{"id":6083,"date":"2013-02-25T13:11:30","date_gmt":"2013-02-25T12:11:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=6083"},"modified":"2013-02-25T17:43:55","modified_gmt":"2013-02-25T16:43:55","slug":"anhorung-leistungsschutzrecht-presseverlage-ua-neue-medien-liveblog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/anhorung-leistungsschutzrecht-presseverlage-ua-neue-medien-liveblog\/","title":{"rendered":"Anh\u00f6rung Leistungsschutzrecht Presseverlage UA Neue Medien"},"content":{"rendered":"<p>Archivierter Liveblog der &#8222;\u00d6ffentlichen Anh\u00f6rung zu technischen Fragen eines Leistungsschutzrecht f\u00fcr Presseverlage&#8220; am\u00a025.02.2013 im Unterausschus Neue Medien des Bundestages:<\/p>\n<p>Die Abgeordneten fragen nach technischen Alternativen zu dem geplanten Gesetz f\u00fcr ein Presseverleger-Leistungsschutzrecht. Besonderes Interesse besteht an der robots.txt und ihren M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><strong>Dr. Wieland Holfeld, Google Engineering Director:<\/strong> Mit robots.txt kann granular bestimmt werden, welche Inhalte Crawler abgreifen d\u00fcrfen und welche nicht &#8211; pro individueller Seite. Ich kann festlegen, ob die Seite gefunden wird, aber auch ob ein Snippet angezeigt werden darf oder nicht. In den Metadaten kann man zudem Schl\u00fcsselworte bestimmen, die die Suchmaschine dann anzeigen kann (aber nicht muss). Ich habe mehrere Beispiele mitgebracht, das illustriert, dass die Suchmaschine genau das anzeigt, was die Verlage in den Tags vorgeben. [wird im Saal verteilt] Fazit: Es funktioniert wunderbar, auch, wenn man gar nicht im Index auftauchen m\u00f6chte. Wir halten uns also dran, folglich gibt es keine Notwendigkeit f\u00fcr ein gesetzliches Einschr\u00e4nken. K\u00f6nnen wir noch auf der Ebene der Standards noch mehr Konfigurationsm\u00f6glichkeiten anbieten? Grunds\u00e4tzlich schon, das ist in der Vergangenheit auch schon mehrfach vorgekommen, z.B. &#8222;unavailable after &#8230;&#8220;. Zu den technischen M\u00f6glichkeien des ACAP: Im ACAP sind die M\u00f6glichkeiten der Suchmaschine sogar noch eingeschr\u00e4nkter: Bestimmte Vorgaben, die dort gemacht werden, k\u00f6nnen wir nicht umgehen. Von daher sind wir skeptisch, ob das ACAP einer einzigen Interessengruppe \u00fcberlassen werden sollte, hier den Verlegern. Was werden wir tun, wenn das LSR kommt? Wir arbeiten derzeit mit Heuristiken, die aber f\u00fcr eine Verbotsrecht nicht ausreichen. Automatisch zu erkennen, welche Inhalte Verlegerwebseiten sind, welche nicht, ist technisch schwer bis unm\u00f6glich. Wenn das LSR kommt, werden wir sehr defensiv vorgehen m\u00fcssen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Dr. Thomas H\u00f6ppner, BDZV:<\/strong> Newsaggregatoren sind nicht Taxifahrer, die G\u00e4ste zum Restaurant bringen, sondern sie pr\u00e4sentieren das Men\u00fc schon im Taxi. Verleger verlangen nicht Geld f\u00fcr die Weiterleitung, sondern das LSR soll vor Diensten sch\u00fctzen, die Verlegern Traffic wegnehmen: Sie greifen Leistungen von den Verlagsseiten ab, ziehen die Leser auf die eigenen Webseiten und befriedigenden das bestehende Informationsbed\u00fcrfnis dort. Bei Newsdiensten werden Nachrichten systematisiert, Vorschaubilder erg\u00e4nzt etc. Das hat mit einer Suche nichts mehr zu tun. Das Gesch\u00e4ftsmodell vieler