DIGITALE LINKE
— Politik in der digitalen Welt! —
 

„Piratenzauber“: Beitrag zum freien Wissen

Aus dem Buch „Piratenzauber“, das wir hier bereits vorgestellt haben, dokumentieren wir einen Essay von Tobias Schulze unter dem Titel:

Freies Wissen – die praktische Entknappung einer Ressource

„Wissen, hier im weitesten Sinne verstanden – von Information und Daten bis zu Kreativgütern und Kunstwerken, ist eine ökonomische, politische und kulturelle Ressource. Als Werkstück – Buch, Bild, Text, Tonträger – wurde es vergesellschaftet und zum Handelsgut formiert. Die Digitalisierung, insbesondere die Vernetzung, trennt Wissen von dieser körperlichen Erscheinung eines einzelnen Werkstücks ab und macht es zu einem flüssigen Gut. Der beliebte Vergleich mit Leitungswasser hinkt jedoch, denn Wissen ist noch weniger als Wasser einzuhegen und in feste Bahnen zu lenken. Es widerstrebt der Kommodifizierung. Wissen als Eigentum war schon immer schwer vorstellbar.  In Zeiten des Internets wird es zur Zahnpasta, die niemand wieder in die Tube bekommt. Diese Eigenschaft steht in scharfem Konflikt zur zunehmenden ökonomischen und politischen Bedeutung von Wissen im renditefixierten, privatkapitalistischen Gesellschaftsmodell. Die globale Arbeitsteilung hält insbesondere für die ehemaligen westlichen Industrieökonomien die Rolle von Wissens- und Innovationsinduktoren bereit. Zudem verändern sich die Konsumansprüche in den wohlhabenderen Schichten und Regionen. Soziale Medien, Kommunikationstechnologien und wissensintensive Dienstleistungen erreichen einen Aufschwung und hohe Profite. Die Produktion weniger forschungsintensiver Güter und Teile wird mangels Renditeaussicht in sogenannte Niedriglohnstandorte verlegt.

Der Diskurs um die Befreiung von Wissen auf digitaler Grundlage wird seit langer Zeit ausgefochten und begann deutlich vor dem Aufschwung der Piraten. Die Entstehung der Partei ist eher ein Symptom von Schließungsprozessen nach einer kurzen Zeit libertärer oder gar anarchistischer Kreativität im Internet als der Neuaufbruch in die Realisierung einer Utopie. Michael Paetau macht in diesem Band überzeugend deutlich, dass traditionelle linke Enteignungs- und Verstaatlichungsphantasien kein adäquates Mittel gegen die Kommodifizierungsprozesse von Wissen sein können. Denn gegen privates Eigentum an Wissen hilft kein staatliches Eigentum. Die Prozesse zu seiner Vergesellschaftung basieren vielmehr auf der inneren Veränderung von Zugängen, Plattformen und Nutzungsrechten. So sehr jedoch hergebrachte Verknappungsstrategien etwa bei Musikdateien scheitern, so wenig ist eine politische Ökonomie freien Wissens bisher umrissen. Es verwundert daher nicht, dass die am weiteserstritten werden, ist in vielen Bereichen auch die weitere Inbesitznahme bisher freien Wissens unter privates Eigentumsrecht umkämpft. Dazu gehören etwa die Verschärfung des Urheberrechts, die Patentierung natürlicher Ressourcen und Prozesse sowie die private Aneignung des kulturellen Erbes durch private Unternehmen, wie etwa ein zähes Ringen um die Digitalisierung von Bibliotheksbeständen und Filmarchiven zeigt. Diesen Kämpfen gemeinsam sind die Ziele eines egalitären Zuganges zu Ressourcen sowie die Organisation der kollektiven Pflege und Erhaltung dieser Ressourcen. In diesem Text sollen jedoch nicht Abwehrkämpfe gegen die Schließung, sondern vor allem konkrete Beispiele der Öffnung von Wissensressourcen vorgestellt werden.ten fortgeschrittenen Konzepte von »Openess« im steuerfinanzierten öffentlichen Sektor umgesetzt werden.“

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Ein Kommentar zu “„Piratenzauber“: Beitrag zum freien Wissen”

  1. […] Demnächst erscheint Kahrs, Horst (Hrsg): Piratenzauber. Über eine Gesellschaft, die Freibeuter hervorbringt, papyrossa Verlag, Köln 2013. Ab Anfang Mai sind die Texte des Buches dann schrittweise auf den Seiten der RLS online. Ein Text von Konstanze Kriese daraus (Vom schwierigen Auszug aus dem Fordismus Arbeit und Produktion im digitalen Zeitalter) ist hier bereits online.[UPDATE 2] Aus dem Buch “Piratenzauber” dokumentiert blog.die-linke.de/digitalelinke/ den Essay von Tobias Schulze unter dem Titel: Freies Wissen – die praktische Entknappung einer Ressource. […]

 

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