{"id":611,"date":"2009-09-22T09:16:51","date_gmt":"2009-09-22T07:16:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/?p=611"},"modified":"2009-09-23T09:19:00","modified_gmt":"2009-09-23T07:19:00","slug":"mdr-rundfunkrat-reduziert-verweildauer-des-intendanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/mdr-rundfunkrat-reduziert-verweildauer-des-intendanten\/","title":{"rendered":"MDR-Rundfunkrat reduziert Verweildauer des Intendanten"},"content":{"rendered":"<p>Welchen Grund gibt es, in einem Angebot f\u00fcr Drei- bis Sechsj\u00e4hrige die Verweildauer von Serien und Filmen auf sechs bzw. drei Monate <a href=\"http:\/\/www.mdr.de\/mdr-rundfunkrat\/6707793.html\">zu reduzieren<\/a>? Ist es nicht so, dass Kinder Bekanntes immer wieder sehen und <!--more-->somit auch neu erkennen wollen? Wachsen die Drei-, Vier-, F\u00fcnf- und Sechsj\u00e4hrigen nicht immer wieder \u201enach\u201c? Wenn man die Mehrheitsentscheidung des Rundfunkrates auf das Fernsehen zur\u00fcck\u00fcbertragen w\u00fcrde, dann d\u00fcrften Pitti Platsch, Fuchs und Elster, L\u00f6wenzahn und Sesamstra\u00dfe schon lange nicht mehr gezeigt werden.<\/p>\n<p>\u201eWenn man wirklich etwas f\u00fcr Kinder tun will, darf man die ins Netz gestellten Angebote nicht irgendwann willk\u00fcrlich entfernen &#8230; Kinder lieben es, wen sich dinge wiederholen,\u201c so das Adolf-Grimme-Institut in einem dem Rundfunkrat vorgelegten Gutachten. \u201eBereits eine auf 24 Monate begrenzte Verweildauer widerspr\u00e4che den p\u00e4dagogischen Erfordernissen und erschiene im Prinzip ebenso willk\u00fcrlich wie eine Frist von 12 Monaten.\u201c Man w\u00fcrde Kinder entt\u00e4uschen, wenn dies ngebote pl\u00f6tzlich nicht mehr wiederfinden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Doch dieses Gutachten,dass den Rundfunkr\u00e4ten erst am Tag der Entscheidung vorgelegt wurde, konnte diese nicht mehr \u00fcberzeugen. Die Fristration dar\u00fcber, dass der Intendant wie auch der KiKa-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der zust\u00e4ndigen Arbeitsgruppe \u00fcber Monate hinweg Antworten auf gestellte Fragen schuldig blieben war zu gro\u00df. Zudem wurde im Verfahren festgestellt, dass die f\u00fcr kikanichen und Kikaplus beantragten Verweildauern nicht mit denen von KIKA.de \u00fcbereinstimmten.<\/p>\n<p>Aufgrund fehlender Zuarbeiten und Antworten sowie nicht aufgel\u00f6ster Widerspr\u00fcche reduzierte man die Verweildauern auf kika.de-Niveau. Dabei h\u00e4tte es noch eine andere M\u00f6glichkeit gegeben: Die beantragten Verweildauern zu genehmigen und das kika.de-Konzept zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<p>Dies w\u00e4re eher im Interesse der Nutzer, der Kinder gewesen,. Diese Entscheidung w\u00e4re den Empfehlungen aller Gutachten auch am n\u00e4hesten gekommen. Und: all die Vertreter der gesellschaftlich-relevanten Gruppen h\u00e4tten auch die Hinweise ihrer Verbandsspitzen umgesetzt: Denn diese pl\u00e4dierten zumeist f\u00fcr unbeschr\u00e4nkte Verweildauern. So verwies die deutsche EKD darauf, dass f\u00fcr das Internet eine unbegrenzte Verweildauer \u201echarakteristisch\u201c ist und die Deutsche Bischofskonferenz verweis darauf, dass langfristig wirkende Angebote auch lange vorgehalten werde sollen. Die EKD meint, dass das Internet als \u201ewertsetzendes Ged\u00e4chtnis der Informationsgesellschaft\u201c eine langfristige Verf\u00fcgbarkeit erfordert.