Newsaggregatoren zielt darauf ab, mit Hilfe der Verlagsleistungen andere Dienste anzubieten. Es ist keine Symbiose, sondern ein direktes Konkurrenzverh\u00e4ltnis: News-Seiten machen dasselbe, was Zeitungen machen. Warum reicht es uns denn, dass wir Zeitungen oft nur \u00fcberfliegen? Warum verbringen user nur 30 Sekunden auf unseren Webseiten? Weil es gen\u00fcgt. Weil die Komprimierung auf das Wesentliche einen eigenen Wert hat. Warum wurde eigentlich bislang nicht mitgeteilt, wie viele Leser auf Google News gehen und wie lange sie dort verweilen? Aggregatoren erh\u00f6hen nicht den Traffic, sondern nehmen ihn weg. Nur die user, die sich noch f\u00fcr einzelne Details interessieren, klicken noch weiter. Das Problem ist, dass Verlage keine technischen M\u00f6glichkeit haben, dies zu verhindern. Google News sei j\u00e4hrlich 100 Millionen wert, erkl\u00e4rte einst Marissa Mayer. Warum wohl? Oder schauen Sie Google Knowledge an: Da wird auch alles M\u00f6gliche zusammenkompiliert, sodass man nicht mehr weiterklicken muss. Es halten sich auch nicht alle Suchmaschinen an die robots.txt. Man wei\u00df am Ende nie, ob der Crawler sich daran h\u00e4lt. Man kann bei Google zwar konfigurieren, aber wer aus Google News raus will, taucht dann auch in der Websearch nicht mehr oben in den News Universals raus. Je weniger gro\u00df man erscheint, desto weniger Leute klicken darauf, und am Ende wird man immer irrelevanter. Man kann die hochwertigste Verlagsseite mit den tollsten Inhalten haben, aber wenn man die robots.txt sperrt, ist man automatisch gegen\u00fcber denen benachteiligt, die nicht sperren. Die Konkurrenz der Verlage untereinander wird also ausgenutzt. Jetzt ein bisschen in der robots.txt herumzufeilen, n\u00fctzt nichts. Es gibt keine Alternative zum LSR.<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaft, Hamburg:<\/strong> Ist es wirklich sinnvoll f\u00fcr eine Suchmaschine, die robots.txt vollst\u00e4ndig zu beachten? Schlie\u00dflich erlauben manche Anbieter Google alles, anderen Anbietern nichts. Es gibt also bisweilen gute Gr\u00fcnde, die robots.txt nicht zu nutzen. Ein Ausbau der robots.txt ist sicher n\u00f6tig; ob damit die Probleme gel\u00f6st werden, ist eine andere Frage. Zur Frage nach der automatischen Erkennung von Presseerzeugnissen: einerseits Ebene der Verlagsangebote, andererseits Ebene der Artikel. Google News ist redaktionell, Quellen sind h\u00e4ndisch ausgew\u00e4hlt, etwa 1000. Auf der Ebene der einzelnen Artikel ist das technisch schwer zu machen.<\/p>\n<p><strong>Michael Steidl, Managing Director International Press Telecommunications Council (IPTC):<\/strong> Bei der Erstellung von Standards achten wir darauf, sowohl die Interessen der Absender als auch der Empf\u00e4nger zu ber\u00fccksichtigen. Seit den 2000er Jahren setzen wir uns mit maschinenlesbaren Rechtesprachen auseinander. In letzter Zeit betreiben wir eine Weiterentwicklung von ACAP. Was ist robots.txt f\u00fcr ein Standard? Kann er erreichen, was man erreichen will? Man muss zwischen robots.txt selbst und Metatext\/robots exclusion protocol unterscheiden. Nicht alle Anbieter bekennen sich zu festgeschriebenen Definitionen. Bestimmte Agenten greifen auf die Standards zu, es ist aber nirgends definiert, welche Agenten das sind. Man wei\u00df nie genau, welcher Agent mit einer bestimmten Webseite spricht. Zu