DIGITALE LINKE
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Robert Kurz bereist das Paralleluniversum

Der Zusammenbruchstheoretiker Robert Kurz hat ein neues Vorhersagegebiet entdeckt. Im Neuen Deutschland unterzieht er Dotcom-Crash und Finanzcrash einem Remix. Heraus kommt: Auch das Internet (= technologisches Paralleluniversum) gehört irgendwie der „Epoche der Simulation“ an, die „ihrem schmählichen Ende entgegen“ geht.

Unter dem Titel „Ökonomisches Paralleluniversum“ hört sich das so an: „Auf der Ebene des fiktiven Kapitals hat der globale Finanzcrash bereits die verdrängte Wirklichkeit der substanziellen Kapitalverwertung unangenehm in Erinnerung gerufen. Dagegen scheint sich das technologische Paralleluniversum des Virtualismus, das vielfältige »Second Life« des Internet, eines munteren Daseins zu erfreuen.“

Dem ist aber nur scheinbar so: „Tatsächlich ist das technologische Paralleluniversum eng mit der sich auflösenden Finanzblasen-Konjunktur verschränkt. Nur auf diese Weise konnte sich die verlogene Gratis-Mentalität der »User« entfalten, als würde mitten im Kapitalismus ein kostenfreier Raum entstehen. Von links kam das in Parolen zum Ausdruck wie: »Download is Communism«. Printmedien, Verlage und Buchhandel werden kaputt gemacht. Aber abgesehen von der kulturellen Verödung, die mit einer Flut von besinnungslosem Blogger-Geplapper einhergeht, hat die Flucht ins Netz ihren Preis.“

Der Preis ist heiß: Die „zweite »Erdung« der virtuellen Spielwiese“ ist „absehbar“. Mal abgesehen davon, dass Kurz immer mehr wie ein umgekehrter Peter Sloterdijk klingt, ist doch erstaunlich, welch analytischer Möglichkeiten sich ein solcher Untergangs-„Marxismus“ begibt. Dabei wäre es sicher einmal lohnenswert, über die Bedingungen eines auf digital kodierter Information basierenden Akkumulationsregimes und sich neu formierender Kapitalfraktionen im heraufziehenden digitalen Kapitalismus nachzudenken. Nur mal so als Tipp!

Ein Kommentar zu “Robert Kurz bereist das Paralleluniversum”

  1. Hans-Gert Gräbe sagt:

    „Dabei wäre es sicher einmal lohnenswert, über die Bedingungen eines auf digital kodierter Information basierenden Akkumulationsregimes und sich neu formierender Kapitalfraktionen im heraufziehenden digitalen Kapitalismus nachzudenken. Nur mal so als Tipp!“

    In der Tat, das wäre dem Autor dieses Beitrags zu empfehlen. Er muss ja auch nicht bei null anfangen, sondern kann die Fäden aufnehmen, die etwa bei http://wadk.de/2009/hubert-herfurth-zur-wak-und-peer-oekonomie-diskussion zusammenlaufen, und sich dann an den Argumenten des Aufsatzes „Über den Unwert des Unwissens“ eines gewissen Robert Kurz (ja, desselben) reiben. Allerdings müsste man dafür mehr tun als nur mit Tinte spritzen…

    Hans-Gert Gräbe