<\/p>\n<p>All diese Argumente konnten ihre Wirkung nicht entfalten. Viele wollten ihre Unabh\u00e4ngigkeit vom Intendanten beweisen. Doch anstatt \u00fcber die von ihm willk\u00fcrlich festgesetzten Verweildauern hinauszugehen, reduzierten sie diese \u2013 und kamen so den Forderungen vom VPRT und SuperRTL nicht nur entgegen, sondern setzten diese auch ann\u00e4hernd um. (So hatte SuperRTL gefordert, die Finanzen streng zu begrenzen, die Vereildauer auf maximal zwei Monate zu begrenzen sowie bei Spielen einen strengen Sendungsbezug umzusetzen.) Nun, w\u00e4re der MDR eine Aktiengesellschaft und der MDR-Rundfunkrat der Aufsichtsrat, so h\u00e4tte der Aufsichtsrat in diesem Falle konzernsch\u00e4digend gehandelt.<\/p>\n<p>Ob es keine Klagen gegen die MDR-Entscheidungen geben wird, wird sich zeigen. Versprechen kann dies nur ein Anwalt der Gegenseite. Angesichts der vorgelegten Gutachten w\u00e4re eine Klage gegen das Verweildauerkonzept wohl nicht erfolgreich gewesen.<\/p>\n<p>Allerdings wird die gestrige Entscheidung des MDR-Rundfunkrates noch Folgen f\u00fcr ARD und ZDF haben. In welchem Fall will man denn mit welcher Begr\u00fcndung \u00fcber die jetzt genehmigten Verweildauern hinausgehen? Welche Gr\u00fcnde kann es geben, Erwachsenen etwas l\u00e4nger anzubieten als Kindern &#8211; f\u00fcr die l\u00e4ngere Verweildauern aus medienp\u00e4dagogischen Gr\u00fcnden sinnvoll w\u00e4ren?<\/p>\n<p>Schon aus diesem Grund wird wohl keiner die MDR-Entscheidung angreifen \u2013 sondern sie immer wieder heranzuziehen, um andere \u00f6ffentlich-rechtliche Online-Angebote anzugreifen und zurechtzustutzen. Die gestrige Entscheidung des MDR-Rundfunkrates wird vielen anderen Sendern noch schwer im Magen liegen. Diese Entscheidung wird auf ARD und ZDF bei weiteren Verfahren noch schwer zur\u00fcckschlagen.<\/p>\n<p>Sicher, man wird die Verweildauern verl\u00e4ngern k\u00f6nnen. Sp\u00e4ter. Falls Evaluierungen dies empfehlen. Doch dazu ist dann ein neuer Drei-Stufen-Test n\u00f6tig. Wieder sind marktliche Gutachten in Auftrag zu geben. Wieder werden Stellungnahmen eingeholt. Wieder wird dem Programm Geld entzogen.<\/p>\n<p>Man h\u00e4tte es auch einfacher haben k\u00f6nnen: wenn man nicht sein medienpolitisches bzw. senderinternes S\u00fcppchen gekocht h\u00e4tte, sondern die Interessen der Kinder ber\u00fccksichtigt h\u00e4tte. Doch wie so oft: Es ist egal, ob die Geb\u00fchrenzahler nach dem \u00f6ffentlich-rechtlichen Spiel im Publikum Platz nehmen. Zahlen m\u00fcssen sie so oder so.<\/p>\n<div id=\"tweetbutton611\" class=\"tw_button\" style=\"float:right;margin-left:10px;\"><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fmdr-rundfunkrat-reduziert-verweildauer-des-intendanten%2F&amp;text=MDR-Rundfunkrat%20reduziert%20Verweildauer%20des%20Intendanten&amp;related=&amp;lang=de&amp;count=horizontal&amp;counturl=https%3A%2F%2Fblog.die-linke.de%2Fdigitalelinke%2Fmdr-rundfunkrat-reduziert-verweildauer-des-intendanten%2F\" class=\"twitter-share-button\"  style=\"width:55px;height:22px;background:transparent url('https:\/\/blog.die-linke.de\/digitalelinke\/wp-content\/plugins\/wp-tweet-button\/tweetn.png') no-repeat  0 0;text-align:left;text-indent:-9999px;display:block;\">Tweet<\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welchen Grund gibt es, in einem Angebot f\u00fcr Drei- bis Sechsj\u00e4hrige die Verweildauer von Serien und Filmen auf sechs bzw. drei Monate zu reduzieren? 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