den Metatags: Metatags geben ein Stichwort mit einer kurzen Beschreibung ab. &#8222;all&#8220;, &#8222;no index&#8220;, &#8222;no follow&#8220;, &#8222;no image index&#8220;, &#8222;unavailable after&#8220; etc. Es sind eher sehr kurze Beschreibungen, Standards, die wir seit den 70ern verwenden. Werden oft sehr unterschiedlich verwendet. Es gibt aber keine Pr\u00e4georganisation f\u00fcr robots.txt. Gen\u00fcgt es, robots.txt zu verwenden, um sich abzuwenden? Nein, denn es gibt oft auf ein und derselben Seite verschiedene Inhalte. Die robots.txt kann aber nur mit ganzen Seiten umgehen, nicht mit einzelnen Inhalten. Auf jeder Zeitungsseite gibt es sowohl Artikel als auch Nachrichten\u00fcbersichten. Man kann nicht ein Element ausschlie\u00dfen und die anderen zulassen.<\/p>\n<p>Zweite Fragerunde: Kann Google Inhalte der Seiten verwenden, wenn die robots.txt Sperrungen vorsieht? Wie viele Leser werden von Google weitergeleitet? M\u00fcsste man wirklich Google eine Liste der Verlage \u00fcbermitteln, die nicht gelistet werden wollen? K\u00f6nnte man nicht Standards, mit denen Verlage zufrieden sein k\u00f6nnten, mit einem rechtlichen Schutz versehen? Kann man es mit Zahlen belegen, dass Google den Verlagen Leser &#8222;wegnimmt&#8220;? Was w\u00fcrde das Gesetz f\u00fcr die Presseerzeuger bedeuten, die sich nicht rechtzeitig melden? Wie ist es mit Suchmaschinen, die rss-feeds nutzen? Ginge es den Verlagen wirklich ohne Suchmaschinen besser als mit? Sind denn die wichtigen Fragen alle schon beantwortet, wenn wir Freitag \u00fcber das Gesetz abstimmen lassen?<\/p>\n<p><strong>Dr. Wieland Holfeld, Google:<\/strong> Crawlen und indizieren muss man unterscheiden. Indizieren hei\u00dft, dass wir die Seite speichern, sie wird dann trotzdem in unseren Suchlisten angezeigt, wenn zum Beispiel viele andere Quellen auf die Seite verweisen. Wir reichen etwa 6 Milliarden Klicks an die Verlage weiter. Die Internet-Standards sind alle miteinander verwoben, auch die robots.txt funktioniert noch prima. Erweiterungen kann man trotzdem diskutieren. Einen internationalen Standard in deutsches Recht \u00fcberf\u00fchren zu wollen, ist aber nicht gerade eine naheliegende Vorstellung. Zum Thema Seitengranularit\u00e4t: Man kann innerhalb einer Seite iFrames anbinden und auf diese Weise auchProf. Dr. Dirk Lewandowski, Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaft, Hamburg: einzelne Teile einer Seite per robots \u00f6ffnen oder sperren. Aber bringt es viel?<\/p>\n<p><strong>Dr. Thomas H\u00f6ppner, BDZV:<\/strong> Newsaggregatoren f\u00fchren dazu, dass die Leute nicht mehr durchklicken. Wie das Verh\u00e4ltnis zwischen denen, die durchklicken, und denen, die nicht durchklicken, aussieht, k\u00f6nnen nicht wir sagen, sondern nur Google. Selbst wenn 100% durchgeleitet w\u00fcrden, w\u00fcrde der Aggregator gerechtfertigt profitieren.<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaft, Hamburg:<\/strong> Der Gesetzesvorschlag, so wie er auf dem Tisch liegt, reicht, um die Problematik zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Michael Steidl, Managing Director International Press Telecommunications Council (IPTC):<\/strong> Offenbar k\u00f6nnen auch Seiten angezeigt werden, auf die nie zugegriffen wurde. Wie werden denn dann noch Metatags verwendet, die ggf. die Anzeige untersagen? Au\u00dferdem sind Metatags selbst kein Standard.