erl\u00e4uterte die Sonderstellung von \u00dcbersetzern im Vergleich zu anderen Urheberinnen und Urhebern. \u00dcbersetzer arbeiten einerseits im Auftrag von Verlagen, andererseits ist das von ihnen geschaffene Werk, also die \u00dcbersetzung, in \u00e4hnlicher Weise gesch\u00fctzt wie das Original. Sie m\u00fcssten deshalb \u00e4hnlich wie Autoren, wenn auch\u00a0mit geringeren S\u00e4tzen, am Markterfolg beteiligt werden. Dass es noch zu keiner Einigung mit den Verlagen gekommen ist, sei umso bedauerlicher als die Mehrzahl der Vertr\u00e4ge mit nur drei gro\u00dfen Verlagsgruppen geschlossen werde.<\/p>\n<p>An die Podiumsdebatte schloss sich eine lebhafte Publikumsdiskussion an. \u201eHier fahren gerade Schiffe durch St\u00fcrme\u201c, diagnostizierte Labelmanager <a href=\"https:\/\/twitter.com\/StefanHerwig1\" target=\"_blank\">Stefan Herwig<\/a>. \u201eDie Schiffe drohen gerade zu kentern, und der LINKEN f\u00e4llt leider nichts Besseres ein, als gerade in diesem Augenblick \u00fcber den Sold der Matrosen zu verhandeln.\u201c <a href=\"http:\/\/www.medienpolitik.net\/2012\/12\/urheberrecht-initiative-urheberrecht-fordert-bundesregierung-zum-handeln-auf\/\" target=\"_blank\">Gerhard Pfennig<\/a> von der Initiative Urheberrecht hielt dem entgegen, im Kulturbetrieb herrschten gro\u00dfenteils noch immer \u201earchaische Produktionsverh\u00e4ltnisse\u201c. Es m\u00fcsse sichergestellt werden, dass Freiberufler und Verwerter auf Augenh\u00f6he verhandeln k\u00f6nnten. Denn derzeit f\u00e4nden solche Verhandlungen in vielen Bereichen nur \u00fcber Standardvertr\u00e4ge und AGB statt, w\u00e4hrend anderswo Tarifrecht gelte.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist der <a href=\"http:\/\/www.petra-sitte.de\/start\/aktuelles\/detail\/zurueck\/aktuelles-20\/artikel\/10-jahre-urhebervertragsrecht-linke-schlaegt-reform-des-staerkungsgesetzes-vor\/\" target=\"_blank\">Gesetzentwurf<\/a> der LINKEN im Bundestag in <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btp\/17\/17214.pdf\" target=\"_blank\">erster Lesung<\/a> diskutiert worden. SPD und Gr\u00fcnen haben beide eigene Entw\u00fcrfe zum Thema angek\u00fcndigt. Die SPD wird sich vermutlich an dem <a href=\"http:\/\/beck-online.beck.de\/default.aspx?typ=reference&amp;y=300&amp;z=ZUM&amp;b=2012&amp;s=921&amp;n=1\" target=\"_blank\">Gutachten<\/a> orientieren, das sie dazu in Auftrag gegeben hat. Die Gr\u00fcnen sind derzeit in Sachen Urheberrecht offenbar vor allem mit der Kulturflatrate <a href=\"http:\/\/lak.gruene-bayern.de\/blog\/archives\/2236\" target=\"_blank\">besch\u00e4ftigt<\/a>, w\u00fcrden aber Urhebervertragsrechtsreformen sicher auch nicht blockieren. Man darf gespannt sein, wie die Debatte in den Aussch\u00fcssen weitergeht.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton5917\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fder-sold-der-matrosen-podium-zum-urhebervertragsrecht%2F&amp;text=Der%20Sold%20der%20Matrosen%20%26%238211%3B%20Podium%20zum%20Urhebervertragsrecht&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fder-sold-der-matrosen-podium-zum-urhebervertragsrecht%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brauchen Kreativschaffende einen st\u00e4rkeren gesetzlichen Schutz vor fiesen Vertr\u00e4gen? 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