<\/p>\n<p>Dritte Fragerunde: Wie wird Google reagieren, wenn wir das LSR am Freitag beschlie\u00dfen? Gibt es irgendeinen Teil, der leistungsschutzrecht frei bleiben w\u00fcrde? W\u00fcrde die Einf\u00fchrung des Gesetzes dazu f\u00fchren, dass Google seine Dienste abschaltet?<\/p>\n<p><strong>Dr. Wieland Holfelder, Google:<\/strong> Die Google-Newsliste ist sowohl algorithmisch als auch manuell. Wenn es aber ein Verbotsrecht gibt, reicht das nicht, dann braucht man eine verbindliche Liste. Es gibt einen Google-Bot, der f\u00fcr die Newssuche zust\u00e4ndig ist, einen, der f\u00fcr die Bildsuche zust\u00e4ndig ist etc. Die kann man durchaus einzeln ansprechen.<\/p>\n<p><strong>Dr. Arnd Haller, Google Jurist:<\/strong> Man kann dieses Gesetz nicht technisch implementieren. Der Such-Robot m\u00fcsste verstehen, was ein Presseverleger im Sinne dieses Gesetzes ist. Bei Google News kann man es vielleicht gerade noch erkennen, aber in der Websuche kann ein Bot das nicht entscheiden. Wie wir mit dem Gesetz umgehen, wird sich zeigen, wenn es in Kraft ist. Aber es ist ja verfassungswidrig, die Notifikation ist nicht beachtet, und es verst\u00f6\u00dft gegen internationale Abkommen, behaupten manche. Also erst mal sehen.<\/p>\n<p><strong>Dr. Wieland Holfelder, Google:<\/strong> Wir m\u00fcssen erst mal abwarten, wie der Entwurf am Freitag aussehen wird. Dann sehen wir, wie wir es umsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Dr. Thomas H\u00f6ppner, BDZV:<\/strong> Die Informationsfreiheit ist nicht beeintr\u00e4chtigt, Links bleiben auf jeden Fall frei. Die Wir wollen nur die Beschr\u00e4nkung von Suchergebnisse auf Links. Die URL als Link darf durchaus auch weiter angezeigt werden.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton6083\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fanhorung-leistungsschutzrecht-presseverlage-ua-neue-medien-liveblog%2F&amp;text=Anh%C3%B6rung%20Leistungsschutzrecht%20Presseverlage%20UA%20Neue%20Medien&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fanhorung-leistungsschutzrecht-presseverlage-ua-neue-medien-liveblog%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Archivierter Liveblog der &#8222;\u00d6ffentlichen Anh\u00f6rung zu technischen Fragen eines Leistungsschutzrecht f\u00fcr Presseverlage&#8220; am\u00a025.02.2013 im Unterausschus Neue Medien des Bundestages: Die Abgeordneten fragen nach technischen Alternativen zu dem geplanten Gesetz f\u00fcr ein Presseverleger-Leistungsschutzrecht. Besonderes Interesse besteht an der robots.txt und ihren M\u00f6glichkeiten. Dr. Wieland Holfeld, Google Engineering Director: Mit robots.txt kann granular bestimmt werden, welche Inhalte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[86,64,68,66],"tags":[95,161],"class_list":["post-6083","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundesregierung","category-netzpolitik","category-presse","category-urheberrecht","tag-google","tag-leistungsschutzrecht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6083","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6083"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6083\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6110,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6083\/revisions\/6110"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}